Basel

21. Juni 2019 20:48; Akt: 21.06.2019 20:48 Print

Kunstmuseum entlässt 2 Frauen wegen Streik

Zwei Mitarbeiterinnen des Basler Kunstmuseums sind entlassen worden, nachdem sie am Freitag um 15.24 Uhr die Arbeit niederlegten und am Frauenstreik teilnahmen.

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Das Kunstmuseum Basel hat zwei Mitarbeiterinnen entlassen. Die beiden waren am Freitag, 14. Juni 2019, zur Arbeit erschienen. Um 15.24 wollten sie sich dann den Demonstranten des Frauenstreiks anschliessen. Ab dieser Zeit arbeiten Frauen kostenlos, wie Anne Fritz, Hauptorganisatorin des Streiks erklärte. In Basel hatten sich Tausende zum Streik versammelt. Doch nicht nur dort. Demonstration am Frauenstreik, hier in Zürich. Auch in Lausanne gingen Tausende auf die Strassen. Die Berner Innenstadt fest in der Hand der Demonstrantinnen. Streikende blockieren beim Zürcher Central den Verkehr. Auch die Rettungsfahrzeuge von Schutz und Rettung kamen nicht durch, wie die Stadtpolizei Zürich mitteilte. Die SP-Nationalraetinnen Nadine Masshardt, Yvonne Feri, Laurence Fehlmann Rielle, Priska Seiler Graf, Barbara Gysi, Mattea Meyer, und Jacqueline Badran, von links, während der Sommersession in Bern. Um 11 Uhr wurde die Sitzung für eine Viertelstunde unterbrochen. Auch Bundesrätin Viola Amherd trug am Freitag Violett. Auch Mitarbeiterinnen einer Kita in Winterthur legten am Freitag ihre Arbeit nieder. In Bern hängten maskierte Aktivistinnen am Morgen Plakate auf. Der Theaterplatz in Luzern war voll besetzt. Zwei Frauen ziehen eine Klitoris-Skulptur über die Hardbrücke in Zürich. In St. Gallen haben sich ebenfalls zahlreiche Frauen zum Streik versammelt. In Sitten VS wollten die Frauen ins Rathaus. Die Polizei hinderte sie daran. Am Freitag dominierte in der Schweiz die Farbe Violett. (Bild aus Lausanne) Am frühen Freitagmorgen verbrannten Aktivistinnen BHs... ...und Schilder. Die Frauen versammelten sich um das Feuer. In Rumlingen BL wurde zum Streik aufgerufen. Der Aufruf hing am Viadukt. Die Gemeinde war damit nicht allein. In der Nacht auf Freitag und am frühen Morgen sind in Lausanne Frauen auf die Strasse gegangen. (13. Juni 2019) Bereits am Donnerstagabend leuchtete der Roche-Turm in Basel im Zeichen des Frauenstreiks. Auch das Konzert Theater Bern war bereit für den Frauenstreik. (13. Juni 2019) Erich Hess (SVP-BE) riss am 13. Juni 2019 vom Rednerpult des Berner Stadtparlaments ein Plakat, das zum Frauenstreik aufruft. Die SVP-Fraktion - die ausschliesslich aus Männern besteht - hatte im Vorfeld einstimmig beschlossen, das Plakat zu tolerieren. Doch Hess sah durch das Plakat die politische Neutralität des Parlaments verletzt und entfernte es. Eine Umfrage von 20 Minuten zeigt: 18 Prozent der Frauen haben vor, am 14. Juni am Frauenstreik teilzunehmen. Im Bild: die Kundgebung für Lohngleichheit im September 2018. Natascha Wey von der Gewerkschaft VPOD sagt, der Streik elektrisiere die Basis: «Auch die Bäuerinnen oder die Aargauer Kirchenfrauen streiken. Das sind beileibe keine Linksextremen.» «Frauen haben weniger Geld, weniger Zeit und weniger Anerkennung für die Arbeit, die sie leisten», schreiben die Verantwortlichen des Frauenstreiks. Die gewichtete Umfrage von 20 Minuten zum Frauenstreik bei 11'596 Personen zeigt nun, inwiefern sich Frauen in der Gesellschaft tatsächlich diskriminiert fühlen. 57 Prozent der Frauen fühlen sich diskriminiert, während 67 Prozent der Männer keine Benachteiligungen sehen. Für Helena Trachsel, Gleichstellungsbeauftragte des Kantons Zürich, ist die Notwendigkeit des Streiks ungebrochen, obwohl eine Mehrheit von 53 Prozent keine Diskriminierung der Frauen sieht. «Wir haben Fortschritte gemacht. Aber dass jede Vierte offenbar respektlosen Umgang erlebt, ist weiterhin alarmierend.» Dass zudem die Lohnungleichheit als grösstes Problem gesehen wird, erstaunt Trachsel nicht: «Das ist seit 20 Jahren das Topthema. Es ist objektiv messbar und bewegt daher am meisten.» Doch wie ist es zu erklären, dass 67 Prozent der Männer finden, Chancengleichheit sei gegeben oder gar sie selbst seien diskriminiert? «Männer müssen ins Militär und haben keinen Vaterschaftsurlaub. Sie können sich auch diskriminiert fühlen», sagt Trachsel. Da aber die Rechte der Frauen eher debattiert würden, wehrten sich die Männer, indem sie Frauen die Solidarität entzögen, so Trachsels Interpretation. «Im Vergleich zur Generation meiner Mutter sind wir privilegiert», sagt Claudine Esseiva von den FDP-Frauen. In den letzten Jahren habe man viel erreicht. Die Zahlen zeigten aber, dass es noch Nachholbedarf gebe – auch wenn die Hälfte der Befragten Frauen als nicht benachteiligt ansieht.

