Tierschutzfälle in beiden Basel

19. Dezember 2018 05:46; Akt: 19.12.2018 05:46 Print

Hund täglich Stunden in dunkler Wohnung gelassen

Rund 300-mal musste der Tierschutz beider Basel 2018 ausrücken. Dabei ging es nicht immer um Grausamkeit: Viele Tiere – vor allem Hunde – waren von Vernachlässigung betroffen.

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Die Zahl der verurteilten Tierquälereien ist in den letzten Jahren schweizweit angestiegen. Dreimal so viele Personen wurden im Jahr 2018 schuldig gesprochen als noch vor zehn Jahren.

Die gute Nachricht: In den beiden Basel scheinen die Zahlen nun zu stagnieren. 2017 behandelte der Tierschutz beider Basel (TBB) 286 Tierschutzfälle, im ersten Halbjahr 2018 waren es 137. Die Zahlen des zweiten Halbjahrs werden noch ausgewertet.

Beim Gedanken an Tierquälerei habe man gleich Bilder von blutigen Tieren vor Augen, die beinahe zu Tode geprügelt werden. «Was viele aber nicht wissen ist, dass Tierquälerei nicht automatisch für Schläge und direkte Verletzungen steht», so Kathrin Meier-Roth, Leiterin Fachstelle für Tierschutzfragen des TBB.

Vernachlässigung ist auch Tierquälerei

«Glücklicherweise gehen bei uns nur wenige Meldungen von vorsätzlicher Misshandlung von Tieren ein», so Meier-Roth gegenüber 20 Minuten. In den meisten Fällen handle der TBB, wenn Leute ihre Tiere vernachlässigen: «Oftmals stimmt das Zeitmanagement der Leute nicht mit einer artgerechten Tierhaltung überein. So etwa wenn die Halter voll berufstätig sind und ihren Hund stundenlang alleine zu Hause lassen», so Meier-Roth. Vor allem Hunde seien mehr als doppelt so oft von Quälerei betroffen wie Nutztiere.

Wenn Verdacht auf Vernachlässigung besteht, überprüft der TBB diesen meist selber vor Ort, sucht dann das Gespräch mit den Haltern und macht sie auf das Tierschutzgesetz aufmerksam. Bei gravierenden Fällen oder bei Misshandlung verweisen sie die Melder sofort an die Polizei, damit diese allenfalls gleich eine Strafanzeige erstellen können.

Überforderung und Aggressivität

«Für mich ist es unerklärlich und nicht nachvollziehbar, wie jemand bewusst Tiere oder Menschen quälen kann» sagt Meier-Roth. Ein möglicher Grund sei, dass die Leute mit der Tierhaltung sowie mit ihrem eigenen Leben komplett überfordert sind: «Tierquäler sind oft Personen mit einer tiefen und gefährlichen mentalen Störung sowie einem hohen Aggressionspotential. Vielleicht hat es auch mit Macht, Ignoranz oder Perversität zu tun.»

Dass die Zahl der angezeigten Tierquälereien in den letzten Jahren gestiegen ist, begründet Meier-Roth mit der erhöhten Aufmerksamkeit der Bevölkerung: «In den letzten Jahren hat sich der Stellenwert des Tieres in der Gesellschaft verändert und auch die Behörden nehmen das Thema Tierquälerei viel ernster als früher.»

Igel von Jugendlichen fast zu Tode gequält

Meier-Roth sind nur wenige gravierende Fälle in der Region bekannt, die sie dann an Behörden weiterleiten musste: «Es gab eine Person, die nie mit ihrem Hund spazieren gegangen ist und ihn immer nur angebunden im Dunkeln in der Wohnung gehalten hat», erzählt sie.

Ein anderer Fall betraf einen Hund, der nie gepflegt wurde. Am Ende sei sein Fell derart verfilzt gewesen, dass sich sogenannte Platten gebildet haben.

Der Fall um den Igel Sorbet von Anfangs November sorgte für Schlagzeilen: Das Stacheltier wurde von mehreren Jugendlichen auf einem öffentlichen Spielplatz boshaft und völlig grundlos als Fussball verwendet und dabei fast zu Tode getreten. Igel Sorbet hatte grosses Glück und überstand die Schreckenstat damals nur knapp.


(mis)