Basel

16. Januar 2020 09:16; Akt: 16.01.2020 11:18 Print

A. F.* plante tagelang, ein Kind zu ermorden

Die Tötung des Buben Ilias (†) in Basel sorgte für grosse Betroffenheit weit über die Landesgrenzen hinaus. Die Anklageschrift gegen die Täterin bringt nun neue Details ans Licht.

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Am 21. März 2019 erstach A. F.* den siebenjährigen Ilias auf dem Heimweg von der Schule. Die Tat im Basler Gotthelf-Quartier erschütterte nicht nur die Schweiz, sondern auch den Kosovo, aus dem die Familie von Ilias stammt und wo der Bub beigesetzt wurde. Bei einem Trauermarsch verabschiedeten sich Hunderte von Ilias. Inzwischen liegt die Anklageschrift der Staatsanwaltschaft gegen die geständige F. vor, wie die «bz» schreibt. Die heute 76-Jährige wird wegen Mordes angeklagt.

Die Staatsanwaltschaft schreibt, F. habe die Tat «von langer Hand und akribisch geplant». Sie habe durch die Tötung eines «ihr körperlich unterlegenen und völlig unbekannten Kindes» Aufmerksamkeit bei den Behörden wecken wollen. Bereits am 27. Februar habe sie dem Bundesgericht mitgeteilt, dass sie als «ihre Aufgabe» ansehe, die Tat ab dem 1. März «jederzeit einzuleiten». Bereits drei Tage vor der Tötung habe sie die Gegend um die Schule ausgekundschaftet und ihre «Tötungsideen im Kopf durchgespielt». Am Tag vor der Tat soll F. bereits mit der späteren Tatwaffe, einem Küchenmesser mit einer 12,5 Zentimeter langen Klinge, am späteren Tatort unterwegs gewesen sein.

«Heimtückische und direkte Tötungsabsicht»

Deshalb habe F. gewusst, dass sich zur Tatzeit viele Kinder in der Nähe des Gotthelf-Schulhauses aufhalten würden und dass einer älteren Frau niemand Beachtung schenken würde. 200 Meter vom Schulhaus entfernt habe sie sich dich dann mit «heimtückischer und direkter Tötungsabsicht» Ilias von hinten mit dem Messer in der Hand genähert und dem «wehr- und völlig ahnungslosen» Bub gezielt von hinten in den Hals gestochen. Er habe sich noch umgedreht, worauf F. ihm «kaltblütig» einen weiteren Stich versetzt haben soll.

Danach habe sie sich über ihn gebeugt und sich versichert, dass die Verletzungen tödlich waren, wie der Anklageschrift weiter zu entnehmen ist. Erst dann habe sie den Tatort verlassen. Beim Eintreffen der Rettungskräfte sei der Bub bereits klinisch tot und «nicht mehr rettbar» gewesen. Nach erfolgloser Notoperation im Spital sei Ilias für tot erklärt worden.

Geständnis per SMS

Nach der Tat verständigte F. diverse Medien per SMS und stellte sich bei der Staatsanwaltschaft. Die Anklageschrift zeigt nun, dass F. bereits zwei Tage zuvor eine erste Version des Geständnisses verfasst habe, dieses aber wieder gelöscht habe. Sie habe mehrere weitere Formulierungen geschrieben, die sie ebenfalls gelöscht habe, bis sie sich schliesslich für «Hoi ihr Lieben. Habe ein Kind getötet» entschieden habe.

Seit ihrer Festnahme ist F. in Untersuchungshaft und wurde psychiatrisch begutachtet. Gegen beides wehrte sie sich und zog die abschlägigen Entscheide bis vor das Bundesgericht – erfolglos. Im April wird sie sich vor dem Strafgericht Basel-Stadt wegen Mordes verantworten müssen.

Allein das Motiv deutet auf Schuldunfähigkeit

Kurz nach der Tat hatte 20 Minuten bereits aufgedeckt, dass sich F. seit Jahrzehnten im Streit mit den Behörden befand. Sie sah sich als Opfer einer «Justizkorruptionsaffäre» und deckte die Ämter mit Briefen ein. Gemäss der «bz» hätten die Behörden irgendwann aufgehört, auf die Schreiben von F. zu antworten. Darum habe F. versucht, sich mit einer Gewalttat Gehör zu verschaffen. Mord sei ein «Rechtsmittel» habe sie geschrieben, eine Gewalttat eine «Notwehrhandlung».

«Die Beschuldigte leidet an einer chronifizierten, schwerwiegend wahnhaften Störung, einem Querulantenwahn, welcher sich seit 1977 progredient entwickelt hat», schreibt die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage («progredient» bedeutet fortschreitend, Anm. d. Red.). Deshalb sei F. auch nicht schuldfähig und es werde eine Verwahrung beantragt. Wegen ihres geistigen Zustands und ihres fortgeschrittenen Alters dürfte F. den Rest ihres Lebens in einer geschlossenen Anstalt verbringen, schliesst die Zeitung.

Der Fall wird ab dem 1. April am Basler Strafgericht verhandelt.

*Name der Redaktion bekannt

(las)