Strafgericht BL

29. August 2018 05:44; Akt: 29.08.2018 05:44 Print

Importierte 58-Jähriger 2,5 Tonnen Marihuana?

Ein 58-jähriger Mann soll 2,5 Tonnen Marihuana in die Schweiz importiert und damit Millionen verdient haben. Der IV-Rentner bestreitet seine Schuld.

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2,5 Tonnen oder 80 Kilogramm Marihuana? Am Baselbieter Strafgericht wird verhandelt, ob es sich beim Angeklagten um den Drahtzieher eines Drogenkartells oder nur um einen Handlanger handelt. (Bild: 20 Minuten/jd)

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Der Vorwurf ist happig: Ein türkischer Staatsangehöriger aus der Region soll zwischen 2011 und 2015 knapp 2,5 Tonnen Marihuana in die Schweiz gebracht und verkauft haben. Die Baselbieter Staatsanwaltschaft schätzt den Umsatz seiner Geschäfte in dem Zeitrahmen auf rund 16 Mio. Fr. und den Gewinn auf bis zu fünf Millionen Franken.

Diese Woche muss sich der IV-Rentner wegen qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz vor dem Strafgericht in Muttenz verantworten. Zudem werden ihm Geldwäscherei und Verbrechen gegen das Waffengesetz vorgeworfen.

47 Handys und ein Waffenarsenal

Seit über drei Jahren ist der Mann nun in Haft. Auf die Schliche kam man ihm durch «Kommissar Zufall», wie der Staatsanwalt am Dienstag in seinem Plädoyer sagte. So hätten Meldungen von Bürgern über verdächtiges Verhalten zunächst einen Komplizen im Oktober 2015 in Reinach auffliegen lassen.

Den Behörden wurde aber schnell klar, dass es sich nicht um eine One-Man-Show handelt – einerseits wegen der benötigten Geldmittel, andererseits wegen der schieren Menge an Drogen. Bei Durchsuchungen sichergestellte Hinweise gaben Anlass zu einer Telefon-Überwachung des Angeklagten. Weil dieser aber insgesamt 47 Handys benutzt habe, wurde eine Observierung angeordnet. Im Sommer 2015 wurde er schliesslich verhaftet und 80 Kilo Marihuana sichergestellt. Dabei kam auch ein beträchtliches Arsenal an Waffen zum Vorschein, darunter eine vollautomatische Maschinenpistole.

Gibt es den Drahtzieher Ali wirklich?

Genau diese Vorgehensweise bemängelt aber die Verteidigung. Bei einem gefundenen Hinweis handle es sich um eine handgeschriebene Notiz, die von Experten mit der Schrift in einer umfangreichen Buchhaltung von Drogendeals verglichen wurde. Zwar sei unbestritten, dass der Verfasser die gleiche Person ist. Allerdings gebe es keinen Beweis, dass es sich um den Beschuldigten handle, wie die Staatsanwaltschaft es behauptet.

Stattdessen soll ein gewisser Ali der eigentliche Drahtzieher des Drogenkartells sein, der Beschuldigte nur ein Helfer. Von Ali fehlt bisher allerdings jede Spur. Für die Anklage ist klar, dass es sich bei ihm lediglich um eine Fantasiefigur handelt, die als Sündenbock für die Operation herhalten soll. «Er bleibt ein Phantom», konstatiert der Staatsanwalt. Doch die Verteidigung kontert: Allein dass die Handys von Ali und dem Angeklagten zusammen geortet wurden, beweise nicht, dass sie der gleichen Person gehören.

Verteidiger will den Fisch klein machen

Die Staatsanwaltschaft sieht im Beschuldigten den Drahtzieher einer millionenschweren Drogenoperation, von deren Tun sie zumindest einen kleinen Teil aufgedeckt habe. Entsprechend verlangt sie eine Haftstrafe von 12 Jahren sowie die Zahlung einer Ersatzforderung aus einer Vorstrafe in Höhe einer halben Million Franken.

Der Angeklagte gestand aber nur, dass er mit dem bei seiner Verhaftung gefundenen Marihuana in Verbindung steht. Von 2,5 Tonnen wollen weder er noch sein Verteidiger etwas wissen. «Die Staatsanwaltschaft will nur der Öffentlichkeit beweisen, dass sie auch grosse Fische fangen kann», klagte letzterer. Aus diesem Grund versuche man nun, einem Helfer die Schuld an allen offenen Marihuana-Fällen zu geben.

Der Verteidiger fordert für seinen Mandanten eine auf zwei Jahre bedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten, eine «angemessene» Geldstrafe wegen des Waffendelikts, eine Abweisung der Ersatzforderung und eine sofortige Haftentlassung. Die Urteilsverkündung ist auf Dienstag, 4. September angesetzt.

(las)