Kontroverse um Negro Rhygass

31. August 2018 11:34; Akt: 31.08.2018 11:34 Print

«Macht einen Wettbewerb für ein neues Logo»

Sowohl die Basler Clique Negro-Rhygass als auch die Guggemusig Mohrekopf halten an ihren Namen fest. Bei den umstrittenen Logos werden Änderungen in Erwägung gezogen.

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Vorderhand bleibt alles beim Alten. Die Negro Rhygass will nach der Kontroverse um Rassismus an der Basler Fasnacht ihr Logo aber überprüfen. Der Name bleibt aber bestehen, betonte die Clique in einem Communiqué vom 30. August. Auch die Guggemusig Mohrekopf sieht sich Rassismus-Vorwürfen ausgesetzt. Den Namen möchten auch sie behalten. Ob das Logo einer Anpassung bedarf, werde derzeit geprüft. Dies war der Aulöser der Debatte: Ein Basler Medizinstudent war schockiert, als er Anfang August das Negro-Fest passierte und machte einen entsprechenden Post auf Instagram, der sich rasch verbreitete. Alsbald meldeten sich Kritiker auf der Facebook-Seite der Clique zu Wort und verlangten einen «zeitgemässeren» Auftritt. Am 14. August wurden dann die Facebook-Seiten der Negro Rhygass und Mohrekopf-Gugge vorübergehend gesperrt. User hatten diese als rassistisch beanstandet, nachdem ein entsprechender Aufruf auf Instagram lanciert worden war. Die Negro Rhygass distanzierte sich von Anfang an von Rassismus aller Art. Sah jedoch keinen Handlungsbedarf, da Name und Emblem auf eine historische Begebenheit zurückzuführen sind. Seit vielen Jahren sei der Verein Mitglied des Fasnachtscomites und des Dachverbandes der Gugge-IG. Der Name sei zuvor nie ein Thema gewesen. Auf die Kritik folgte eine Welle der Solidarität auf den sozialen Medien. Dieser Vers eines Basler Fotografen wurde schliesslich mehrere tausend Mal geteilt. Auch diese Solidaritätsbekundung mit den Opfern der Facebook-Zensur wurde auf Facebook eifrig herumgereicht. Die Solidaritäts-Bewegung mündete schliesslich in einem Solidaritäts-Marsch am 17. August, an dem über 1000 Teilnehmer mitgelaufen sind. Auf der Wettsteinbrücke kam es zu einer kurzen Konfrontation mit einer Gegendemo, die nach wenigen Minuten aber den Weg frei machte. Werden hier die Grenzen des Tolerierbaren überschritten? Um den Auftritt und den Namen der Fasnachtsgesellschaften Mohrekopf-Gugge und Negro Rhygass ist eine Kontroverse entbrannt.

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Die Negro-Rhygass will an ihrem Namen festhalten: Das hat die Basler Fasnachtsclique am Mittwochabend an ihrer ordentlichen Mitgliederversammlung entschieden. Es sei dabei noch einmal betont worden, «dass die Negro-Rhygass ein in jeder Hinsicht neutraler Verein ist, dessen Mitglieder Rassismus in jeglicher Form verurteilen», teilt sie mit.

Allerdings will die Clique bei ihrem Logo über die Bücher. Die Karikatur eines Schwarzen in Bastrock mit einem Knochen im Haar wurde als herablassend und verletzend kritisiert. Es werde nun eingehend und in Ruhe das Für und Wider eines Logowechsels geprüft. Eine Frist wurde dafür allerdings nicht kommuniziert.

Ändern die Vereine ihre Logos?

Die Guggenmusik Mohrekopf, die ebenfalls mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert wurde, hält auf ihrer Webseite fest, dass sie an ihrem Namen festhält. Die Vorwürfe entbehrten jeder Grundlage. Der Name des Vereins habe keinerlei rassistischen Hintergrund. «Der Name geht zurück auf das bekannte Schaumgebäck mit Schokoladenüberzug, das von einem der Gründer regelmässig an Proben mitgebracht wurde», so die Guggenmusik in einer schriftlichen Stellungnahme.

Sie distanziert sich ausdrücklich von jeglicher Form von Rassismus und Ausgrenzung. Sie sehe daher keine Veranlassung ihre Namen zu ändern. Dass das Logo im heutigen Kontext zu Irritationen führen kann, anerkenne der Verein. «Ob das Logo allenfalls einer Anpassung bedarf, ist zurzeit Gegenstand einer internen Abklärung», so die Mitteilung.

Shitstorm und Solidaritäts-Marsch

Das «Negro-Fescht» der Clique anfangs August gab Anstoss zu einer Debatte über Rassismus an der Fasnacht, nachdem sich ein empörter Basler Medizinstudent an 20 Minuten wandte. Der Obmann der Negro-Rhygass distanzierte sich umgehend von rassistischen Motiven. Auf Social Media tobte aber bereits ein Shitstorm. Nachdem die Facebook-Seiten der Clique Negro und der Gugge Mohrekopf gesperrt wurden, solidarisierten sich viele Fasnächtler mit ihnen. Die Debatte machte rasch national Schlagzeilen.

Die Kontroverse wurde schliesslich mit einem Solidaritäts-Marsch auf die Strasse getragen, an dem am 17. August über 1000 Sympathisanten der beiden Guggen teilnahmen. Allerdings marschierten auch Rechtsradikale mit, die trotz eindeutiger Kleidung unbehelligt blieben, was wiederum eine Kontroverse über den Marsch selbst zur Folge hatte.

PR-Profi schlägt Wettbewerb vor

Der Kommunikationsspezialist und Blogger Manfred Messmer hat der Clique am Mittwoch den Vorschlag gemacht, einen Gestaltungswettbewerb für ein neues Signet zu veranstalten. «Mit einer Pressekonferenz vor der nächsten Fasnacht stellen wir Logo und Grafiker der Öffentlichkeit vor und schliessen das Kapitel ab. Bessere PR geht nicht», so Messmer. Die Clique hat sich zu dieser Idee noch nicht geäussert.

Schickt uns eure Gestaltungsvorschläge

Also liebe Leser, ran die Malstifte oder das Bildbearbeitungsprogramm. Wie stellt ihr euch ein zeitgemässes Logo für die Negro-Rhygass vor? Schicke uns deinen Gestaltungsvorschlag. Wir zeigen die besten Einsendungen.

Die Clique verdankt ihren Namen übrigens dem Schweizer Flugpionier Walter Mittelholzer, der im Gründungsjahr der Clique 1927 in Afrika notlanden musste.

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(lha)