Basler Motion

22. April 2015 17:48; Akt: 22.04.2015 18:05 Print

Ja zu Sterbehilfe – das sagen Spitäler und Heime

Sterbehilfe soll in allen vom Kanton unterstützten Spitälern und Pflegeheimen möglich sein. Das verlangt eine Motion, die der Basler Grosse Rat am Mittwoch überwiesen hat.

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Das Schlafmittel Pentobarbital wird zuhause von Sterbewilligen eingenommen, aufgenommen bei EXIT Schweiz im Jahr 2008. (Bild: Keystone/Alessandro Della Bella)

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Sterbehilfe soll allen offenstehen, die in einem vom Kanton Basel-Stadt unterstützten Spital oder Alters- oder Pflegeheim sind. Das Parlament hat am Mittwoch eine Motion von Luca Urgese (FDP) mit dieser Forderung deutlich an die Regierung zur Stellungnahme überwiesen.

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Soll Sterbehilfe auch in Spitälern und Altersheimen ermöglicht werden?
80 %
17 %
3 %
Insgesamt 3109 Teilnehmer

Der Entscheid fiel nach längerer Debatte mit 50 gegen 29 Stimmen bei 16 Enthaltungen. Für das Anliegen sprach sich primär die Linke aus, dagegen neben den christlichen Parteien auch FDP und LDP. In der Debatte war ein Altersgraben quer durch Parteien erkennbar: Dafür plädierten vor allem jüngere Parlamentsmitglieder. Ein LDP-Ratsmitglied und pensionierter Pfarrer predigte, es gebe «kein Recht auf Tod»; er sprach gar von einer «Perversion».

Die Regierung hatte den Vorstoss nicht entgegennehmen wollen. Sie wolle die Institutionen nicht zwingen, sagte Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger (CVP). Offene Fragen seien besser auf Bundesebene zu regeln. Heute steht den Basler Spitälern und Heimen frei, Sterbehilfe zuzulassen; einige tun dies auch, andere aber nicht.

Altersheime müssen Verbot deklarieren

In einigen Basler Alters- und Pflegeheimen haben Sterbehilfeorganisationen wie Exit heute schon Zugang. Die Selbstbestimmung der Bewohner geniesse hohe Priorität, sagt Urs Baudendistel, Leiter des Alters- und Pflegeheims Johanniter. «Seit zwei Jahren haben wir auch eine interne Ethik-Kommission, die solche Fälle begleiten würde.» Bis jetzt kam sie aber noch nicht zum Einsatz. Aber nicht alle Pflegeheime tolerieren den begleiteten Suizid, gerade jene mit christlich-religiösem Hintergrund. Wo sie verboten ist, muss dies aber vertraglich explizit festgehalten sein. Wie viele den begleiteten Freitod zulassen, ist allerdings noch nicht bekannt. Der Verband Basler Alters- und Pflegeheime VAP führt zurzeit aber eine Umfrage durch. «Es ist nun wichtig zu wissen, was unsere Mitglieder über das Thema denken», so Geschäftsführerin Claudia Roche.

In Basler Spitälern haben Exit und Co heute noch keinen Zugang. Und die Sterbehilfeorganisationen sind auch in Zukunft nicht überall erwünscht. «Wir ermöglichen das bei uns nicht und können uns das auch nicht vorstellen», sagt Peter Eichenberger, CEO des Claraspitals auf Anfrage. Im Rahmen der Palliativpflege ist die passive Sterbehilfe aber möglich. Ähnlich präsentiert sich die Lage aktuell im Universitätsspital. Wird ein Sterbewunsch geäussert, werden dem Patienten die palliativmedizinische Möglichkeit zur Linderung des Leids aufgezeigt. «Wenn der Gesetzgeber nun wünschen würde, dass wir Sterbehilfe in unserem Spital anbieten, gehen wir davon aus, dass auch die Rahmenbedingungen festgelegt werden. Gemäss diesen würden wir danach unsere Massnahmen ergreifen», so Sprecherin Sabina Heuss.

Nicht lange suchen müssen

Lebensmüden sei nicht zuzumuten, lange im Voraus ihr Heim oder Spital nach dessen Suizidhilfe-Angebot auszusuchen, mahnte das Grüne Bündnis. In einem Notfall suche keiner sein Spital aus, sagte der Motionär. Dass lebensmüde Menschen nach Basel kommen, weil sie die hiesige Regelung gut finden, sei kein Argument dagegen, hielt die SP fest: «Zuzüger sind auch Menschen.» Die Regierung solle jetzt Stellung nehmen und eine sinnvolle Regelung vorschlagen.