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Am Morgen des 14. Juni waren sie zur Arbeit erschienen. Doch kurz nach 15 Uhr erklärten zwei Angestellte des Kunstmuseums Basel, die als Aufsicht arbeiten, dem Tagesverantwortlichen, dass sie um 15.24 Uhr gehen möchten, um sich dem Demonstrationszug des Frauenstreiks anzuschliessen. Der Vorgesetzte habe ihnen erwidert, dass dies eine Kündigung zur Folge haben könnte, berichtet das SRF Regionaljournal Basel. Beide Frauen waren noch in der Probezeit.

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Doch laut einer der Angestellten gab es an diesem Tag deutlich mehr Personal als üblich. Als der Tagesverantwortliche schliesslich erklärte, er könne die Posten besetzen, seien sie gegangen. Die Kunstwerke seien nie in Gefahr gewesen.

«Hätten Streik früher anmelden müssen»

Am Wochenende arbeiteten die beiden wie gewohnt. Doch am Mittwoch folgte dann die erste Kündigung. Die zweite Angestellte wurde am Donnerstag gekündigt, als sie zur Arbeit kam.

Wolfgang Giese, Marketingleiter des Kunstmuseums Basel, sagt gegenüber dem Sender, dass der Tagesverantwortliche nicht habe umdisponieren können. «Die Frauen hätten den Streik früher anmelden müssen, dann hätten sie ohne Folgen teilnehmen können.» Man habe nun jedoch das Vertrauen in sie verloren.

(vro)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Failey am 21.06.2019 22:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    SchauGenauBeimAutoklau

    Nicht wegen dem Streik wurden die Damen entlassen, sondern wegen unerlaubtem Entfernen vom Arbeitsplatz, was eine Pflichtenverletzung ist....

  • 1a am 21.06.2019 21:07 Report Diesen Beitrag melden

    Tip top

    Finde ich gut. Wer einfach vom Arbeitsplatz abhaut, muss mit Konsequenzen rechnen. Wo leben wir denn, dass der Arbeitnehmer (in der Probezeit!) selbst entscheidet ohne Rücksprache, dass er früher gehen kann?

  • StillDrDre am 21.06.2019 21:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verfassung

    In der Verfassung ust auch klar geregelt an welchen Streiks man offiziel teilnehmen kann. Man muss sich über die Kündigung dann auch nicht aufregen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • AppleBee am 22.06.2019 08:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Andere Sichtweise

    Dies beinhaltet zwei Sichtweisen. Ich nenne sie AG = Arbeitgeber und AN = Arbeitnehmer. Einfachheitshalber in der männlichen Form da ER nur zwei Buchstaben hat. AN erscheint auf oder ohne Ankündigung nicht zur Arbeit. AN verrichtet die Arbeit nicht und verletzt das AG-Vertrauen. Dadurch zeigt sich der AG verletzlich im Sinne von - man kann machen was man will. Er ist gezwungen zum Reagieren in Form einer Sanktion. AN setzt sich also dem Risiko aus, dass er trotz niederschwelligen Handeln einen Kontextbezug zum politischen Rahmen ermöglicht, den er gar nicht bezwecken wollte. Folgen absehbar

  • Tell's Lady am 21.06.2019 23:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung

    Sehr gut. Gleichberechtigung, auch in der Kündigung.

  • Juliette S. am 21.06.2019 23:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einfach früher anmelden

    " Die Frauen hätten den Streik früher anmelden sollen". Für mich klare Worte und die richtige Entscheidung und dazu waren die Frauen noch auf Probezeit.Ich glaube, wenn das zwei Männer wären, hätte man sie genauso entlassen.

  • Tami am 21.06.2019 23:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unerklärlich

    ich verstehe das Museum...und ja ich bin selber eine Frau. Hat damit nichts zu tun, jeder kann sich früher abmelden, nicht 20min vorher...

  • hurrli butz am 21.06.2019 23:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    macht man nicht

    Nun ja,in der Probezeit und ohne vorherige Ankündigung war das ja schon ziemlich fahrlässig und schon fast unverschämt.