Metal-Mekka

26. November 2014 07:21; Akt: 26.11.2014 07:21 Print

Konzertfabrik Z7 kämpft gegen Baumarkt

von Lukas Hausendorf - Durch den geplante OBI-Baumarkt in Pratteln sieht sich die Konzertfabrik Z7 in Bedrängnis. Nun droht Inhaber Norbert Mandel der Gemeindebehörde gar mit «Krieg».

storybild

Norbert Mandel fühlt sich von der Gemeinde Pratteln in die Enge getrieben und will nun mit allen Mitteln den geplanten Baumarkt auf dem Nachbarsgrundstück verhindern. (Bild: 20 Minuten/Lukas Hausendorf)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Konzertfabrik Z7 in Pratteln sieht sich durch den geplanten Bau eines Obi Baumarkts auf der Nachbarsparzelle gefährdet. Mit der Äusserung «Obi oder wir» hat Z7-Chef Norbert Mandel auf Facebook Wirbel verursacht. Auf Facebook findet sich auch folgender Eintrag:



Die Halle ist eine der bedeutendsten Bühne für Hardrock- und Metalkonzerte in der Schweiz. Bands von Weltruf sind hier Stammgäste und locken Publikum aus der Schweiz und dem grenznahen Ausland an. Für diese Leistung wurde Mandel 2011 auch mit dem Baselbieter Kulturpreis bedacht.

Nun sieht Mandel aber Problem auf sich zukommen. Er sei dringend auf Parkplätze angewiesen, weil die Mehrheit seiner Konzertgäste mit dem Auto anreise. Der geplante Baumarkt bringe das Fass nun zum Überlaufen. «Die Gemeinde Pratteln hat uns endgültig die letzte Chance auf Fläche für Parkraum und Erweiterung zunichte gemacht», so Mandel. Schon heute sei die Situation bei ausverkauften Konzerten nicht mehr tragbar. Obwohl er Parkflächen des benachbarten Conforama nutzen kann und auch auf andere Freiflächen ausweicht. Aber diese würden immer öfters belegt. Seit auf der anderen Seite der Autobahn gebaut wird, seien es chronisch zu wenig.

Gemeinde hat wenig Verständnis

Mandel verkündete auf Facebook: «Wir haben das Kriegsbeil ausgegraben.» Er will die Quartierplanung «Fachmarkt Grüssenhölzli» mit allen Mitteln bekämpfen. Dafür hat man bei der Gemeinde wenig Verständnis. «Dass er uns in die Pfanne haut, ist unfair», sagt Gemeindepräsident Beat Stingelin. Das Pratteler Stimmvolk habe im Frühling die Quartierplanung an der Urne gutgeheissen, Mandel habe schon damals Beschwerde gegen die Abstimmung eingereicht. Ohne Erfolg. Im Rahmen eines Mitwirkungsverfahrens sei von ihm auch keine Einsprache eingegangen.

Stingelin glaubt auch nicht, dass der Baumarkt den Konzertbetrieb gefährden könnte. «Das Gebiet wird dann sogar mit dem Tram erschlossen.» Ausserdem könne man davon ausgehen, dass die Parkplätze des Obi auch von den Konzertbesuchern genutzt werden können.

Koexistenz ist nicht möglich

«Auf den ersten Blick sieht es für uns wie ein Vorteil aus», entgegnet Mandel. In der Theorie käme es auch nur zu kleineren Überschneidungen mit den Ladenöffnungszeiten. In der Praxis sehe die Welt aber anders aus. «Wir dröhnen den Obi schon am Nachmittag beim Soundcheck zu», sagt er. Zudem seien Probleme mit wartenden Konzertbesuchern programmiert. Der Verkehr zum Baumarkt würde die Menschenschlange, die sich oft schon Stunden vor der Türöffnung bildet, gefährden . «Da stehen schnell mal 200 Leute. Personenschäden sind nur eine Frage der Zeit.»

Pläne zur Verlegung der Konzertfabrik seien darum schon am Gedeihen. Wie Mandel erklärt, würden mehrere Standorte geprüft. Ausserhalb von Pratteln. Denn hier habe man finanziell keine Chance, geplante Projekte zu verwirklichen. Ein Schritt, der ihm aber schwer fallen würde. «Man kann den Kölner Dom ja nicht einfach nach Düsseldorf stellen.»

