Gelterkinden BL

16. Januar 2020 19:45; Akt: 17.01.2020 06:49 Print

Jetzt spricht die Schule zum Xanax-Fall

Nachdem ein 12-Jähriger sich mit Xanax zugedröhnt hatte, habe man umgehend reagiert. Man sei für Medikamentenmissbrauch sensibilisiert, betont die Schulleitung.

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Dröhnen sich an der Sekundarschule Gelterkinden Schüler mit verschreibungspflichtigen Medikamenten zu? Am Dienstag kursierte auf dem Pausenhof ein Fläschchen mit Xanax-Pillen. Ein 12-Jähriger wurde zugedröhnt am Bahnhof vorgefunden. Ihm wurde dieses Xanax-Fläschchen abgenommen. «Wir sind schon länger sensibilisiert für die Thematik des Medikamentenmissbrauchs», sagt Co-Schulleiter Roger Leoni. «Dass es konkret Schüler an unserer Schule betrifft, war für uns neu», räumt er ein. Nachdem nun bekannt wurde, dass Xanax-Pillen im Umlauf waren, hat die Schulleitung umgehend reagiert. «Da ist schon ganz viel passiert», sagt Leoni. Auch die Eltern seien umgehend einbezogen worden, dazu sei die Schule auch verpflichtet, ebenso die Polizei. «Er konnte nicht mehr richtig laufen. Ich wusste nicht wie ich handeln soll», erzählt das Mädchen, das den zugedröhnten 12-Jährigen am Bahnhof antraf. Der Polizei Basel-Landschaft ist der Fall bekannt, wie sie auf Anfrage von 20 Minuten bestätigte. Sie spricht von einem Einzelfall. Das mag zwar auf die Schule zutreffen, der Konsum verschreibungspflichtiger Beruhigungmsittel ist bei Teenagern aber längst keine Randerscheinung mehr. «Es gibt da ein Problem», sagt auch Markus Meury, der Kommunikationsbeauftragte von Sucht Schweiz. Der Trend habe sich bereits in der Statistik niedergeschlagen. Gemäss einer Studie hatten 2018 4,5 Prozent der 15-jährigen Jungen und knapp über 4 Prozent der gleichaltrigen Mädchen mindestens einmal Medikamente genommen, um psychoaktive Effekte zu erleben. Vor allem bei den Buben sei eine Zunahme verzeichnet worden im Vergleich zu älteren Erhebungen. Dabei sind die potenten Medikamente alles andere als ungefährlich. «Benzodiazepine machen schon nach wenigen Wochen abhängig, und eine zu hohe Dosierung kann lebensgefährlich sein», warnt Meury.

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Die Nachricht über den Missbrauch von Xanax, einem verschreibungspflichten starken Beruhigungsmittel, bei Sekundarschülern hat in Gelterkinden BL für viel Aufregung gesorgt. Am Tag nachdem publik wurde, dass ein 12-Jähriger völlig zugedröhnt von einer Schülerin am Bahnhof vorgefunden wurde und deswegen sogar in Spitalpflege musste, äussert sich jetzt auch die Schulleitung zum Fall.

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«Wir sind schon länger sensibilisiert für die Thematik des Medikamentenmissbrauchs», sagt Co-Schulleiter Roger Leoni.
Das sei auch schon an Elternabenden im Rahmen der Gesundheitsförderung thematisiert worden. Man stehe in permanentem Austausch mit allen relevanten Fachstellen wie etwa dem Jugenddienst der Polizei. «Dass es konkret Schüler an unserer Schule betrifft, war für uns neu», räumt Leoni ein.

Eltern wurden informiert

Nach Bekanntwerden des Vorfalls hat die Schulleitung umgehend reagiert: «Da ist schon ganz viel passiert», sagt Leoni. Auch die Eltern von betroffenen Jugendlichen seien umgehend einbezogen worden, dazu sei die Schule auch verpflichtet, ebenso die Polizei. Ob und welche Massnahmen getroffen wurden, könne aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht kommuniziert werden.

Polizeisprecher Adrian Gaugler sagte auf Nachfrage, dass die Polizei in dem Fall «Ermittlungen getätigt, Handlungen vorgenommen und Gespräche geführt» habe. Die Eltern des betroffenen Buben wollten sich nicht äussern.

Die Schule betonte weiter, dass der Xanax-Konsum nur einen «ganz kleinen Teil» der Schülerschaft betreffe. Das deckt sich auch mit Informationen von 20 Minuten. Demnach handelt es sich um lediglich vier bis fünf Schüler im Alter von 12 bis 14 Jahren, die die Pillen konsumiert haben sollen. Das mit den Tabletten laufe noch nicht lange, berichtet eine Schülerin.

Kein Gelterkinder Problem

Der Sekundarschule Gelterkinden sei es wichtig zu betonen, dass man bestrebt sei, die Thematik sehr aktiv anzugehen. «Für uns ist zentral, dass wir hinsehen und nicht wegschauen», sagt Leoni.

Das Thema betrifft längst nicht nur die Sekundarschule Gelterkinden. Der Konsum solcher Medikamente ist zunehmend verbreitet bei Teenagern. «Tatsache ist, dass im ganzen Kanton etliche Jugendliche Medis ausprobieren und solche teilweise auch gehandelt werden», teilt die Baselbieter Jugendanwaltschaft mit. Woher der Stoff kommt, sei meist nur schwer zu eruieren. Nur selten lasse sich das zurückverfolgen. «Gesichert ist, dass in einigen Fällen zu Hause die Medis der Eltern entwendet wurden.»

(lha)