Pietätlos?

05. Juli 2018 12:16; Akt: 05.07.2018 12:35 Print

Nach der Sterbehilfe gibts Besuch von der Polizei

Die Sterbehelferin Erika Preisig stört sich ob der Polizei, die nach dem Freitod die verstorbene Person untersucht. Uniformierte Polizisten wirkten auf die Angehörigen traumatisierend, sagt sie.

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Nach dem begleiteten Suizid kommen die Polizei und die Staatsanwaltschaft ins Sterbezimmer, um den Leichnam zu untersuchen. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Haben Sterbehilfeorganisationen wie Exit oder Eternal Spirit eine Person in den Freitod begleitet, erhalten sie Besuch von der Polizei. Diese klärt zusammen mit der Staatsanwaltschaft die Todesursache. Für die Sterbehelferin Erika Preisig ist das eine Zumutung. Es sei für die Hinterbliebenen traumatisierend, dass nach dem Tod Polizisten in Uniform erscheinen und den «Tatort» bewachen würden, schrieb sie in einem Gastkommentar in der «bz Basel». Sie kritisiert auch, dass die verstorbene Person für die Legalinspektion durch den Rechtsmediziner völlig entkleidet wird.

Preisig betreibt im Auftrag der Organisation Eternal Spirit ein Sterbezimmer in Liestal BL. Die Uniformen müssten ihrer Meinung nach nicht sein: Im Nachbarkanton Basel-Stadt etwa würden seit vier Jahren keine uniformierten Polizisten mehr zu einem begleiteten Suizid geschickt, so Preisig. Stattdessen erscheine nebst dem Rechtsmediziner ein Fahnder in Zivil am Ort des Geschehens.

«Die Polizei will niemanden schikanieren»

Die Baselbieter Polizei wehrt sich gegen die Kritik. Man könne nicht extra Personal für assistierte Suizide abstellen, erklärt Polizeisprecher Adrian Gaugler gegenüber der bz. Einer der Gründe dafür ist laut Gaugler, dass die Polizei über assistierte Suizide in der Regel sehr kurzfristig informiert werde. «Zum Einsatz kommen reguläre Patrouillen, die zu Unfällen, Einbrüchen oder eben auch zu aussergewöhnlichen Todesfällen gerufen werden», so Gaugler weiter. Vor dem Einsatz die Uniform abzulegen und zivile Kleidung anzuziehen, sei im Polizei-Alltag nicht machbar. Gaugler betont aber: «Die Polizei will damit niemanden schikanieren oder in seinen Gefühlen verletzen.»

In Basel wird die Thematik anders gehandhabt. Wie der Kriminalkommissär und Sprecher der Basler Staatsanwaltschaft, Peter Gill, in der «bz Basel» erklärt, geht nach einer Sterbebegleitung wenn immer möglich der zivile Fahndungsdienst der Kantonspolizei vor Ort. In Ausnahmefällen rückten uniformierte Polizisten aus, was aber «selten der Fall ist».

Es braucht die Erlaubnis zur Bestattung

Nach dem Freitod mittels Sterbehilfe sind die Behörden dazu verpflichtet, die Todesumstände im Rahmen einer Legalinspektion zu untersuchen. Das schreibt ihnen die eidgenössische Strafprozessordnung vor. Finden sich keine Hinweise auf eine Straftat und konnte die Identität des Verstorbenen ermittelt werden, gibt die Staatsanwaltschaft die Leiche zur Bestattung frei.

Sterbehilforganisationen kritisieren auch grundsätzlich die Untersuchung der Verstorbenen durch die Behörden. Sie fordern, dass der begleitete Freitod einen rechtlichen Sonderstatus erhält, wie die Zeitung weiter berichtet. Auch der Organisation Exit sind die Uniformen der Polizisten ein Dorn im Auge. Die Polizei soll in Zivil erscheinen und die Staatsanwaltschaft nur noch per Telefon zugeschaltet werden.

