Unfallgefahr

14. November 2019 04:52; Akt: 14.11.2019 09:38 Print

Ein Gummi macht das Velofahren sicherer

Ausgerechnet behindertengerechte Tramhaltestellen sind eine Gefahr für Velofahrer. Jetzt wird ein neues Gleissystem getestet, das die Durchfahrt sicherer machen soll.

Ist es mit dem Gummi wirklich sicherer? Auf einem Gelände in Füllinsdorf werden die velogerechten Gleise derzeit getestet. (Video: 20 Minuten)
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Die neuen behindertengerechte Tramhaltestellen in Basel sind bei Velofahrern gefürchtet. Wegen der erhöhten Einstiegskante wird die Passage zwischen Trottoir und Gleis zum Nadelöhr. Laut dem Verkehrsclub Schweiz führten diese sogenannten Kaphaltestellen zu zahlreichen Unfällen von Velofahrern, weil diese mit dem Rad in die Schiene gerieten. Man habe wiederholt Sicherheitsmassnahmen verlangt, so der VCS. Jetzt scheint eine Lösung nah.

Seit Anfang 2018 hat das Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) Sicherheitsmassnahmen erarbeitet. «Basierend auf einem vorerst gescheiterten Versuch aus Zürich und gemeinsam mit den Basler Verkehrsbetrieben (BVB) wurde ein neues Gleissystem entwickelt, das eine Gummifüllung für Schienen vorsieht», erklärte Adrienne Hungerbühler, Projektleiterin beim BVD am Mittwoch.

Test mit Salz und Räppli

Die gefüllten Tramgleise werden vorerst auf einem Industrieareal in Füllinsdorf von Velofahrern getestet. «Ein Test an einer echten Haltestelle nehmen wir aus verfahrenstechnischen Gründen erst in Angriff, wenn diese erste Versuchsphase positiv verläuft», so Hungerbühler. Dies könne Mitte 2021 der Fall sein. «In der Zwischenzeit», ergänzt Sonja Körkel von der BVB, «werden die Gleise auf Herz und Nieren geprüft.» So würden über den Winter Witterungseinflüsse beobachtet, Salz und Räppli darauf gestreut und ein Schienenbruch simuliert.

Die neuartige Gleiskonstruktion weist an der Innenseite des Gleises einen Metallkasten auf. «Im Gegensatz zum Versuch in Zürich soll dieser Kasten die Fixierung des Gummis ermöglichen» so Hungerbühler. Dieser könne bei Nässe rutschig sein. Florian Schreier vom VCS beider Basel macht den Test. Trotz Vollbremsung auf dem nassen Gleiskasten hat er nie die Kontrolle über sein Velo verloren.

Psychologischer Gewinn

Schreier ist erfreut über das Gesamtergebnis.«Ich habe mich sicher gefühlt», sagt er. «Auch das Bremsen auf dem Gummi hat funktioniert.» Schon alleine das Wissen über die Schienengummis sei ein psychologischer Gewinn. «Velolenker trauen sich so näher an die Schiene ran, wenn sie auf der Seite des Bordsteins bleiben.» Für den VCS sei ein erfolgreiches Projekt ein wichtiges Zeichen für gelegentliche Velofahrer, dass in der Stadt Basel sicher Velo gefahren werden kann, so Schreier.

(obr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Captain Hindsight am 14.11.2019 06:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Finde ich gut

    Wenn man jetzt noch rote Ampeln erfindet, welche von Velofahrern respektiert werden, dann wird Velofahren in der Stadt wirklich sicherer. Bezahlen diesen Mehraufwand die Radfahrer oder läuft das unter das Budget der ÖV-Benutzer?

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  • C.Käser am 14.11.2019 05:56 Report Diesen Beitrag melden

    Warum die Welt neu erfinden

    für immer mehr hirnlose Pedalritter. Dass man Strassenbahnschienen nur in einem stumpfen Winkel überfahren darf weiß man seit rund hundert Jahren, seit es Tram und Velos gibt.

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  • H.P. am 14.11.2019 06:05 Report Diesen Beitrag melden

    Ganz einfach

    Du kannst Velo fahren oder halt nicht

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Bati am 14.11.2019 17:19 Report Diesen Beitrag melden

    Helm

    Super, es wird getestet und die Testfahrer fahren ohne Schutzbekleidung. VCS, BFU, SUVA alle sind am schlafen

  • Trami Tramli am 14.11.2019 16:12 Report Diesen Beitrag melden

    Plastik

    was sagt GRETA zu mehr Plastik in der Landschaft?

  • Gjuri am 14.11.2019 15:31 Report Diesen Beitrag melden

    Luxusproblem

    Geldverschwendung! Seit Jahrzehnten gibt's Tram's wie auch Velo's & in dieser Zeit haben Velofahrer nicht gelernt wie man - Gefahrenlos & halt nicht in einem Hirnlosen Höllentempo - die Tramgeleise überquert?! Oder ist dies wieder ein Kostspielig - aber Unnötiges Luxus Problem das in den letzten 2 Jahrzehnten gekeimt ist?! Mit Bedacht & Vorsicht fahren - Problem gelöst & sowas gehört zum Überflüssigen!

  • Nationless am 14.11.2019 14:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unverständlich

    Es ist einfach verrückt wie man Geld für Velöler und Tramstädte verbraten kann. Entweder fährt man Velo oder Tram. Entweder setzt man sich für eine Velostadt ein indem man die Trams unter Tag verlegt oder man hält an der Tramstadt fest und lässt das Velöler sich mit Trams und ihre Geleisen arrangieren.

  • Bänz am 14.11.2019 13:44 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach Route ändern

    Es gäbe ja auch vielleicht noch die Möglichkeit, als Velofahrer solche Routen einfach zu umfahren, wenn sie einem zu gefährlich erscheinen? Damit ist natürlich nicht gemeint, auf's Trottoir auszuweichen...

    • Iten am 14.11.2019 16:14 Report Diesen Beitrag melden

      @Bänz

      Da haben Sie recht! Im Falle zum Beispiel der Greifengasse könnte man gefahrlos via Rheingasse, Schafgässlein oder Kasernenstrasse, Untere Rheingasse ausweichen. Da einem dort nie ein Bus oder Tram den Weg versperrt, spart man vermutlich sogar noch Zeit dabei.

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