Basel

02. Juni 2015 06:03; Akt: 23.06.2015 10:05 Print

Nie mehr allein essen dank «M-Eating-Table»

Eine Baslerin setzt langweiligen Restaurant-Besuchen ein Ende und hat ein Konzept ins Leben gerufen, das kommunikative Leute miteinander vereint.

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Die Schöpferin des Meatingtable freut sich im Parterre über zukünftige Tischpartner. (Bild: jd)

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Basel ist die erste Stadt in der Schweiz, die Menschen an Esstischen zusammenbringt. Zwölf Restaurants setzen den «M-Eating-Table» bereits um. Das Projekt von Beatrix Revesz hat das Ziel, einsamen Gästen die Mahlzeit durch sozialen Kontakt zu versüssen. Wer nicht alleine essen möchte, kann sich an den speziell reservierten Tisch setzen und mit anderen Alleinessern plaudern.

Ein Anbieter des «M-Eating-Table» ist das Volkshaus.
«Wir hatten bereits Gäste, die das Angebot genutzt haben», so Geschäftsführer Martin Reinshagen. In seinem Restaurant sei der Tisch gut sichtbar am Eingang postiert. «Wir machen aktiv auf das Angebot aufmerksam, denn wir haben viele Gäste, die alleine unterwegs sind.» Das Projekt sei jedoch noch in den Startlöchern und brauche Zeit. «Es wird sich aber sicher bald etablieren», so Reinshagen.

Basel Tourismus ist von der Idee des gemeinschaftlichen Essens begeistert. «Wir haben uns bereit erklärt, in unseren Kommunikations-Kanälen auf das Angebot hinzuweisen. Zum Beispiel könnten die entsprechenden Restaurants im Restaurantführer speziell vermerkt werden», sagt Frédéric Pothier, Vizedirektor von Basel Tourismus. Es seien diese kleinen privaten Initiativen wie die M-Eating-Tables, die das Leben in Basel zu einem grossen Teil lebenswert machen würden.

Mut zum gemeinsamen Essen

Die Idee, Menschen beim Essen zusammen zu bringen, kam Beatrix Revesz vor Jahren, als sie sich mit ihrem Ehemann auf einer ihrer zahlreichen Reisen beim Abendessen furchtbar langweilte. «Wir sassen uns gegenüber, wussten nichts mit uns anzufangen und waren schlichtweg zu schüchtern, andere Paare anzusprechen», erzählt die sie.

Seither habe sie der Gedanke nicht mehr losgelassen: «Niemand soll einsam essen müssen.» Nun hat sie innerhalb weniger Wochen ein Projekt auf die Beine gestellt, dass an jenem Problem anknüpft. «M-Eating-Table» ist ein innovatives Konzept, das Tische in ausgesuchten Lokalen zu Treffpunkten werden lässt. «Jedermann sollte ein schönes Essen in unterhaltsamer Gesellschaft geniessen können», so Revesz.

Oftmals fehle lediglich der Mut sich an einen fremden Tisch zu setzen und ein Gespräch zu beginnen. «Damals im Urlaub bin ich dann am letzten Abend über meinen Schatten gesprungen und habe ein Ehepaar angesprochen, ob wir nicht zusammen im Hotel Abendessen wollen», erzählt sie. Doch die Ferien waren vorbei und Zuhause gehörten die trögen Mahlzeiten wieder zum Alltag.

Tischgespräch statt Smartphone

Revesz hat 10'000 Franken in die Hand genommen, um ihre «Revolution der Esskultur» zu realisieren. Den Restaurants, die ihre Idee umsetzen, berechnet sie jährlich eine Gebühr von 150 Franken. Die Lokale machen ihre Besucher bereits beim Eintreten darauf aufmerksam, dass sie ihr Essen an einem «belebten Tisch» zu sich nehmen können. Es sei ein Geben und Nehmen. «So muss niemand mehr angestrengt auf sein Smartphone starren und kann statt dessen ein interessantes Gespräch führen», freut sich Revesz.

(jd)