Erst wenn das Parlament anhand der Stellungnahme die Motion bei der zweiten Beratung erneut unterstützt, muss die Regierung die gesetzlichen Grundlagen entsprechend revidieren.

(lha/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Luna am 22.04.2015 13:11 Report Diesen Beitrag melden

    zulassen

    Das ist gut so. Es kann ja wohl nicht sein, dass man nicht selbst entscheiden kann, wann und wo man sterben möchte. Wer sein Leben nicht mehr als lebenswert erachtet, soll gehen dürfen. Und zwar ohne administrative Hürden und unnötige Verkomplizierungen. Sterben ist etwas ganz natürliches, wenn wir schon die Möglichkeit haben, es gewissen Menschen etwas leichter zu machen, dann sollten wir diese auch nutzen. Die Überzeugung des Personals ist kein Argument. Dann könnte man auch Bluttransfusionen verbieten, weil gewisse Glaubensrichtungen sie nicht zulassen.

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  • stef am 22.04.2015 12:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    winwin

    wenn keine famile mehr zu besuch kommt, freunde gestorben sind und man nur noch dahinvegetiert und man den Wunsch hat zu gehen..... warum nicht unterstützen? Es gäbe wieder freie Plätze und die Kosten gehen runter.... winwin Situation

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  • sepp am 22.04.2015 13:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    raffgierige Alters und Pflegeheime

    Jeder sollte selber entscheiden dürfen, wann er gehen will. Keiner von uns allen, wurde gefragt, ob wir auf die Welt kommen möchten, darum ist es nur Gerechtigkeit, seinem Leben ein Ende zu setzen, wann jedwr dies für sich entschieden hat. Statt im Pflegeheim dahinsiechen, Krebspatienten, die keine Lebensqualität mehr haben, ich bin dafür.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Den Sterbenden am 23.04.2015 20:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das geschäft mit

    Solange in den letzten 6 monaten in der regel alle beteiligten zwischen einer halben und einer million franken an einem sterbenden verdienen (studien) hat keiner ein interesse, jemanden schnell sterben zu lassen. Das ist ein top geschäft für pharma, ärzte therapeuten etc. überlegt euch das mal, prüft meine aussage. Und voila. An toten verdient keine lobby etwas

  • Dilara Ari am 23.04.2015 15:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine Meinung.

    Ich selber arbeite in einem Altersheim und sehe wie einige Bewohner täglich leiden sowie Demente u. Adäquate. Sind die Angehörigen einverstanden, dann wäre des die einzige Möglichkeit, als mit schrecklichen schmerzen zu sterben..

  • Kim am 23.04.2015 14:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zum Glück

    wohne ich in der Schweiz. Bin siebzig,wenn ich krank würde und Schmerzen zum schreien hätte; nehme ich noch so gerne einen Drink der mich davon erlöst. Bin seit einiger Zeit bei Exit; das gibt mir ein gutes Gefühl. Wenn es einen Gott gibt,dann wäre er der erste der mich verstehen würde.

  • Gewollt am 23.04.2015 10:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anders als

    Ich habe eine Dokumentation von einem deutschen Mann gesehen .Er wollte unbedingt in die Schweiz zum Sterben .Schon der private Transport stieg über seine Kräfte und in der Schweiz angekommen könnte er kein Glas mehr zum Mund führen und konnte auch nicht mehr mit dem Rörli trinken . Er kam ins Spital und starb nach wenigen Tagen eines natürlichen Todes .

  • segel1100 am 23.04.2015 07:00 Report Diesen Beitrag melden

    der einzige grund für nein dazu, ist die

    eigene Angst .... Egal was andere denken .. ich bin heilfroh bin ich seit vielen jahren (15) mitglied bei exit. ich musste mit ansehen wie meine arme schwiegermami die ärzte angebettelt hat, das sie ihr helfen zu gehen (was sie ja nicht dürfen) und ich hoffe inständig, das es irgendwann die regel in pflegeheimen und spitälern wird, das man als mensch selbst entscheiden kann und nicht irgendwer im alter entscheidet nööö du darfst nicht - wir entmündigen dich hier und lassen dich lieber noch leiden (und das nur weil die meisten selbst angst vor dem sterben haben)

    • Tina B am 23.04.2015 08:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Schwer

      @segel 1100 es wird trotz allem nicht einfach sein. Vorallem nicht für ältere Menschen die schon unter einer Demenz leiden und doch immer wider "wache" Momente erleben müssen. Es werden Leute vom Exit vorbei kommen, Gespräche führen, Psychologische Fragen abklären etc. Ich finde aber auch, dass jeder Mensch selber entscheiden darf aufgrund eines Leidens, wann er gehen möchte.

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