Klima-Senioren in Basel

06. April 2019 08:10; Akt: 06.04.2019 08:10 Print

«Hätten uns als Schüler nie getraut, zu streiken»

von Mirjam Kohler - Judith und Ruedi Bachmann sind seit Jahrzehnten im Einsatz für die Umwelt und auch bei den Klimademos dabei.

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Die 73-jährige Judith Bachmann und ihr 78-jähriger Mann Ruedi sind alte Hasen der Umweltbewegung. Letzten Samstag waren die beiden an der Velodemo der Klimabewegung dabei – mit ihrem Tandem.

«Es freut mich wahnsinnig, dass sich auch die Jungen in dieser Frage engagieren und dass man ihnen das Ruder mit gutem Gewissen übergeben kann», so Judith Bachmann.

Die beiden sind beeindruckt vom Engagement der Klimajugend. Streiken, das hätten sie sich in dem Alter nie getraut, erzählen sie.

«Das eigene Verhalten zu hinterfragen, ist unbequem»

Dass die Klimafrage erst jetzt wieder zum grossen Thema wird, findet die 73-Jährige erstaunlich: «Ich habe schon immer zu Ruedi gesagt, dass ich nicht verstehe, dass Eltern nicht mehr Verantwortung für die Zukunft ihrer Kinder übernehmen», sagt sie.

Ihr Ehemann ergänzt: «Ich hoffe, dass die Bewegung weitergeht. Letzten Endes bedeutet der Einsatz für Umwelt und Klima auch, sein eigenes Verhalten nachhaltig zu hinterfragen und zu ändern. Dort wird es dann unbequem.»

«Man kann nicht mehr zurück»

Dass zurzeit beispielsweise über Flugreisen diskutiert wird, finden die beiden gut. «Ich finde es schön, dass man kritisch hinterfragt. Wenn das Bewusstsein erst einmal da ist, geht es nicht mehr weg. Man kann nicht mehr zurück. Das ist meine riesengrosse Hoffnung und Zuversicht», sagt Judith Bachmann.

Die beiden werden sicher auch in Zukunft an Demonstrationen der Klimabewegung anzutreffen sein, denn: «Wir gehen viel demonstrieren für eine gute Sache», sagen sie.

Sie zogen schon gegen das AKW ins Feld

In den Siebzigerjahren demonstrierten sie gegen den Bau eines Atomkraftwerks in Kaiseraugst AG.

Nach dem Chemieunfall in Schweizerhalle im Jahr 1986 gründeten sie gemeinsam mit Freunden den Verein Ökostadt Basel. «Wir haben ja auch eine Mitverantwortung, man kann nicht alles den anderen überlassen», erklärt Ruedi Bachmann.

Veränderung vorleben

Die Bachmanns selber leben Veränderung vor. Seit über vierzig Jahren betreiben sie an der Bärenfelserstrasse 36 ein Café, das zum Treffpunkt des Quartiers geworden ist.

Während des Gesprächs mit 20 Minuten winkt das Ehepaar jeweils freundlich den Nachbarn zu, die vor dem Café vorbeigehen. Man kennt und schätzt sich.

Regional und saisonal kochen

Jeweils am Freitag kochen die Bachmanns für den offenen Mittagstisch. Die Zutaten fürs Essen sind möglichst saisonal und regional.

Die Bachmanns waren es auch, die die erste von heute insgesamt 80 Begegnungszonen der Stadt initiierten. Das Lebenswerk des Ehepaars wird jährlich am Bärenfelserstrassenfest gefeiert.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Willi am 06.04.2019 08:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    bin froh

    alle diese jungen Leute werden keine Autos fahren sie werden nicht in die Ferien fliegen und in Sachen Energie werden sie zum Beispiel die Treppen benützen. Danke für euren Einsatz.

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  • Papamoll, 37 am 06.04.2019 08:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anekdote

    Vor wenigen Tagen erzählte mir meine Tochter davon, dass sie dahin geht. Erklärte ihr dann gleich, dass wir doch Konsequenz sein sollen und unsere Flüge nach Thailand im August stornieren, ihr das Smartphone wegnehmen und unsere zwei Autos verkaufen. Da war sie empört, da sie ja auf Instagram Pics vom Thaistrand posten will. Wir mussten so ab ihrem Gesichtsausdruck lachen.

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  • F. Rage am 06.04.2019 08:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Werbung?

    Die streikenden Schüler fordern nur, statt selber zu verzichten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fliege am 06.04.2019 19:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    aus meiner sicht....

    wenn man schon demonstriert, dann sollte man zu diesen Ländern oder zu den hauptverursacher gehen wo die umwelt zerstören, alles andere ist sehr fraglich ob es etwas bringt... Was hier gemacht wird, ist nur bequem, vor der Haustür.

  • Monthy Python am 06.04.2019 16:41 Report Diesen Beitrag melden

    Ich begegne nie jemanden!

    Wo ich wohne gibt es keine Begegnungszone, daher begegne ich nie jemandem und bin den ganzen Tag über alleine :-(

  • VoNa am 06.04.2019 15:03 Report Diesen Beitrag melden

    Schlusswort: ..Auto fahren.

    Woher wissen Sie das, haben Sie mit einigen von den Schülern gesprochen? Dass Schüler nicht in gleicher Konsequenz leben können wie Erwachsene dürfte klar sein. Wenn der Vater oder die Mutter bestimmt, dass irgendwo hin geflogen wird, dass es im Winter Erdbeeren zu essen gibt oder dass sie das zweite Auto brauchen; dass die Kinder, wenn auch jugendlich, Materialien aus dem Ausland bekommen, können diese sich nur begrenzt wehren. Sie verdienen nicht selbst. Aber im Rahmen ihrer Möglichkeiten dürfen sie doch auf mehr Achtsamkeit aufmerksam machen und eben darum bitten, dass die Eltern zB nur 1

  • Tackle am 06.04.2019 13:36 Report Diesen Beitrag melden

    Krein grund für demo

    Klima demos sind immer nichts nützig da die Politik das Klima nicht ändern kann. Es gab schon sehr heisses Wetter vor den Co2 Emissionen und es wird sie auch nachher geben

    • Pumpi am 06.04.2019 19:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tackle

      Co2 Emissionen gibt es aber schon immer und wird es immer geben, nur wird es jährlich mehr, wenn wir unser Verhalten nicht ändern. Die Politiker können einiges tun: Kerosin endlich besteuern wie Benzin und andere Treibstoffe. Und diese Steuereinnahmen konsequent in Umweltprojekte investieren. Food Waste per Gesetz verbieten beim Produzenten, der Lebensmittel- und Gastrobranche. Unnötige Importe von Lebensmitteln, die per Flug und Schiff transportiert werden minimieren. Kein Mensch braucht Erdbeeren und Spargel im Winter.

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  • secondtry am 06.04.2019 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    Kein spontaner Anlass

    Europaweit entstehen zeitgleich all diese Klimaproteste von Schülern. Ich finde es bedenklich wie immer mehr Organisationen versuchen politischen Einfluss zu nehmen ohne sich dazu Transparent zu bekennen. WEF-Gretchen und europaweit koordinierte Proteste sind kein Zufall. Wo bleibt die offenlegung und wohin führt es wenn die Medien den naheliegendsten Fragen nicht nachgehen? Wer ist der Organisator, wer Koordiniert? Wer sind diese Personen und welche Verstrickungen gibt es? Woher kommt das Geld und wohin geht es?