Frauenstreik 14. Juni

04. Juni 2019 13:31; Akt: 04.06.2019 13:31 Print

Nur wenige Frauen wollen wirklich streiken

Etwa jede fünfte Frau hat vor, am Frauenstreik teilzunehmen. Streit mit dem Arbeitgeber riskieren aber die wenigsten.

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18 Prozent der Frauen haben vor, am 14. Juni am Frauenstreik teilzunehmen. Im Bild: die Kundgebung für Lohngleichheit im September 2018. Natascha Wey von der Gewerkschaft VPOD sagt, der Streik elektrisiere die Basis: «Auch die Bäuerinnen oder die Aargauer Kirchenfrauen streiken. Das sind beileibe keine Linksextremen.» «Frauen haben weniger Geld, weniger Zeit und weniger Anerkennung für die Arbeit, die sie leisten», schreiben die Verantwortlichen des Frauenstreiks. Die gewichtete Umfrage von 20 Minuten zum Frauenstreik bei 11'596 Personen zeigt nun, inwiefern sich Frauen in der Gesellschaft tatsächlich diskriminiert fühlen. 57 Prozent der Frauen fühlen sich diskriminiert, während 67 Prozent der Männer keine Benachteiligungen sehen. Für Helena Trachsel, Gleichstellungsbeauftragte des Kantons Zürich, ist die Notwendigkeit des Streiks ungebrochen, obwohl eine Mehrheit von 53 Prozent keine Diskriminierung der Frauen sieht. «Wir haben Fortschritte gemacht. Aber dass jede Vierte offenbar respektlosen Umgang erlebt, ist weiterhin alarmierend.» Dass zudem die Lohnungleichheit als grösstes Problem gesehen wird, erstaunt Trachsel nicht: «Das ist seit 20 Jahren das Topthema. Es ist objektiv messbar und bewegt daher am meisten.» Doch wie ist es zu erklären, dass 67 Prozent der Männer finden, Chancengleichheit sei gegeben oder gar sie selbst seien diskriminiert? «Männer müssen ins Militär und haben keinen Vaterschaftsurlaub. Sie können sich auch diskriminiert fühlen», sagt Trachsel. Da aber die Rechte der Frauen eher debattiert würden, wehrten sich die Männer, indem sie Frauen die Solidarität entzögen, so Trachsels Interpretation. «Im Vergleich zur Generation meiner Mutter sind wir privilegiert», sagt Claudine Esseiva von den FDP-Frauen. In den letzten Jahren habe man viel erreicht. Die Zahlen zeigten aber, dass es noch Nachholbedarf gebe – auch wenn die Hälfte der Befragten Frauen als nicht benachteiligt ansieht.

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Gewerkschaften und Frauenorganisationen rufen dazu auf, am 14. Juni für die Gleichberechtigung auf die Strasse zu gehen. Jetzt zeigt die grosse 20-Minuten-Umfrage, dass 18 Prozent der Frauen und 3 Prozent der Männer am Streik teilnehmen wollen. Der Rest ist unentschlossen oder nimmt nicht teil.

Ein Streik-Chaos ist allerdings wenig wahrscheinlich: So werden von jenen Frauen, die eine Teilnahme am Streik beabsichtigen, knapp 10 Prozent der Arbeit unentschuldigt fernbleiben. Der Rest hat laut der Umfrage sowieso frei oder hat freigenommen (43 Prozent), nimmt erst am abendlichen Umzug teil (11 Prozent), ist erwerbslos oder hat die Teilnahme anderswie geregelt.

Vor allem linke Frauen wollen auf die Strasse gehen

Gegen die Teilnahme spricht aus Sicht der Befragten in erster Linie, dass ein Streik der falsche Weg sei. Viele sind aber auch der Meinung, dass die Gleichberechtigung bereits erreicht sei. Andere wiederum haben schlicht keine Zeit oder andere Prioritäten.

Wie die Umfrage zeigt, mobilisiert der Streikaufruf vor allem Städter und Linke. Bei den Wählern von SP und Grünen ist es gut jeder Vierte, der sich den 14. Juni in der Agenda angestrichen hat. Bei den bürgerlichen Wählerinnen und Wählern ist dagegen keine Streik-Euphorie zu spüren. So wollen nur 7 Prozent der CVP-Wähler und nur 4 Prozent der FDP-Wähler am Streik teilnehmen.

