Nationalratswahlen

21. August 2019 13:58; Akt: 21.08.2019 14:26 Print

Grosi kandidieren, ohne es zu wissen, auf Nazi-Liste

Der rechtsextreme Basler Politquerulant Eric Weber hat Seniorinnen ohne deren Wissen auf die Nationalratsliste seiner Partei gesetzt. Jetzt wird die Staatskanzlei aktiv.

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Der Basler Politquerulant und Nazi Eric Weber kandidiert in Basel für den Nationalrat. Mit ihm zusammen auf der Liste Ausländerstopp kandidieren Maria Bumann (85) und Elise von Büren (88). Die beiden Seniorinnen sind Polit-Newcomer. Mindestens Bumann wusste nichts von ihrem Glück, zusammen mit einem überregional bekannten Rechtsextremen für den Nationalrat zu kandidieren.

Die Renterin hat Weber angetroffen, als er in Basel Flyer verteilte. Sie schrieb ihm einen Brief, dass sie gut finde, was er tue. «Da hat er mich angerufen und um ein Treffen gebeten. Ich habe zugestimmt», sagt Baumann. Unterschrieben hat sie nichts, ist sich die unfreiwillige Nationalratskandidatin sicher.

«Ich habe ihm gesagt, dass ich mir eine Kandidatur überlege, danach habe ich nichts mehr von ihm gehört», so die Seniorin. Das war vor einem Jahr.

Staatskanzlei ermittelt

Die zweite Kandidatin war für 20 Minuten nicht erreichbar. Sie befinde sich gerade im Spital, sagte ein Nachbar. Die Wahrscheinlichkeit, dass auch die 88-jährige Elise von Büren nichts von ihrer Kandidatur weiss, ist gross.

Die Basler Staatskanzlei, die für die Durchführung der Wahlen zuständig ist, wird in der Sache nach Medienanfragen nun aktiv. «Kandidierende müssen selbst unterschreiben», hielt Vizestaatsschreiber Marco Greiner auf Anfrage fest.

Weber selbst war für eine Stellungnahme bisher nicht erreichbar. Eine Anfrage, die 20 Minuten ihm am Dienstagmorgen zustellte, blieb bis am Mittwoch unbeantwortet. Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass Weber ein fragwürdiges Demokratieverständnis an den Tag legt: Der 56-Jährige ist ein gerichtsnotorischer Wahlmanipulator.

Webers langes Sündenregister

1991 wird er erstmals vom Basler Strafgericht wegen Urkundenfälschung und Wahlmanipulationen verurteilt. 1994 wurde ihm für fünf Jahre verboten, für ein politisches Amt zu kandidieren. 2007 kandidiert Weber für den Ständerat. Nach den Wahlen wird publik, dass er zu diesem Zeitpunkt in Deutschland lebte. Er hätte nicht kandidieren dürfen.

2008 wird Weber wieder verurteilt wegen mehrfacher teilweise versuchter Drohung gegen Journalisten, mehrfacher teilweiser versuchter Wahlfälschung und mehrfacher Wahlbestechung. 2014 folgt die nächste Verurteilung wegen mehrfacher Wahlfälschung.

2015 setzt er einen ehemaligen Parteikollegen, ohne dessen Wissen, auf seine Liste für die Nationalratswahlen. Dieser wehrt sich juristisch dagegen. Auch zu den Grossratswahlen 2016 füllt Weber seine Liste mit mehreren Personen auf, die nie einer Kandidatur zugesagt haben.

(kom)