Streit mit Behörden

08. April 2016 05:42; Akt: 08.04.2016 08:15 Print

Lehrling bangt wegen Zivildienst um Zukunft

Kaum hat der 28-jährige Kevin Jaussi eine Lehrstelle gefunden, steht diese schon wieder auf der Kippe. Die Behörde will, dass er 26 Tage Zivildienst leisten muss.

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Dieser Papierkram könnte Kevin Jaussi (rechts) seine Zukunft kosten. (Bild: 20 Minuten/las)

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Nach vielen Rückschlägen hat der 28-jährige Kevin Jaussi eine Lehre als Spengler beim Betrieb Woehrle & Nagy in Allschwil BL begonnen. «Ich will einen Abschluss in der Hand haben», sagt er. Doch Jaussi fürchtet um seine Zukunft, denn er soll dieses Jahr 26 Tage Zivildienst leisten. Lehrmeister Sandor Nagy (54) kann seinen einzigen Mitarbeiter aber nicht entbehren. «Alleine kann ich das nicht machen», sagt er. «Ohne Kevin bricht mein Zweimann-Betrieb zusammen.»

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Jaussi möchte seinen Dienst verschieben, bis er die Lehre beendet hat. Doch da spielt die Vollzugsstelle für Zivildienst (ZIVI) nicht mit. Sie hat Jaussis Verschiebungsgesuch abgelehnt und verlangt von ihm bis zum 15. April eine Einsatzvereinbarung. Nur: Nagy sagt, wenn er nicht das ganze Jahr auf seinen Lehrling zählen könne, habe er keine andere Wahl, als ihn zu entlassen.

Von Rückschlägen gebeutelt

Für Jaussi wäre das eine Katastrophe. Bereits 2011 ereilte ihn ein Rückschlag, als er seine vierjährige Schreinerlehre wegen schlechter Noten nicht bestand. Trotz ungewisser Zukunft leistete Jaussi ein halbes Jahr Zivildienst. Dann folgte ein tragischer Vorfall in der Familie, der ihn endgültig aus der Bahn warf. Schliesslich verdingte er sich in einer Teilzeitstelle als Hausmeister in einem Judocenter in Basel. Doch so wollte Jaussi nicht weitermachen.

Er fand eine neue Lehrstelle. Als er im Herbst 2015 ein Dienstaufgebot bekam, traute er seinen Augen nicht und reichte das Verschiebungsgesuch ein. «Ich will es richtig machen und meinem super Lehrmeister etwas zurückgeben», sagt er.

Doch die ZIVI forderte einen Beweis dafür, dass es ohne Jaussi nicht geht. Denn nur im Fall «ausserordentlicher Härte» könne das Gesuch bewilligt werden. Nagy drohte der Behörde, er müsse das Lehrverhältnis auflösen, sollte Jaussi aufgeboten werden.

Gesuch abgelehnt

Die ZIVI aber blieb hart und lehnte das Verschiebungsgesuch ab. Die «ausserordentliche Härte» sei nicht gegeben, hiess es. Dafür müsse sich für den Dienstleistenden oder seinen Arbeitgeber eine eigentliche Notsituation ergeben, wie Andreas Luchsinger, Leiter des zuständigen Regionalzentrums in Aarau, erklärte. Diese sieht die Behörde im Fall Jaussi nicht. Zudem glaubt man nicht, dass Nagy seinen Lehrling entlassen muss.

Nun will Nagy alles in Bewegung setzen, um seinem Lehrling die Entlassung zu ersparen, ohne seinen Betrieb zu riskieren. Vielleicht gibt es dennoch wieder Hoffnung, denn die Vollzugsstelle sei nun «in jedem Fall gesprächsbereit», wie Luchsinger sagt. Dies sollte aber bereits in den nächsten Tagen passieren. Einen Gesprächstermin gibt es aber noch nicht.

(las)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hasengmbh Ente am 08.04.2016 08:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Flexibilität

    Flexibilität sollten nicht nur die bürger haben sondern auch die behörden

    einklappen einklappen
  • Speedy815 am 08.04.2016 08:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komischer Chef

    Mit so einem Chef möchte ich nicht arbeiten! Was macht er denn wenn sein Angesrellter in Urlaub geht?!

  • Peterskater am 08.04.2016 08:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo ost das Problem?....

    ...Der Lehrmeister kann sich an eine Temporär-Agentur, während der Abwesenheit des Lehrlings, wenden

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Forster am 08.04.2016 13:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selber gschuld

    Er ist selber Schuld! Den Zivildienst muss/darf man sich selbst organisieren. Wenn man mit 28 noch nicht allen Dienst geleistet hat, trotz Arbeitslosigkeit, muss man nicht reklamieren. Hätte er sein Dienst früher geleistet, wäre er nicht in dieser Situation.

  • schlecht organisiert am 08.04.2016 10:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kein problem

    mein kollege fehlt dieses und nächstes jahr je 3 monate im geschäft wegen dem zivieldienst und sein chef hat das auch organisieren können. dafür ist er nachher fertig.

  • Skorpion am 08.04.2016 10:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausrede?

    Es gibt auch andere die in den Zivilschutz müssen,also keine Ausrede bitte.

  • theduke am 08.04.2016 10:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kenne ich

    Ich war auch mal in einer leitenden Position und musste meinen langen Einsatz leisten (6 Monate). Der Betrieb lief nicht gut genug um innerhalb von wenigen Monaten ähnliche Ausgaben zu haben aber eine Fachkraft weniger. Mir wurde gekündigt, natürlich aus finanziellen Gründen und nicht "weil du in den Zivildienst musst". Ich hab damals der Zivi stelle schon gesagt, dass ich unmöglich in 3 Monaten für ein halbes Jahr weg sein kann, da mir sonst gekündigt wird. Die Dame am Telefon meinte salop "Nönö, Ihnen wird nicht gekündigt." 2 Wochen später hab ich meinen Job verloren. Danke für nichts Zivi-Amt.

  • Sheriff am 08.04.2016 10:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toller Chef...

    Der Arbeitgeber darf ihn aufgrund des Zivildienstes gar nicht entlassen. Das würde er vielleicht gerne, hätte aber finanziell noch schlimmere Folgen für ihn.