Basel

19. Juli 2015 18:53; Akt: 19.07.2015 18:53 Print

Kreide-Krieg am Rheinufer um Religion

Am Rheinufer buhlen mysteriöse religiöse und antireligiöse Kreide-Kritzeleien um die Aufmerksamkeit der Passanten. Nun gab sich einer der Autoren zu erkennen.

Daniel Bucher ist einer der beiden Kreide-Kritzler vom Rheinufer. Als Gegner des Christentums wollte er ein Gegenpol für die Jesus-Statements auf der Rheinpromenade darstellen.
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Zuerst waren da die Sprüche, mit denen Gott und das Christentum lobpreist wird: «Amacing Graze in Jesus. Jesus safed us. We love Jesus», steht zum Beispiel bei der Mittleren Brücke mit Kreide am Boden geschrieben. Schon lange wundern sich die Baslerinnen und Basler, wer und was hinter den Kreide-Kritzeleien an der Kleinbasler Rheinpromenade steckt.

«Jungfrauen gebären keine Kinder»

Seit kurzem werden diese christlich orientierten Statements nun mit antireligiösen Sprüchen gekontert. In kürzester Zeit entbrannte auf öffentlichem Grund ein offener Schlagabtausch zweier Glaubensrichtungen; geführt in Kreiden-Buchstaben am Boden. Zum Beispiel hiess es da plötzlich auch: «Jungfrauen gebären keine Kinder. Menschen gehen nicht über Wasser. Tote werden nicht wieder lebendig. Wein wird nicht zu Blut. Was der Natur widerspricht kann nicht im Einklang mit einem Schöpfer sein.»

«Wollte einen Gegenpol setzen»

Nun erklärte sich der Verfasser der antireligiösen Kritzeleien der Öffentlichkeit. Gegenüber «Telebasel» erklärte Daniel Bucher, gelernter Chemikant, seine Beweggründe: «Vor rund zwei Wochen habe ich mich entschlossen, eine Gegenposition zu diesem religiösen Gekritzel einzunehmen.»Seine katholische Erziehung und vier Jahre in einem St. Galler Kloster hätten ihn zur Ablehnung des Christentums bewegt.

«Ich bin mir bewusst, dass ich mit diesen Statements einige Leute brüskiert habe. Aber das gilt auch andersherum für die Jesus-Sprüche», betont Bucher, der seine Zitate für die Kreideschreibereien meist aus der Literatur und Philosophie gewinnt. Was er nicht erwartet habe, sei die Aufmerksamkeit, die seinen Kritzeleien zugekommen wären. «Das war eine einmalige Aktion von mir. Ich bin froh, dass die Sachen nun durch den ersten Regen seit rund sechs Wochen weggewaschen wurden», so Bucher. Als er sie angebracht habe, habe er nicht wissen können, dass es so lange so trocken sei.

Rechtliche Konsequenzen muss der junge Mann indes nicht fürchten. Seine Kritzeleien mit Kreide seien laut Polizei nicht strafbar.

(cs)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Denise Schweizer am 19.07.2015 21:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch Atheisten dürfen sich äussern

    Endlich getraut sich jemand, sich gegen all die religiösen Statements im öffentlichen Raum zur Wehr zu setzen. Bravo und Danke, Daniel Brunner!

  • Nora N. am 19.07.2015 22:46 Report Diesen Beitrag melden

    Glaubenskriege überall

    Einfach das ganze Glaubenszeug verbieten. Weltweit werden Menschen deswegen unterdrückt, ermordet und verfolgt. Glaube soll Privatsache sein und hat in der Öffentlichkeit keinen Platz. Ich fühle mich gestört und genötigt.

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  • Alazalaz am 19.07.2015 21:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geil!

    Geil! Finde deine Gegenposition super. Wieso bleibt es bei der einmaligen Aktion?

Die neusten Leser-Kommentare

  • der Deutsche am 20.07.2015 10:23 Report Diesen Beitrag melden

    ..nicht stafbar ...!!!!

    ..das wäre ja auch noch schöner !! Von wegen freie Meinungsäusserung und so .... Und - direkt vorab!! - Kreide(!)-malereinen / schreibereien sind nicht mit 'Graffiti' gleichzusetzen - denn diese werden, in der Regel, mit wasserfesten Farben verfasst....

  • Nora N. am 19.07.2015 22:46 Report Diesen Beitrag melden

    Glaubenskriege überall

    Einfach das ganze Glaubenszeug verbieten. Weltweit werden Menschen deswegen unterdrückt, ermordet und verfolgt. Glaube soll Privatsache sein und hat in der Öffentlichkeit keinen Platz. Ich fühle mich gestört und genötigt.

    • harleyluja am 20.07.2015 00:31 Report Diesen Beitrag melden

      glaubenskriege???

      es hat krieg überall auch ohne "glauben"... oder glauben sie es geht unter atheisten, christlicher zu?

    • Dani am 20.07.2015 09:46 Report Diesen Beitrag melden

      Bist ja nicht ansers

      "Einfach das ganze Glaubenszeug verbieten" Dein erster Satz ist ja schon ein Aufruf zu einem Glaubenskrieg.

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  • Ad absurdum am 19.07.2015 22:44 Report Diesen Beitrag melden

    Jungfrauen können sehr wohl

    Kinder gebären, fragt doch mal einen Mediziner der sich mit künstlicher Befruchtung auskennt. Das einführen einer Spermie oder sogar einer befruchteten Eizelle gilt nicht als Geschlechtsakt und ist ohne Beschädigung des Hymen(Jungfernhaut) anatomisch zu bewerkstelligen.Falls sich eine Jungfrau freiwillig dazu entschliessen würde, kann sie sich ja nachher gerne beim Vatikan melden ;-)

  • Derp am 19.07.2015 22:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Antichristliche Mentalität

    Jetzt tun hier schon alle so als würden Atheisten unterdrückt und endlich setzt sich einer zur Wehr... ist es nicht genau umgekehrt? Sobald man sich als gläubige Person zu erkennen gibt, ist man schon fast ein Geächteter, auch wenn man sich niemandem aufdrängt.

    • bienemaja am 19.07.2015 23:21 Report Diesen Beitrag melden

      derp

      genau das sehe ich auch so... alternative werden nicht geboten... nur pauschallisierungen

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  • WWJD am 19.07.2015 22:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es gibt einen Gott

    Jeder Mensch glaubt, die Einen an Finanzen oder die Wirtschaft, andere an eine Religion, einen lebendigen Gott, andere wieder an die Nichtexistenz, was ja eigentlich auch ein Glaube ist. Diese Reaktion in Basel ist menschlich, was mit dem Verstand nicht erfasst werden kann, wird oft abgelehnt, ist aber trotzdem Realität. Dieser Jesus wirkt heute noch im 2015, Wunder und Zeichen. Du bist nur ein Gebet davon entfernt.