Basel

03. Dezember 2018 12:06; Akt: 04.12.2018 10:44 Print

Negro-Rhygass verzichtet auf umstrittenes Logo

Die Guggemusik Negro-Rhygass wird in Zukunft auf ihr Logo verzichten, das für mächtig Wirbel gesorgt hat. Dies verkündete die Clique am Montagmittag.

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Mehrere Rechtsextreme haben unbehelligt am Solidaritäts-Marsch teilgenommen und auf T-Shirts ihre Gesinnung zur Schau gestellt. Fight Antifa war noch das harmloseste. Laut einem Bericht der «TagesWoche» wurden auch Shirts von Nazi-Marken mit der Aufschrift 88 oder Hate4U gesichtet. Schilder mit politischen Parolen durften nicht mit auf den Umzug. Hier haben die Organisatoren noch interveniert. Auch der schwarz-geschminkte Teilnehmer musste sein Make-up entfernen. Über 1000 Fasnächtler nahmen am Solidaritäts-Marsch am Freitagabend teil. Der Umzug war von den Behörden bewilligt. Gross und Klein standen ein für die beiden Guggenmusiken, die von Facebook wegen ihrer Logos gesperrt wurden, weil diese als rassistisch gemeldet wurden. Bei der Besammlung im De-Wette-Park wurden auch gratis Mohrenköpfe verteilt. Auf der Wettsteinbrücke stellten sich vorübergehend mehrere Dutzend Anti-Rassismus-Aktivisten den Fasnächtlern in den Weg. Sie machten aber nach wenigen Minuten Platz. Transparente von Kritikerin sollen gemäss Medienberichten von Fasnächtlern, die am Solidaritäts-Marsch mitgelaufen sind, entfernt und zerstört worden sein. Die Stimmung am Marsch war friedlich. Von Zwischenfällen während des Umzugs ist nichts bekannt. Stein des Anstosses ist der optische Auftritt der Traditionsclique Negro Rhygass. Besonders die Darstellung des Schwarzen in deren Logo wurde als rassistisch kritisiert. Facebook entfernte nach Meldungen der Seite. Ebenfalls in der Kritik ist das Logo der Guggenmusik Mohrekopf. Auch deren Seite wurde von Facebook gesperrt. Mitglieder der Guggenmusik Mohrekopf an der Fasnacht 2017. Um den Auftritt der beiden Guggen ist eine Kontroverse entbrannt.

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Die Guggemusik Negro-Rhygass verabschiedet sich von ihrem Emblem: Eine schwarze Figur mit Knochen-Haarschmuck. Das Logo sorgte im Sommer 2018 für heftige Kritik. Das Emblem bediene sich eines rassistischen Stereotyps.

Nun schreibt die Clique in einer Medienmitteilung, dass sie das Logo in der Öffentlichkeit nicht mehr benutzen werde. «Bei aller Tradition: Die Zeiten haben sich geändert, gesellschaftliche und moralische Fragen werden heute anders beurteilt als vor 60 oder 90 Jahren. Was damals als süss oder niedlich empfunden wurde, kann heute verletzend und rassistisch wirken», so die Guggemusik.

Ganz auf das Logo werde jedoch nicht verzichtet, wird in der Mitteilung festgehalten. Da es bereits auf vielen Requisiten, beispielsweise den Instrumenten, vorhanden ist, könne es nicht ganz verbannt werden.

Basel zeigte in der Debatte seine «rechte Fratze»

Der Student, der Anfang August auf das Logo aufmerksam wurde, findet die Entscheidung der Clique sehr gut, wie er zu 20 Minuten sagt. Den Shitstorm, zu dem die öffentliche Debatte eskalierte, habe er mit gemischten Gefühlen erlebt.

«Ich fand es gut, dass sich viele Menschen gegen das Logo ausgesprochen haben», erinnert er sich. Andererseits sei er aber schockiert, wie viele Menschen mit dem umstrittenen Emblem sympathisierten. «Es waren nicht nur Rechtsradikale, sondern auch Menschen aus der breiten Bevölkerung, die ansonsten kein rechtes Gedankengut teilen. Es wurden teilweise extrem rassistische Kommentare in den sozialen Medien gepostet», sagt er. Basel habe in dieser Hinsicht auch seine «rechte Fratze» gezeigt.

Zudem zeigt sich der Student schockiert darüber, dass die Verbreitung von Hass in diesem Rahmen nicht geahndet werde. «In anderen Ländern werden Hassreden nicht toleriert», mahnt er.

Verzicht auf neues Emblem

Der Trubel rund um den Namen und das Emblem habe viele Guggemusiker erschüttert, schreibt die Clique. «Viele Mitglieder haben sich wochenlang nur noch mit diesem Thema beschäftigen können.» Man wolle sich erneut klar von den Rassismus-Vorwürfen distanzieren.

Offen sei zum jetzigen Zeitpunkt, ob die Gugge ein neues Signet kreieren wolle. «Möglicherweise wird auf ein Logo auch ganz verzichtet.»

(jd/las)