Halbnackte Frauen

18. Januar 2018 12:38; Akt: 18.01.2018 14:58 Print

Muslime sollen im Sommer zu Hause bleiben

Ein Basler Imam, der sich weltoffen und tolerant gibt, warnt vor Begegnungen mit halbnackten Frauen und Schwimmerinnen in Bikinis.

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Ardian Elezi gibt sich moderat, weltoffen und tolerant. Der Basler Imam will eine Antiradikalisierungskampagne starten und Jugendliche von Gewalt und Drogen wegführen. In seiner Moschee wird auf Deutsch gepredigt – wie er selbst sagt, eine der wenigen in der Schweiz. Die daraus resultierende Förderung der Integration mache ihn nützlich für die Schweiz, wie er gegenüber dem «Tages-Anzeiger» sagt. Er habe zudem bereits früh vor dem IS gewarnt. Einem Basler IS-Sympathisanten und Mitglied der Koran-Verteil-Aktionen «Lies!» habe er in einer Whatsapp-Gruppe scharf kritisiert, noch bevor dieser nach Syrien in den Jihad gezogen sei.

Doch wie Kurt Pelda in einem entsprechenden Artikel der Zeitung schreibt, ist die Version, wie sich Elezi gegen aussen gibt, «nicht die ganze Wahrheit». Im Treppenhaus der Moschee «Peace & Blessing» in Kleinhüningen, einem Wohnviertel im Norden Basels, würden neben DVDs von «Lies!»-Aktionen Schriften des kanadischen Salafisten Bilal Philips liegen, gegen den mehrere Einreiseverbote wegen Verdachts auf Hassreden bestünden.

Nackte Frauen – «eine teuflische Versuchung»

Der 27-jährige Basler Imam, Religionspädagoge und Islamwissenschaftler Ardian Elezi wurde als serbisch-montenegrinischer Bürger in Thun geboren. Nach seiner Matura in Basel habe er Arabisch in Ägypten gelernt und an der Islamischen Universität Medina das Studium der Islamwissenschaften mit dem Bachelor abgeschlossen. Die Universität in Saudiarabien steht unter dem Verdacht, fundamentalistisches Gedankengut zu verbreiten. Bilal Philips ist ebenfalls Alumnus der Islamischen Universität Medina.

Nach der ersten Gay-Pride-Parade in Pristina habe er in einer Videopredigt Homosexualität als «Krebsgeschwür gegen die Moral» und als «Krankheit» bezeichnet, Schwule als Verbrecher. Elezi habe sich darauf gegen den Vorwurf gewehrt, er würde zu Selbstjustiz aufrufen. Ausserdem sei Verbrecher als Synonym für Sünder zu verstehen. Im Sommer rät er Muslimen, zu Hause zu bleiben. Denn wenn es die Bewohner in Bars am Basler Rheinufer ziehe, könnte man zu leicht halb nackten Frauen begegnen, was eine teuflische Versuchung sei. Ausserhalb der heilen Welt der Moschee sei im Allgemeinen «unmoralischer Sumpf»

Ablehnung des «Islamischen Staates»

Doch auch mit anderen Ansichten dürfte der 27-Jährige anecken. Gemäss dem «Tages-Anzeiger» fordert Elezi, dass Christen keine frohe Weihnacht gewünscht werden sollte. «Das ist grosse Blasphemie, denn Gott hatte keinen Sohn, Gott wurde nicht gezeugt und hat nicht gezeugt.» Auf Telegram, einem bei Salafisten beliebten sozialen Netzwerk, erwähnt er, dass Allah die Juden als hartherzig beschrieben habe. Wenn sich Regelungen der Demokratie nicht mit dem Islam vertragen, dann müsse diese Lücke von einem muslimischen Gelehrtenrat gefüllt werden.

Elezi lehnt Terrorgruppen wie den «Islamischen Staat» (IS) strikt ab. Der Islam verbiete Gewalt gegen Zivilisten. Ende 2015 habe er allerdings auf seinem Facebook-Profil ein Bild des islamischen Glaubensbekenntnisses, versehen mit dem arabischen Wort Jihad, hochgeladen. Nach dem Gespräch mit der Zeitung habe Elezi das Bild jedoch wieder gelöscht. Doch ein der IS-Flagge ähnliches Bild findet sich dort immer noch: Es zeigt die eine Hälfte der Flagge – genau dasselbe islamische Glaubensbekenntnis mit derselben Schrift.

(sep)