«Initiantinnen sind in den 70er-Jahren stehen geblieben»

Bestätigt fühlt sich Doris Fiala, Präsidentin der FDP-Frauen. Für sie ist die Idee des Streiks überholt und zu sehr mit den Gewerkschaften verbunden. Die Initiantinnen «sind in den 70er-Jahren stehen geblieben»: «Als wir Frauen noch keine politischen Rechte hatten, war ein Streik mutig und wirkungsvoll. Und nur weil die Juso heute noch BHs verbrennen, sind sie nicht emanzipierter als die Liberalen.» Gleichstellung fange im Kopf an. Die FDP-Frauen lancierten darum eine Antidiskriminierungskampagne unter dem Motto «dem Streik voraus». Sie sei überzeugt, dass Frauenförderung mehr bringe als ein Streik.

Natascha Wey, Gewerkschafterin beim VPOD und Co-Präsidentin der SP Frauen*, sagt, der Streik elektrisiere die Basis: «Auch die Bäuerinnen oder die Aargauer Kirchenfrauen streiken. Das sind beileibe keine Linksextremen.» Andere Parteien wie die SVP oder die FDP seien der Meinung, dass die Gleichstellung schon erreicht sei. «Wenn man so denkt, sieht man natürlich auch keinen Sinn im Streik.» Frauen hätten aber allen Grund, auf die Strasse zu gehen, solange die Lohngleichheit nicht erreicht ist und Frauen Gewalt erleben müssen.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Travor am 04.06.2019 06:45 Report Diesen Beitrag melden

    Frauen werden bevorzugt

    Die CS will ja nun Frauen bei der Stellenvergabe konsequent bevorzugen. Sollte dennoch ein Mann angestellt werden, so muss dies speziell bewilligt werden, mit Begründung, wieso es ein Mann sein muss. Ist das normal?

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  • Denkpause am 04.06.2019 06:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schön und gut ...

    ... sie wünschen gleiche Rechte. Ich habe noch nichts davon gehört, dass sie auch die gleichen Pflichten wünschen.

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  • Thomas am 04.06.2019 06:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frauen Diskriminierung?

    interessant, dass mehr frauen denken, dass männer diskriminiert werden, als männer denken, dass sie selber diskriminiert werden. insgesamt zeigt dich die umfrage vor allem dad männer diskriminert werden. dies vor allem wegen den diskriminirenden gesetzen wie militärpflicht, witwenrente, ahv- alter usw. wo hingegen die frau von gesetztes wegen immer gleich oder besser gestellt ist.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • corettli am 04.06.2019 20:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frauen

    warum glaubt ihr Männer zu sein??? Erbringt doch mal wirklich die gleiche Leistun wie die Männer bei der Arbeit und hört bei jedem Wehwechen auf zu Hause zu bleiben.Geht Krampfen auf dem Bau bei Wind ,Hitze ,Regen und schnee und Kälte. Ihr würded keine Woche durchhalten. Seht endlich ein,dass Ihr niemals die stärke eines Mannes in euch habt. Warum müsst ihr euch Frauen immer den Männern gleichstellen. Ich selbst bin auch eine Frau,aber ich bin zu frieden mit dem was ich habe. Ja ich habe einen Mann,der geht Arbeiten und wenn er nach hause kommt bin ich glücklich und zufrieden,weil er für mich da ist und mich liebt. Also seit doch einfach mal zu frieden mit dem was man habt und was der Partner einem gibt.

  • Rolf Kurt am 04.06.2019 20:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dienen und verdienen

    Wir alle verdienen viel, nur bekommen wirs nicht.

  • Linda am 04.06.2019 20:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ich bin Mensch

    ich verdiene mehr wie mein männlicher Arbeitskollege. Spreche aber mehr Sprachen und hab mich im Leben bewegt. Generell bin ich zufrieden. ein Leben ohne Männer wäre langweilig. Ich werde nicht streiken. bin kein Fan von militanten Frauen

  • King Kong am 04.06.2019 20:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt noch viel zu tun

    Gleichberechtigung wird es erst dann geben, wenn auch Frauen ihre Privilegien abgeben müssen. Es müsste z.b. ebenfalls widerrechtlich sein, wenn eine Frau mehr verdient als ein Mann oder wenn sie bloss darum angestellt wird, weil sie eine Frau ist. Der Weg ist noch weit.

  • Schreiber am 04.06.2019 20:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    300

    Unzufrieden? Der Rest der Schweiz sieht ein,nur das Miteinander kann gut gehen!