Messe Schweiz

03. August 2018 12:20; Akt: 05.08.2018 11:31 Print

René Kamm übersteht Baselworld-Krise nicht

Nach dem Rückzug von Swatch aus der Baselworld kommt es bei der Messebetreiberin MCH-Group zum Chefwechsel: René Kamm tritt zurück. Das Messewesen erlebt einen tiefgreifenden Wandel.

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Nach dem Verlust von Swatch als Aussteller kommt es bei der Messebetreiberin MCH-Group zum Chefwechsel: René Kamm tritt zurück. Angesichts der «fundamentalen Transformationsphase» seien der Verwaltungsrat und Kamm «gemeinsam und einvernehmlich» zur Überzeugung gelangt, dass der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel an der Spitze gekommen sei, wie das Unternehmen am Freitag vor Börsenbeginn mitteilte.

Kamm, der seit 2003 als CEO der MCH-Group amtete, wird dem Unternehmen in der Übergangszeit noch beratend zur Verfügung stehen. Bis die Nachfolge geregelt ist, wird Verwaltungsratspräsident Ulrich Vischer die operative Führung übernehmen.

Scharfe Kritik von Swatch-Boss Hayek

Die MCH-Group befindet sich in einer schwierigen Phase. Ihr Flagschiff, die Uhren- und Schmuckmesse Baselworld steckt in der Krise. «Der Markt hat sich innert drei Jahren blitzartig verändert», so Vischer. Und vergangenes Wochenende folgte der nächste Knall. Die Swatch Group, die grösste Ausstellerin, hat ihre Teilnahme für 2019 abgesagt.

Swatch-Chef Nick Hayek sparte gegenüber der «NZZ am Sonntag» nicht mit Kritik. Die MCH-Gruppe habe die Aussteller bei der Erarbeitung des neuen Konzepts zu wenig einbezogen. Der MCH fehle der Mut für tiefgreifende Veränderungen. Swatch war mit fast allen seiner 18 Marken und einem Messebudget von über 50 Millionen Franken der bisher grösste Aussteller an der Baselworld.

Die Messe wurde von Hayek auf dem kalten Fuss erwischt. Noch im Mai habe sich Hayek in einem Gespräch nur positiv über die Baselworld geäussert, erklärte Vischer. Und noch am 3. Juli erteilte ein hochrangiger Vertreter der Swatch Group sein Einverständnis für das neue Ausstellungskonzept.

Mögliche Wertberichtigung

Auch wenn dadurch die Durchführung der Baselworld nicht grundsätzlich in Frage gestellt werde, habe die Absage dieses wichtigen Ausstellers Fragen nach den Konsequenzen für die Ergebnisentwicklung der Gruppe ausgelöst, schrieb MCH nun. Der Verzicht der Swatch Group auf eine Teilnahme werde Auswirkungen auf das Ergebnis 2019 haben, die zurzeit noch nicht konkret abschätzbar seien.

Auch eine weitere Wertberichtigung auf die Messehallen in Basel könnte notwendig werden. Schon 2017 hatte der Bedeutungsverlust des wichtigen MCH-Standbeins Baselworld die Messebetreiberin das erste Mal in ihrer Geschichte in die roten Zahlen gedrückt. Infolge der Schrumpfkur bei Baselworld musste MCH über 100 Millionen Franken auf ihrem Messegebäude abschreiben.

«Zeit für Neuanfang»

«Als wir diese Halle geplant haben, war das iPhone noch nicht auf dem Markt», konterte René Kamm Kritik, die jüngst am 2013 eröffneten 430-Millionen-Bau laut wurde. «Das klassische Messewesen kommt noch aus der alten Welt.» Dennoch sei das Unternehmen für die Zukunft gerüstet. «Wir haben die Antworten, aber es ist auch Zeit für einen Neuanfang», begründete er seinen Rücktritt.


René Kamm erklärt seinen Rücktritt und die Herausforderungen, die die Messe zu bewältigen hat. (Video: 20 Minuten)

MCH hält an ihrer Unternehmensstrategie fest, wie es weiter hiess. So will sie das Dienstleistungsangebot erweitern, die internationale Präsenz verstärken und sich zunehmend digitalisieren. Sie setzt auch verstärkt auf Messeformate mit klarer Zielgruppenansprache. Im September steht etwa die Premiere der Grand Basel an, eine Messe für Autokultur, die sich an Sammler richtet.