Preisig findet Behörden überflüssig

Sterbehelferin Preisig hält die Untersuchung der Leiche für gänzlich unnötig, da die Todesursache bei assistiertem Suizid völlig klar sei, findet sie in der «bz Basel». Der Klient habe zudem seinen Sterbewunsch zu Lebzeiten mehrfach schriftlich bestätigt. Nach dem begleiteten Freitod könne sich eine ausgebildete Amtsperson mit der Staatsanwaltschaft besprechen.

(daf)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hinterbliebener am 05.07.2018 13:20 Report Diesen Beitrag melden

    Kommt auf das Verhalten der Polizei an

    Ein Familienmitglied hat nach schwerer Krankheit diesen Ausweg gewählt. Auch bei uns erschien die Polizei in Uniform, jedoch blieben sie sehr Menschlich, und traten charakterlich mehr als Freund, denn als Ermittler auf. Es kommt also sehr stark auf die gesendeten Polizisten an.

  • AG am 05.07.2018 14:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schutz für alle

    Ach kommt, das ist doch völlig in Ordnung! Wir haben eines der besten Sterbehilfe Gesetze der Welt, dass die Rechtmässigkeit überprüft wird, ist absolut vernünftig. Die Angehörigen wissen das im Vorfeld. Für die Polizei sind solche Einsätze auch unangenehm. Eine Uniform ist da ein guter Schutzpanzer für die eigene Seele, diese sollten sie ihnen lassen.

  • ach am 05.07.2018 12:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kritik...

    Immer wird alles kritisiert und negativ ausgelegt! Da man dies ja im Voraus weiss, kann man ja die betroffenen Personen vorgängig informieren. Die Polizei macht ihren Job.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Lüla am 05.07.2018 19:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles in geregelten Bahnen

    Es ist ein Suizid und somit kommt die Polizei. Ist auch gut so.

  • Ruedi Rüssel am 05.07.2018 17:57 Report Diesen Beitrag melden

    Fr. Preisig verdient damit sicher etwas.

    Ich bin persönlich für die Möglichkeit von Sterbehilfe wie sie hier möglich ist. Es steht aber Fr. Preisig frei ihr Sterbezimmer zu schliessen und mit der Freitodbegleitung aufzuhören. Ihr Obolus den sie sicher erhebt ist dann halt auch nicht mehr vorhanden. Sie muss sich nicht mehr mit den Behörden ärgern und an die Medien gelangen. Jemand anders wird dies weiterführen und dies so akzeptieren wie es das Gesetz vorsieht. Und am Ende ist allen geholfen, vor allem denen die keine Negativkritik mehr erdulden müssen. z.B. Polizei, Gerichtsärzte, etc.

  • Seppetoni am 05.07.2018 17:45 Report Diesen Beitrag melden

    Es geht Frau Preisig vermutlich zu lange

    Es ist die Aufgabe des Staates für die korrekte Abwicklung aller geregelte Dinge zu sorgen. Darür haben wir die Polizei. Frau Preisig und ihre Organisation machen jedesmal 10000 Fr. und viel mehr Kosten geltend. Zudem sind 90% ihrer Kundschaft Sterbeturisten. Das Hallo wollte ich sehen, wenn herausgefunden würde, dass der Tod nicht so freiwillig gekommen ist. Darum die Polizei an Ort ob Zivil oder in Uniform.

  • Denker am 05.07.2018 17:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zum Thema Würde und Sterben

    Empfehle ich 2 Podcasts von SWR2 Aula nämlich: «Therapieziel Tod» und «Das Leben unter Kontrolle»... soviel dazu!

  • Tom am 05.07.2018 17:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr wichtig!

    Es kann nicht angehen, dass inszenierter Selbstmord als etwas völlig Normales betrachtet wird. Einem Menschenleben ein Ende zu setzen ist das was es ist und die Justiz muss hier klar intervenieren und untersuchen! Traumatisch für Angehörige ist der ge-timte Tod ihre geliebten Menschen. Statt solch illustre Institutionen zu unterstützen sollte man viel mehr Sterbehospize und Sterbebegleitung sowie medizinische Betreuung zu Hause massiv ausbauen, so dass Menschen wieder in Würde sterben können, ohne dass sie Gift trinken müssen denn das hat mit Würde wenig zu tun...!!