Muttenz BL

13. Mai 2019 11:06; Akt: 13.05.2019 11:06 Print

Kindergarten verweigert Betreuung von Diabetiker

Die Schulleitung will nicht, dass Lehrpersonen dem fünfjährigen Noah den Blutzucker messen. Dabei können Lehrkräfte im Umgang mit Diabetikern geschult werden.

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Damit hatten die Eltern des fünfjährigen Noah nicht gerechnet. Was in der Spielgruppe problemlos funktionierte, soll im Kindergarten plötzlich nicht mehr gehen. Noah hat Diabetes und muss vor jeder Mahlzeit den Blutzucker messen und die Insulinpumpe entsprechend einstellen. Noch kann er das aber nicht selbst. In der Spielgruppe übernahmen diese Aufgabe seine Betreuerinnen. Im Kindergarten verweigern die Lehrpersonen ihm diesen Dienst, wie die «bz Basel» am Montag berichtete.

Den Pieks in den Finger verrichtet nun die Kinderspitex, die täglich in den Kindergarten aufgeboten wird. Für Noahs Eltern ist diese Lösung aber unbefriedigend. Denn: «Wenn Noah unterzuckert ist, muss man sofort eingreifen», sagt sein Vater gegenüber der Zeitung. Hinzu komme, dass der Bub durch die Betreuung durch eine extra aufgebotene Pflegeperson als krankes Kind gebrandmarkt werde. Dabei wünschen sich seine Eltern, dass Noah den Unterricht möglichst ohne Einschränkungen
besuchen und normal mitturnen kann.

Kinderspital schult Lehrpersonen

Dabei wäre es ein Leichtes, das Lehrpersonal im Umgang mit Diabetikern zu schulen. Das Universitäts-Kinderspital beider Basel bietet extra Schulungen für Lehrkräfte an. Meistens müsse man zuerst Ängste abbauen, sagt die Verantwortliche des Beratungsteams zur «bz Basel». Es brauche anfangs viel Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrkräften, aber dann funktioniere es erfahrungsgemäss gut.

Darauf will man sich in Muttenz bislang nicht einlassen. Für die Schulleitung ist klar: Insulin verabreichen ist eine medizinische Handlung, für die es spezialisiertes Personal brauche. Zudem fürchtet die Schulleiterin, dass die Lehrkraft die Aufsicht über die Klasse vernachlässigen müsste, wenn sie sich um Noah kümmern müsste. Die Schulleitung möchte aber vor allem nicht die Verantwortung übernehmen und spielt den Ball dem Kanton zu. Dieser müsse klare Regeln vorgeben.

Ausnahme könnte zur Regel werden

Auch Noahs Eltern wünschen sich ein Machtwort aus Liestal. Die Bildungsdirektion zaudert aber. «Es besteht keine Verpflichtung, aber auch kein Verbot. Das muss im Einzelfall entschieden werden, je nach Befähigung und Bereitschaft der Lehrperson», lässt sie sich in der «bz Basel» zitieren.

Noah ist denn auch eher eine Ausnahme. Diabetes wird in der Regel erst später diagnostiziert, wenn die Kinder meistens schon selbständig damit umgehen können. Allerdings hat die Zahl der Diabetiker im Kindergartenalter in den letzten Jahren zugenommen. Die Bildungsdirektion wird also kaum um einen Grundsatzentscheid herumkommen, der abschliessend regelt, ob Lehrpersonen für die Insulinmessung geschult werden müssen.

*Name geändert

(lha)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sallison am 13.05.2019 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Kleine Geschichte

    Wir hatten in der Oberstufe einen Lehrer, der starker Diabetiker war. Da das Risiko eines Zusammenbruchs bei ihm sehr hoch war, hatte er immer Notfallinjektions-Pens bei sich. Damit im Notfall jede Sekunde genutzt werden kann, hat er unsere ganze Klasse darin geschult, ihm diese Injektion zu verpassen, sollte er während des Unterrichts zusammenbrechen. Es ist in den 3 Jahren Oberstufe 5 mal vorgekommen. Heute, bin ich ihm sehr dankbar dafür, da er uns über Diabetes aufgeklärt hat und auch dafür, dass er uns Schülern ein solches Vertrauen entgegengebracht hatte.

