Wegen Handy totgeprügelt

16. April 2019 16:37; Akt: 16.04.2019 17:04 Print

Schläger zeigt vor Gericht weder Einsicht noch Reue

Ein 41-jähriger Portugiese wurde Ende Juli von zwei jungen Männern in Basel wegen eines Handys totgeprügelt. Ein Slowene (29) und ein Spanier (19) stehen deswegen vor Gericht.

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Der Tatvorwurf

Am 27. Juli 2018 wurde ein 41-jähriger Portugiese von zwei Männern am Kleinbasler Rheinufer an einer Berme brutal verprügelt. Kurze Zeit später erlag er seinen schweren Verletzungen. Als Haupttäter gilt der 29-jährige Slowene M.N.*, ein 19-jähriger Spanier war an der Auseinandersetzung beteiligt und ist mitangeklagt. Das Tatmotiv: Das Opfer stand im Verdacht, dem Slowenen kurz zuvor das Handy gestohlen zu haben. Es konnte aber nicht bei ihm gefunden werden.

Die Staatsanwaltschaft Basel-Stadt wirft den ihnen vorsätzliche Tötung vor. Beiden Beschuldigten droht im Falle einer Verurteilung neben einer langjährigen Freiheitsstrafe ein Landesverweis.

Das sagt der Beschuldigte zur Tat

N. gab vor dem Basler Strafgericht zu, das Opfer zweimal geschlagen zu haben. Allerdings sei sein Ziel lediglich gewesen, ihn nach dem vermissten Handy zu durchsuchen, wogegen sich der Portugiese gewehrt habe. Nach den Schlägen habe das Opfer die Augen verdreht. «Er stand mit leerem Blick auf, machte einen Schritt nach links und kollabierte», sagt N.

Der Slowene zeigte vor Gericht weder Einsicht noch Reue. Man wolle ihm aufgrund von Zeugenaussagen eine Geschichte «eintrichtern». «Und den letzten Schlag kann man mir nicht nachweisen.» Wie er unter anderem in seinem Schlusswort verlauten liess, sei das Opfer an den Folgen eines Sturzes gestorben. Sein Schluss widerspricht dem Gutachten der Gerichtsmedizin, laut dem Schläge zum tödlichen Schädel-Hirn-Trauma des Opfers führten.

Ein Zeuge stellt diese Darstellung aber infrage. Er belastet N. schwer. So soll der Slowene dem Opfer wesentlich mehr Schläge verpasst haben und und ihn nicht nur umgedreht, sondern tatsächlich in die Luft gehoben und fallen gelassen haben. Der Portugiese sei auf die nächst tiefere Stufe der Rheinberme gestürzt.

Das verlangt die Staatsanwaltschaft

Für die Anklage steht die Schuld von N. ausser Frage. Die Beschuldigten hätten den Tod des Opfers vielleicht nicht gewünscht, mit ihren gezielten Schlägen gegen den Kopf des wehrlosen Opfers aber sehr wohl aber in Kauf genommen. «N. hat aus dem Nichts mehrfach und gezielt zugeschlagen. Er hatte keinerlei Skrupel, vor all den Zuschauern zuzuschlagen. Das Hochheben und Fallenlassen ist extrem verwerflich», hält die Staatsanwältin fest.

Für den Slowenen beantragte sie eine Haftstrafe von 13 Jahren. Zudem sei ein Landesverweis auszusprechen. Der jüngere Mittäter L. soll zu sechs Jahren Haft verurteilt werden. Die Freiheitsstrafe sei aber zugunsten einer vierjährigen Arbeitserziehungsmassnahme aufzuschieben. Auch der Spanier sei wie der Haupttäter 15 Jahre des Landes zu verweisen.

Das will die Verteidigung

Die Verteidigung versuchte Zweifel am Verschulden von N. zu säen. «Jedermann gerät in Panik, wenn er sein Handy, wo alles wichtige drauf ist, verliert», sagt er. Das löse bei jedem einen gewissen Impuls aus. Genau diesen habe N. wegen der Medikamente nicht steuern können. Der Slowene stand zum Tatzeitpunkt unter dem Einfluss mehrerer Substanzen.

Der Verteidiger beantragte aufgrund vermuteter Schuldunfähigkeit die Einstellung des Verfahrens. Die Verteidigerin des Mitbeschuldigten Spaniers beantragte eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten, die zu Gunsten einer Erziehungsmassnahme aufzuschieben sei. Gegen den Landesverweis wehren sich beide Parteien.

Zweifel an der Schuldfähigkeit

N. nahm starke Medikamente. Er bekam Testosteron gegen sein Übergewicht, ein Medikament mit Amphetamin-Wirkstoff gegen ADHS und ein Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide gegen rheumatische Schmerzen. «Er hätte engmaschig überwacht werden müssen», betonte der Gefängnisarzt. Denn jedes der Medikamente allein hätte eine Zunahme des Aggressionslevels und eine Einschränkung der Impulskontrolle zur Folge haben können. Das werfe ein neues Licht auf die Schuldfähigkeit des Beschuldigten.

«Ein Gutachten über den Einfluss von Substanzen bringt nicht viel, weil man einfach nicht weiss, was er zur Tatzeit intus hatte», hielt die Staatsanwältin dagegen. «Er nahm die Medikamente schon lange. Es kann keine Rede von einer besonderen Enthemmung sein. Er hat nie gesagt, er sei völlig neben sich gestanden.» Zudem sei das Testosteron bis drei Wochen vor der Hauptverhandlung nie ein Thema gewesen. Sie wittert vor allem ein Verteidigungsmanöver, das «aus dem Beschuldigten ein Testosteron-gesteuertes Monster zu konstruieren versucht».

Das Urteil folgt am Donnerstagvormittag.

*Name der Redaktion bekannt.

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