Kurserholung nach Rücktrittsmeldung

Der Abgang von Kamm sorgte nun für eine leichte Kurserholung bei den MCH-Aktien. Sie legten am Freitagmorgen um 2,4 Prozent zu. In den Vortagen hatten Anleger die Papiere reihenweise verkauft. Alleine am Montag stürzten sie um 11,3 Prozent ab. Auf Wochensicht liegt die Aktie rund 15 Prozent im Minus.

(lha/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • V.B. am 03.08.2018 07:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gewinnstreben zerstört die Messewelt

    Nicht nur der Wandel der Uhrenbranche ist das Problem sondern auch die überhöhten Eintrittspreise und absurd hohen Mieten der Ausstellungsflächen. So zerstört sich die Messewelt selbst. Vielleicht geht der Plan von Hayek auf und die Messeverantwortlichen kommen zur Vernunft und wenden sich von der Gier und dem krassen Gewinnstreben ab. Der eigentliche Sinn der Messen muss wieder hergestellt werden. Nämlich die Austellung und nicht das Vermietungsgeschäft der Austeller.

  • Elisabeth Fux am 03.08.2018 08:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selber schuld

    Früher war es halt so, das man an Messen, börsen, märkten usw die gelegenheit hatte günstig einzukaufen. Unterdessen sind die mieten für die stände jedoch so hoch, das die Preise der Artikel höher sind als im einzelhandel. Siehe ornaris usw

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  • Peter Keller am 03.08.2018 08:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es wird höchste Zeit

    Endlich kommt dieser Zeitpunkt. Herr Kamm hat nun wirklich nicht viel Positives mit den Messen in Basel bewirkt. Selbst die Muba wurde negativ verändert und unter seiner Führung immer mehr verkleinert. Es ist höchste Zeit, dass dieser Messe-Chef gehen muss.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Daniel Jäggi am 03.08.2018 20:31 Report Diesen Beitrag melden

    Baselworld-Krise nicht überstanden...

    ...aber die dicke Gasche, über all die Jahre, die er garniert hat, die hat er schadlos überstanden. Es müsste nicht nur Herr Kamm gehen, sondern der ganze "Verwaltungsrat", der über all die Jahre für das ganze Desaster mitschuldig ist und nichts unternommen hat. Herr Kamm muss in diesem Sinne für die Unfähigkeit des Verwaltungsrates den Kopf hinhalten!!!...

  • Eric Geiser am 03.08.2018 20:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schwarzpeter-Spiel

    Nur noch billig, dass MCH den Hoteliers und dem Wirteverband BS die Schuld gibt; wäre dies so, hätten wir im Grossraum Basel mit Sicherheit diese Preise in den Restaurants nicht bezahlt; es ist aus meiner Sicht höchste Zeit, dass ein Wechsel an der Spitze der MCH stattfindet; die Amtsdauer von RK hat nicht zum Erfolg der gesamten MCH beigetragen!

  • McConsulting am 03.08.2018 20:18 Report Diesen Beitrag melden

    Kamm selbst beratungsresistent ...

    ... soll noch ein bisschen beraten ... Oder heisst so sein Abgangs-Parachute? Basel schreibt jedenfalls grad das Sommermärchen in der Presse.

  • C.B am 03.08.2018 20:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Neuorientierung

    Vielleicht sollte nicht nur Hr.Kamm gehen. Der VR hat sicher auch dazu beigetragen. Basel Stadt als Teilhaber hätte da auch schon früher reagiern sollen. Die Herbstmesse fällt weg, die Muba, und jetzt kommt alles ins rudern.

  • panthomas am 03.08.2018 20:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gewollte Aktion !

    Ein Wandel der Zeit. Eigentlich schade, dass der persönliche Kontakt verloren geht und es sich immer wie mehr auf elektronische Medien abspielt. Früher oder später wird sich dies in unserer Gesellschaft widerspiegeln und es wird zu Asozialisierung führen. Die ersten Anzeichen sind schon lange im Gange, Menschen entfremden sich und alles nur wegen Geld und Gier einzelnen sogenannten Führungselite. Nun alles gewollt, somit wird eine Revolte oder Aufbäumen des Volks verhindert. Schade drum.