«Miethaie zu Fischstäbchen»

24. April 2019 18:00; Akt: 24.04.2019 20:53 Print

500 Franken mehr für halb so viel Wohnung

Mieter einer Kleinbasler Liegenschaft wehren sich nun gegen eine Massenkündigung. Die Eigentümerin wehrt sich gegen den Vorwurf der Luxus-Sanierung.

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«Wir hatten es befürchtet», sagt Hans-Christian (38). Er wohnt noch an der Webergasse 35. An der Liegenschaft sei seit Jahren nichts mehr repariert worden, erzählt er. Dann kam die Kündigung. Der Grund: Das Gebäude wird saniert und die Bewohner müssen raus.

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«Von Anfang an haben wir gesagt: Das lassen wir nicht auf uns sitzen», sagt der 38-Jährige, der seit drei Jahren dort wohnt. Viele der elf betroffenen Mietparteien würden sich gegen den Rausschmiss wehren, bisher aber mit wenig Erfolg. Für Hans-Christian ist klar, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis sie gehen müssen.

26 statt 11 Franken pro Quadratmeter

Natürlich könnten die Mieter nach der Sanierung in die Liegenschaft zurückkehren, allerdings zu höheren Preisen für kleinere Wohnungen. Bewohnerin Melanie erzählt, dass sie für ihre Vier-Zimmer-Wohnung von 116 Quadratmetern 1300 Franken bezahlt. Neu hätte sie nur noch 69 Quadratmeter und zweieinhalb Zimmer zur Verfügung, und das für 1800 Franken.

Für eine etwa halb so grosse Wohnung müsste sie also am gleichen Ort 500 Franken im Monat mehr bezahlen. Das bedeutet einen Anstieg des Quadratmeterpreises von elf auf 26 Franken – mehr als eine Verdopplung. «Miethaie zu Fischstäbchen», schreibt sie dazu auf Facebook.

Einem anderen Anwohner sei gar ein Angebot für eine der neuen Zweieinhalb-Zimmer-Wohnungen gemacht worden, das 30 Franken pro Quadratmeter gesprengt hätte, wie er sagt.

Voreigentümer hatte nichts investiert

«Die Liegenschaft ist in einem ganz miesen Zustand», erklärt Marianne Fassbind, Sprecherin der Eigentümerin Profond. Die Pensionskasse aus Zürich will dafür aber nicht verantwortlich sein. Die Voreigentümer hätten nichts investiert. «Es gab einen totalen Unterhaltsstau, wir müssen totalsanieren», so Fassbind.

Den Mietern gegenüber sei man aber kulant, betont sie. Man habe eine Mieterstreckung über zwei Jahre gegeben. Von einer Luxussanierung will Profond nichts wissen. Die neuen Mieten seien mit dem Basler Mieterverband ausgehandelt worden.

Verhandlungen scheiterten

Das stellt der Basler Mieterverband etwas anders dar. «Wir haben mit den Inhabern der Liegenschaft verhandelt, ob die Bewohner in den Wohnungen bleiben können», sagt Co-Geschäftsleiter Beat Leuthardt. Auf die angebotenen Mieten habe man aber nicht eingehen können und die Verhandlungen seien gescheitert.

Konkrete Zahlen zum Fall an der Webergasse nennt Leuthardt nicht. Allgemein sagt er aber: «Bei Massenkündigungen kommt es oft zu massiven Mietzinserhöhungen. Teilweise werden die Mieten mehr als verdoppelt».

35 Massenkündigungen hängig

«Bei den Investoren herrscht Goldgräberstimmung», sagt Leuthardt weiter. Denn die Massenkündigung an der Webergasse sei nur «die Spitze des Eisbergs». Derzeit seien laut Informationen des Basler Mieterverbands 35 grosse Kündigungensverfahren in Basel hängig, kleine Fälle nicht mitgerechnet. Der Verband schätzt, dass gesamthaft knapp 1200 Mietparteien betroffen sind.

Am Ende geht es laut Leuthard nur um Profit. «Menschen, die schon lange dort wohnen, werden aus den Quartieren verdrängt und auf die Strasse gesetzt», sagt er. Die Regierung bleibe trotz der angenommenen Mieterschutzinitiativen untätig, weil diese gesetzlich noch nicht umgesetzt wurden. Damit lasse sie Spielraum, den sie habe, ungenutzt.

Das monieren auch die Mieter der Webergasse. «Die Regierung schaut einfach nur zu und wartet ab, was passiert», sagt Hans-Christian.

(las)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mäni Rouge am 24.04.2019 18:17 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn der Vermieter so will...

    Ich finde es immer wieder lustig, wie gewisse Leute das Gefühl haben jemand anderem bei seinem Eigentum reinschwatzen zu dürfen. Dass die Preise derart hoch gehen ist eine Sache und auch aus meiner Sicht nicht i.O. Aber der Rausschmiss an sich... das ist alleine die Entscheidung des Vermieters, denn IHM GEHÖRT DAS HAUS! alles andere grenzt an Enteignung.

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  • Katrin am 24.04.2019 18:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigentum

    Die Wohnungen gehören weder der Stadt, noch den Mietern. Wenn der Staat anfängt zu enteignen, seien das Wohnungen oder Land, wo hört er auf, beim Bankkonto? Rechtssicherheit und Recht am erworbenen Besitz sind Werte, die wir nicht aufgeben sollten.

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  • Udo am 24.04.2019 18:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mir das meiste

    Mal ehrlich Leute. Ihr würdets genau so machen wenn ihr die Liegenschaft gekauft hättet und das nötige kleingeld...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Müller Yannik am 25.04.2019 14:16 Report Diesen Beitrag melden

    Das grosse Ganze beachten

    Die meisten Gelder der Pensionskassen befinden sich in Immobilien. Der Aufschrei wird gross sein, wenn die Leute begreifen, warum die Kassen kein Geld mehr erwirtschaften und die Pension somit gekürzt und gekürzt wird... Die Hetze gegen Vermieter wird somit früher oder später ein Schuss ins eigene Bein sein.

  • Marc am 25.04.2019 11:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Musste ja ihrgentwan so kommen

    Diese Wohnungen sind extrem günstig. Da wurde sicher über Jahre keine erhöhung gemacht was natürlich gerne angenommen wurde. Kein wunder steigt der preis so enorm, zudem wird ja renoviert was auch denn Preis hochschraubt.

  • Roger Meier am 25.04.2019 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    bedingt Verständnis

    Verstehe den Unmut der Mieter und auch dass damit Ängste ausgelöst werden. Jedoch was viele vergessen: Das Kündigungsrecht ist ein beidseitiges, im Vertrag festgehaltenes, Gesaltungsrecht. Der Mieter darf künden aber eben auch der Vermieter.

  • As77 am 25.04.2019 10:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rechnen

    Die Miete hat nix mit der Zimmerzahl zu tun sondern mur mit den m2. 4.5 Zimmer für 1300Chf? Das war mal vor 30 Jahren. Leute wacht mal auf. Alle wollen ne top ausgestattete Wohnung und nix Zahlen.

  • liebersiealsich am 25.04.2019 09:38 Report Diesen Beitrag melden

    naja...

    in basel würde ich nicht mal gratis wohnen wollen...