Expat-Mutter wundert sich

24. Juli 2019 04:53; Akt: 24.07.2019 11:18 Print

Muss das Notruf-Personal auch Englisch sprechen?

Eine Englisch sprechende Frau aus dem Baselbiet wählte am Montag den Notruf, da sie ärztliche Hilfe für ihre Tochter brauchte. Am anderen Ende der Leitung habe man sie kaum verstanden.

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«Reagiere ich über oder ist das euch auch schon passiert», fragte die Französin in einer Basler Expat-Gruppe auf Facebook nach einer dramatischen Nacht. Am Montagabend habe ihre zweijährige Tochter zu erbrechen begonnen, nachdem sie bei einem Sturz den Kopf heftig angeschlagen hatte. «Wir waren besorgt und riefen den Notruf an», erzählt sie. Dabei muss man wissen: Ihr Mann und sie sprechen beide kein Deutsch und sind erst vor kurzem hergezogen.

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Muss das Personal von Notrufzentralen auch Englisch können?

«Nein nur Deutsch», soll man ihrem Mann am anderen Ende der Leitung gesagt haben, als er fragte, ob er nicht mit einer Person reden könne, die Englisch spreche. Er beendete den Anruf und die Frau versuchte es ein zweites Mal, in der Hoffnung, mehr Glück zu haben. Diesmal habe eine Frau abgenommen, die ein wenig Englisch gesprochen habe. «Es dauerte über fünf Minuten, bis sie verstand, worum es ging», schreibt sie im Post, der von «Prime News» aufgegriffen wurde. Die Frau habe sie sogar noch belehrt, dass sie gefälligst Deutsch zu sprechen habe, wenn sie in der Schweiz wohne, behauptet die Frau, die neben Französisch und Englisch auch Spanisch spricht. «Ich war schockiert.»

Der Post der Frau hat hohe Wellen geworfen und wurde bis Dienstagabend fast 300 Mal kommentiert. Sie erhielt viel Zuspruch. Einige berichten von ähnlichen Erlebnissen. Das sei «absolut unakzeptabel», finden viele. Zumal, wie nicht nur die Betroffene selbst anmerkte, auch Touristen mal in eine Situation geraten können, in der sie den Notruf wählen.

Einsatzzentrale widerspricht

Der Anruf der Frau ging um 19.38 Uhr bei der Baselbieter Einsatzleitzentrale in Liestal ein. Die Baselbieter Polizei bestätigte den Notruf gegenüber «Prime News». Mediensprecher Roland Walter widerspricht allerdings der Darstellung der Frau. «Da es sich um ein medizinisches Problem handelte, hat sie die Zentrale in Liestal unverzüglich an die Sanitätsnotfallzentrale in Basel weiterverbunden», wird er zitiert.

Zudem sei im Einsatzjournal präzise vermerkt, worum es dabei gegangen sei. Die Mitarbeiterin habe also sehr wohl verstanden, was Sache sei. Die Behörden beider Basel gaben gegenüber dem Newsportal an, dass ihre Mitarbeiter Englisch könnten. In Basel-Stadt werde von Disponenten der Feuerwehr und Rettung seit kurzem verlangt, Englisch auf Niveau B1 zu beherrschen.

Sprachkompetentes Unispital

Die zweijährige Tochter hat sich inzwischen erholt. Und die Expat-Mutter weiss jetzt auch: Das nächste Mal wendet sie sich direkt ans Universitäts-Kinderspital beider Basel. «Die sprechen dort alle ausgezeichnet Englisch», betonen mehrere Expats, die schon einschlägige Erfahrungen gemacht haben.

(lha)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Realistm am 24.07.2019 10:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigenverantwortung!

    Als Expat muss man sich kulturell und sprachlich auf das entsprechende Land vorbereiten, sonst ist man selber Schuld, wenn man Nachteile hat!Aber eben, heute ist es selbstverständlich dass immer die anderen Schuld sind!Sehr arrogante Einstellung!

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  • Martin am 24.07.2019 10:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Katastrophe

    Es ist unglaublich . Wieso sprechen Ausländer kein Deutsch? Ich hatte ein Vorstellungsgespräch letzte Woche . Der Chef hat nur Englisch gesprochen. Das hat mir abgestellt und habe abgesagt.

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  • Schweizer am 24.07.2019 10:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es reicht

    Es reicht jetzt langsam. Expats, die keinerlei Lust haben ein wenig einer unserer Landessprachen zu lernen sollen wieder gehen. Eure Parallelgeselkschaft brauchen wir nicht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rentner am 25.07.2019 06:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ENGLISCH?

    Englisch scheint unsere zweite Landessprache zu werden. Von allen Angestellten, inklusive alle Handwerker, Verkaufspersonal und Reinigungspersonal, wird Englisch erwartet. Englisch wird bald wichtiger als Schreiben, Lesen oder Rechnen. Wieso wird wird in der Schule nicht vordringlich ENGLISCH gelehrt? Schon bald ist es soweit, dass sich die Leute in der Wirtschaft, Militär, Universitäten, ETH, Nationalrat etc. nur noch auf englisch verständigen können. Ich selber habe mit 72 Jahren angefangen mein französisch neu zu lernen, weil ich gerne in Frankreich meine Ferien verbringe.

  • axl am 24.07.2019 13:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    112 internationaler notruf

    Für etwas gibt es die internationale notrufnr. Bei der man die sprache wählen kann

  • liatia am 24.07.2019 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    Französin spricht in der CH englisch?

    ich frage mich eher, wieso es die Französin mit Englisch versucht hat. Französisch wäre nämlich Landessprache und da kann man sich schon eher drüber aufregen, wenn ein schweizer Notdienst nur eine Landessprache bietet.

  • Sepp am 24.07.2019 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    Emergency

    Eine adresse ist doch nicht sprachgebunden. Die notrufzentrale verfügt zudem über eine software die anzeigt woher ein notruf kommt (festnetz) wars am ende gar kein notfall und man wollte einfach einen ärztlichen rat?

  • Schweizer am 24.07.2019 12:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbstverständlichkeit

    Ich reise viel in verschiedenste Länder und empfinde es als Selbstverständlichkeit, dass man einen Notruf in der internationalen Sprache Englisch absetzen kann. Es reicht ja, wenn eine Person genügende Sprachkompetenz aufweist. Aber: Offenbar verlief das ganze ja dann doch erfolgreich - verstehe also das Problem nicht, denn lupenreine Fremdsprachenkenntnisse sind nicht erforderlich; erfolgreiche Umsetzung genügt.