Kampf gegen Food Waste

10. September 2019 09:57; Akt: 10.09.2019 12:24 Print

Metzger schreibt Fleisch illegal mit zwei Daten an

Metzger müssen bei der Produktion entscheiden, ob sie ihre Produkte als Tiefkühlware verkaufen oder nicht. Dadurch wird die Planung schwierig, es kommt zu Food-Waste. Das soll sich ändern.

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Es ist der Inhaber eines traditionellen Fleischverarbeitungsbetriebs in Arlesheim BL, der ein nationales Gesetz in Frage stellt. Dieses schreibt Metzger Christoph Jenzer und seinen Kollegen vor, dass sie direkt bei der Produktion entscheiden müssen, ob sie die Fleischwaren frisch oder tiefgekühlt verkaufen werden.

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Gerade für kleinere Betriebe kann das schnell schwierig werden, berichtet «CH Media». Wenn Jenzer etwa für einen Sommeranlass Würstchen produziert, es an jenem Tag aber regnet, sitzt er auf einem Berg von Würstchen. Eigentlich müsste er die wegwerfen, sagt das Gesetz.

Gerade im Kontext des Klimaschutzes und des Food Wastes sieht es der Metzger nicht ein, massenweise Nahrungsmittel wegzuwerfen. Deshalb schreibt er seit einiger Zeit seine Produkte mit zwei Haltbarkeitsdaten an. Einmal «zu verbrauchen bis», wie es bei Fleischprodukten üblich ist. Das zweite Datum ist gekennzeichnet mit «gefroren bei – 20 Grad haltbar bis».

Das Prinzip des gesunden Menschenverstandes

Damit bekämpft er Food Waste gleich doppelt: Einmal betriebsintern, wenn die Ware nicht wie geplant verkauft werden und stattdessen eingefroren werden kann. Andererseits sei es eine Unterstützung für die Konsumenten, die die Produkte auch mit einem sichereren Gefühl einfrieren können, wenn sie sie nicht wie geplant essen.

Jenzer ist überzeugt, dass seine Lösung dem Prinzip des gesunden Menschenverstandes folgt. Aber er weiss auch: Wirklich legal ist seine Doppeldatierung nicht, denn sie widerspricht den Vorschriften zur Etikettierung und dem Grundsatz, dass entweder für Frisch- oder für Gefrorenverkauf produziert werden muss.

Bis jetzt kam Jenzer damit durch. Das Amt für Lebensmittelsicherheit rügte ihn in einer Verfügung wegen der Doppeldatierung und forderte eine Korrektur. «Aber man sagte mir, dass man eigentlich gut finde, was ich mache, und dass die jetzige Regelung unlogisch ist», sagt der Betroffene gegenüber der «Schweiz am Wochenende».

Amt begrüsst Einsprache gegen eigenen Entscheid

Das Amt zeigte ihm sogar einen Weg für eine Lösung des Problems auf. Rolf Wirz, Sprecher der kantonalen Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion, sagt: «Herr Jenzer und unsere Kontrolleure haben unterschiedliche Interpretationen des Gesetzes betreffend Lebensmitteldeklaration.»

Man sei deshalb interessiert daran, dass mit einer Einsprache eine saubere juristische Klärung stattfinde und Rechtssicherheit hergestellt werde. «Das haben wir Herrn Jenzer auch so gesagt», so Wirz. Jenzer habe die entsprechende Einsprache inzwischen eingereicht.

Jenzers Idee wird nun sogar den Bundesrat beschäftigen. Nationalrätin Daniel Schneeberger (FDP) schauderte es ab der riesigen Bürokratie um die Sache, als sie den Zeitungsartikel dazu las. Wie die bz berichtete, wurde sie nun im nationalen Parlament aktiv: «Wie kann unbürokratisch und schnell eine Lösung gefunden werden, damit die Doppeletikettierung zum Standard wird?», will sie vom Bundesrat wissen.

«Bei Transparenz verstehe ich das Problem nicht»

Denn heute behindere die Bürokratie den Klimaschutz, fördere Food Waste und belaste die Bilanz von KMU-Metzgereien unnötig. «Natürlich erwartet frische Ware, wer zum Metzger geht», sagt Schneeberger gegenüber der «bz», «ist sie aber transparent ausgewiesen, verstehe ich das Problem nicht.»

Im Lebensmittelbereich gebe es wohl einige solche Fälle. Daher soll der Bundesrat nun umfassend entsprechende Regelungen im Nahrungsmittelbereich anschauen.

(kom)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Milea am 10.09.2019 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo, gut gemacht!

    Gebt diesem Mann eine Medaille! Er quatscht nicht nur, er handelt. Sogar auf dem unbequemen Weg der Gesetzesüberschreitung (welche ich in diesem Fall wirklich mehr als begrüsse). Bravo!

  • Beavo am 10.09.2019 10:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Richtig gemacht

    Endlich einer der mit dem Kopf denkt. Das fehlt bei unseren Gesetzgeber leider nich. Will nicht wissen wieviele Bürgerinnen und Bürger zuhause Fleisch kn der Tiefkühle gaben - nicht Gesetzesform. Aber beim Metzger ein Theater veranstalten wenn er alles richtig macht.

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  • konsument am 10.09.2019 10:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    datum

    Die leute denken wen das datum abgelaufen ist kann man es nicht mehr essen. Man kan sachen zum teil wochen nach ablaufdatum essen. Aber eben der wirtschaftsmotor läuft kaufen wegwerfen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Theo Lauber am 15.09.2019 22:11 Report Diesen Beitrag melden

    Echt jetzt!!

    Ja! Das ist doch klar... Warum sollte eine Goldwurst von Jenzer weggeworfen werden!! Das an sich wäre eine Katastrophe!! Bravo Metzger, viel Glück - auf dass die Andern vernünftig beurteilen.

  • Stefan am 11.09.2019 10:17 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig Toll

    Die heutigen Regeln und Gesetzte sind nur für Industrieunternehmen geschrieben und machen kleinen Selbständigen die Arbeit immer schwerer (nicht nur bei Lebensmitteln) hauptsache alles wird teurer. Da ist es eine richtige Freude zu lesen, dass sich jemand wehrt und es von Seite Bund/Kanton nicht sofort abgeblockt wird. Aber vermutlich nur durch das hippe Wort "Foodwaste".

  • Josef Zuber am 11.09.2019 09:33 Report Diesen Beitrag melden

    Kampf gegen Foot Waste

    Das ist wirklich eine gute Lösung. Statt die Wäre vor Ablauf umpacken und dann einzufrieren. Wenn das so ab Produktion gemacht würde , hätte der Konsument auch das Datum wie lange er die Wäre gefrieren kann. Bravo

  • Schänner am 11.09.2019 06:31 Report Diesen Beitrag melden

    Rickli Metzgerei Schänis macht dies schon lange so

    Macht auch die Metzgerei Rickli in Schänis SG schon lange so

  • H.P.Heusser am 10.09.2019 23:08 Report Diesen Beitrag melden

    Menschengemacht

    Die die Gesetze, hat einmal jemand solch ein Gesetz hinterfragt oder wurde es nach EU Richtlinien aufgegleist. Ich frage mich einfach wie es möglich ist diese Gesetze einem normal denkenden Menschen vorzulegen.