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  • Diabetiker am 13.05.2019 11:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verständnis gefordert

    Ich bin selber Diabetiker und verdtehe die Eltern. Umgekehrt kann man die Verantwortung nicht einfach jemandem aufzwingen.

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  • Marco am 13.05.2019 11:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tragisch, aber nachvollziehbar!

    Tragisch...aber ich verstehe die Lehrperson. Man überlege wohin das noch führen soll, wo ist die Grenze?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Christine H. am 14.05.2019 18:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke den Lehrerinnen mit Courage!

    Im Zeitalter der "Integrativen Schule" sollte das wohl kein Problem mehr darstellen! Unsere gesunden Kinder können nur profitieren und einem Kind mit Diabetes wird ein so normales Leben wie möglich ermöglicht. Danke den Lehrern und Lehrerinnen die Courage erweisen. An unsere Schule z. B. Mein Neffe ist seit dem 4. Lebensjahr Diabetiker und mehr oder weniger haben sich alle LehrerInnen dem Jungen angenommen und 11 andere Kinder wissen was tun.

  • Markuns Inderbitzin am 14.05.2019 10:59 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Messen ist einfacher mit Dexcom G6

    Dexcom G6 ist die Lösung. man muss nie mehr messen. das gerät sendet die daten direkt via bluetooth zum empfänger und hat auch noch eine überwachungsfunktion welche die mutter auf ihrem smartphone einstellen kann damit sie die gleichen daten empfangen kann. das gerät wird von der KK bezahlt ! Ich benutze Dexcom seit 3 Jahren und messe seitdem nie mehr da ich alle 10min einen aktuellen messwert vom gerät erhalte.

  • Lehrerin am 14.05.2019 06:07 Report Diesen Beitrag melden

    Gehört nicht zum Berufsauftrag

    An Lehrpersonen werden schon genug Aufgaben abgegeben. Wir sind keine Krankenpfleger, deshalb finde ich es gut, dass hier die Schulleitung die Lehrpersonen schützt.

    • Mäsi am 14.05.2019 13:21 Report Diesen Beitrag melden

      @Lehrerin

      Finde ich auch. Am Ende geht was schief und die Schule wird verklagt.

    • E.S am 14.05.2019 14:07 Report Diesen Beitrag melden

      0 Empathie

      Wir reden hier von max. 5 Min. extra Aufwand die deinem nächsten das Leben um einiges erleichtern könnte.

    • Christine H. am 14.05.2019 18:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lehrerin

      Wie bitte! Imm Zeitalter der Integrativen Schule sollte das wohl kein Thema mehr sein!

    • Echt Jetzt... am 14.05.2019 20:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lehrerin

      Wir reden hier über den Kindergarten..?? Hmm also mein Kind würde ich nicht in ihrer klasse schicken..ausserdem werdet ihr so gut bezahlt, da passt Beetreung von Diabetiker (für kleine Kinder) auch noch rein..ansonsten frage ich mich wirklich "warum haben sie diesen beruf ausgeübt?" - null gefühle...no go und fetten daumen nach unten für dich "lehrerin"

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  • dmc am 13.05.2019 23:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    dawardochwas

    fast wie bei der schweizer Armee. die kommen auch nur zu Büro Zeiten, wenn man sie braucht, ansonsten geschlossen.....

  • T1D am 13.05.2019 22:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CGM

    Ich würde Noah einen Dexcom empfehlen. Mit diesem bekommt die Mutter die aktuellen Glucosewerte auf Smartphone und kann telefonisch eingreifen falls es nötig ist. Das messen fällt zudem für die Betreuerin auch weg. Ich würde meinen Dexcom nie mehr hergeben...