Fremdenfeindliche Laterne

12. März 2019 15:12; Akt: 12.03.2019 16:29 Print

«Wir distanzieren uns vom Sujet der Alten Garde»

Die Alte Garde der Alten Stainlemer moniert auf ihrer Laterne, dass es zu viele Türken, Albaner und Afrikaner im Kleinbasel gebe. Das geht sogar dem Stammverein der Clique zu weit.

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«Vor zwei Jahren musste sich die Pnos noch in die Basler Fasnacht einschleichen, dieses Jahr haben sie mit den ‹Alti Stainlemer› eine direkte Vertretung», regt sich der Basler Musiker Marcel Colomb in einem Post auf Twitter auf. Stein des Anstosses ist die Laterne der Alten Garde der Männerclique, deren Sujet «Vereinigte Klein-Basler» nun als fremdenfeindlich gebrandmarkt wird.

«Was hüt alles im Glaibasel woont, isch laider nümme so wie gwoont», moniert die Clique. «Dr Hansli schisst do fascht in d Hose, wenn är das Volgg gseht uf de Stroosse.» An wem sich die Clique stört, daraus macht sie keinen Hehl: Türken, Albaner, Islam-Prediger, Kurden, Afrikaner.

Alte Garde sorgt seit Jahren für Kontroversen

Das Sujet geht selbst Mitgliedern des Stammvereins der Alten Stainlemer zu weit. «Unsere Alte Garde ist schon seit Jahren an Alters-Senilität nicht zu überbieten», kommentiert ein Basler Künstler, der in der Clique aktiv ist. Man habe sich schon einmal öffentlich von der Alten Garde distanzieren müssen und vor zwei Jahren sogar deren Zeedel einkassiert. Im Stamm der Clique ist auch der diesjährige Blaggedde-Künstler Tarek Moussali aktiv, der syrische Wurzeln hat. «Es ist eine Schande», kommentierte er den Auftritt der Alten Garde auf Facebook.

Auf Social Media ist das Verdikt zum Sujet eindeutig. Die Wortmeldungen reichen von «schockiert» bis «zum Kotzen». Für Colomb, der die Debatte online ins Rollen brachte, ist auch klar: «Das ist keine kluge Kritik, nur ungeschminkte Fremdenfeindlichkeit.»

«Sujet stellt Situation im Kleinbasel sauber dar»

Die Alte Garde der traditionsreichen Männerclique findet ihr Sujet offensichtlich überhaupt nicht problematisch. Gegenüber der «BZ Basel» verteidigt sich Obmann Felix Stierli: «Wir stehen dazu. Es stellt die Ist-Situation im Kleinbasel sauber dar, und diese Situation bewegt die Leute.» Stierli gibt aber zu, selbst nicht im Kleinbasel zu wohnen.

Roman Meier, Präsident der Fasnachtsgesellschaft Alti Stainlemer, sieht das ganz anders. «Stamm und Junge Garde distanzieren sich klar vom Sujet der Alten Garde und jeglicher Form rassistischen Gedankenguts», hält er fest.

Eine Anfrage von 20 Minuten liess Stierli weiterhin unbeantwortet. Auch beim Fasnachts-Comité ist eine Anfrage hängig.

(lha)