Z7 hätte Baumarktparzelle gerne selbst gehabt

Von der Gemeinde fühlt sich Mandel unverstanden und verdrängt. Er habe zwölf Jahre lang für die Parzelle gekämpft, welche die Gemeinde nun an Obi im Baurecht abtritt. Darauf hätte ein kleiner Bruder des Z7 und eine Konzerthalle für 4000 Besucher Platz finden sollen. «Finanziell hatten wir aber keine Chance.» Obi wird der Gemeinde einen jährlichen Baurechtszins über 750‘000 Franken entrichten. Mandel hätte ein Sechstel davon aufwerfen können.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • franz am 26.11.2014 08:48 Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Sehr schade das Ganze. Bin oft im Z7 und kenne die schwierige Situation dort nur zu gut. Vor allem ist es etwas befremdlich, dass die Stadt lieber eine riesige Baumarktkette unterstützt, als einen Kulturort, welcher schon lange an jenem Ort existiert. Wirklich schade - wünsche dem Z7 nur das Beste.

  • Black Sabbat am 26.11.2014 08:13 Report Diesen Beitrag melden

    OBIch es brauche?

    Die Gegenargumente von Herrn Stinglin tönen plausibel. Andererseits kann ich sehr gut auf einen weiteren Baumarkt verzichten. OBI, Bau & Hobby, Jumbo.. Hornbach, wie viele brauchen wir noch? Kunst und Musik werden immer Häufiger verdrängt, ausser es werden neue protzige Kunst- und Musiktempel gebaut oder eben auch einen Baumarkt. "Kleinkünstler" müssen dann aus ihren umgenutzten alten Fabrik- und Industriegebäude weichen. Naja, vielleicht kauft dann ja doch ein Künstler einen Pinsel für seine Staffelei, oder ein Musiker WD40 für seine Trompetenventile... :/

  • Frozen am 26.11.2014 09:00 Report Diesen Beitrag melden

    Das Z7

    ...ist leider auch nicht mehr das, was es mal war. Als ich vor zehn Jahren mit Konzerten anfing, fand jede Woche ein geiles Heavy/Power/Thrash Konzert statt, heute noch einmal im Monat wenn man Glück hat, sonst ists Core, Death oder gar kein Metal. In Absehbarer Zeit wird es den gleichen Pop/Core Weg gehen wie das Kofmehl, weg vom Metal. Aber: Es ist nunmal die grösste und bestvernetzte Location der Schweiz. Nur dort kommen echte Grössen öfter hin, und Pratteln ist aus allen grösseren Städten der Deutschschweiz gut anfahrbar. Darum: Ein Z7 ist für Pratteln wichtiger als 100 OBIs.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sam Ott am 27.11.2014 23:26 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber Hoch- als Geiz-ist-geil-Kultur

    Dass die Gemeinde hier dem x-ten Baumarkt der Region den Vorrang gegenüber einer Institution der Musik-Hochkultur gibt, ist mehr als bedenklich. Für Musiker und Gäste ist das Z7 ein Ort, der immer wieder gerne besucht wird. Obi mit seinen Milliarden soll sich ein Gelände mit weniger Nachbarn erschliessen.

  • Fan Z7 am 27.11.2014 08:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unerhöhrt

    Also der Baumarkt soll sich gefälligst einen anderen Standort suchen! Z7 war zuerst da und wird professionel geführt. Es gibt immer tolle Konzerte dort! Wenn der oberste Kopf welcher das sagen in Pratteln hat sich gegen Z7 stellt hätte Pratteln grosses Kultur-Gut weniger. Z7 ist über die Grenzen hinaus bekannt.

  • Hans Meiser am 27.11.2014 05:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herr Mandel

    Faehrt einen gelben ae86 Corolla. Der Herr hat meine Gefolgschaft :-) Spass beiseite: Schon mal Pratteln angeschaut? Was da in den letzten 5 Jahren aufgebaut wurde ist immens und verstörend. Das schaut mir alles viel zu verbaut aus. Grässlich

  • Metal Fan am 26.11.2014 22:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lieber lange Haare

    Ich war schon oft im z7 Zu disem Thema kann ich nur sagen Lieber langehaare als ein oranges eichhörnchen.

  • metalhead am 26.11.2014 22:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    tragisch....

    Es ist schon tragisch wie heutzutage auf Kosten der Kultur und zugunsten von vollkommen überdimensionierten, hässlichen Einkaufspalästen städteplanerische Entscheidungen getroffen werden, die zur Folge haben, dass die betroffenen Städte in der Bedeutungslosigkeit versinken.... Einen OBI gibts an jeder Ecke.... Ein Z7 halt nur einmal... Ich würde gerne wieder nach Pratteln kommen... Aber sicher nicht zu OBI....