Basel

13. Juli 2019 15:40; Akt: 13.07.2019 15:40 Print

Neue Polizeiwaffe schiesst sogar durch Schutzwesten

Mit einem neuen, vollautomatischen Sturmgewehr reagiert die Basler Polizei auf die veränderte Bedrohungslage. In jedem Alarmpikett-Fahrzeug wird die Waffe künftig mitfahren.

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«Nach zahlreichen Anschlägen in Europa wurde geprüft, ob uns noch die richtigen Einsatzmittel zur Verfügung stehen, um solchen Zwischenfällen adäquat gegenüberstehen zu können», heisst es im aktuellen «Basilea Info», der Hauszeitschrift der Basler Kantonspolizei. Die offensichtliche Antwort ist nein. Um auf Attentäter mit schweren Waffen reagieren zu können, wird nun eine neue «Sekundärwaffe» angeschafft. Es handelt sich dabei um das Sturmgewehr APC556 der Thuner Waffenschmiede Brügger & Thomet.

Die vollautomatische Waffe, die nach Herstellerangaben auch «für alle Arten von Sondereinheiten eine extrem führige Waffe» sei, ist deutlich schlagkräftiger als die bisherige Maschinenpistole des Basler Korps. Im Gegensatz zur alten MP5 von Heckler & Koch durchsiebt die APC sogar Schutzwesten der Stärkeklasse 3. Dies war Teil des Anforderungskatalogs, den die Kantonspolizei an ihre neue Sekundärwaffe stellte.

Jeder Polizist wird an der Waffe ausgebildet

Die Tester waren vom Gewehr offensichtlich begeistert, wie aus dem Bericht hervorgeht. Die APC Kaliber 5.56 mm wurde den Baslern auch von der Kantonspolizei Thurgau empfohlen, die diese Waffe ebenfalls schon besitzt. Nächstes Jahr wird das gesamte Basler Korps an der neuen Waffe ausgebildet.

Die Aufrüstung des Basler Polizeikorps erfolgt im Rahmen des Massnahmeplans «Radikalisierung und Terrorismus», den das Basler Kantonsparlament 2018 knapp gutgeheissen hat. So erhält die Polizei jetzt nicht nur wesentlich durchschlagsstärkere Maschinengewehre, sondern vor allem auch deutlich mehr. Statt wie bisher 170 wird auf 380 aufgerüstet. Jedes Alarmpikett-Fahrzeug wird entsprechend der «höchstwahrscheinlichen Mannschaftsbesetzung» bestückt werden.

Zwischenfälle in Deutschland und Frankreich

Ihre sogenannte Sekundärwaffe mussten Basler Polizisten im Ernstfall noch nie einsetzen. Die Polizei geht aber von einer erhöhten Bedrohungslage aus. Im «Basilea Info» wird auf mehrere Zwischenfälle in Deutschland und Frankreich verwiesen, bei denen die Einsatzkräfte zu ihren vollautomatischen Gewehren greifen mussten. «Leider kann man nicht davon ausgehen, dass in unseren Breitengraden terroristische Zwischenfälle oder Amokläufe ausgeschlossen werden können», heisst es weiter.

Bereits jetzt markieren entsprechend ausgerüstete Polizisten zunehmend Präsenz an Grossanlässen wie etwa dem Weihnachtsmarkt, um das subjektive Sicherheitsgefühl der Besucher zu verbessern.

(lha)