Quartierbewohner sauer

05. Juni 2019 04:52; Akt: 05.06.2019 04:52 Print

«Diese Lollipop-Bäume bringen uns nichts!»

Am Dienstagmorgen wurde am Basler Tellplatz ein rund 60-jähriger Baum notgefällt. Dass die übrigen Schattenspender dort ebenfalls weichen sollen, sorgt im Quartier für rote Köpfe.

Am 4. Juni musste ein Spitzahorn am Tellplatz in Basel gefällt werden. Die Bäume sind schon länger ein Politikum. Anwohner wollen die Bäume vor der Fällung retten. Beim etwa 60 Jahre alten Spitzahorn war nichts mehr zu retten.
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Marco Hug von der Stadtgärtnerei klopft gegen einen Spitzahorn am Tellplatz. «Hören Sie das? Es klingt hohl», sagt er zu den anwesenden Medienschaffenden und Anwohnern, die sich am Dienstagmorgen um den Baum versammelt haben.

Dass das Basler Bau- und Verkehrsdepartement zur Fällung des rund 60-jährigen Baumes einlädt, liegt an seinem Standort. Seit die Quartierbewohner erfahren haben, dass alle Bäume am Platz gefällt werden, laufen sie gegen den Entscheid Sturm.

Sie haben eine Petition mit über 3500 Unterschriften eingereicht und Protest-Transparente aufgehängt. Der Umweltschutzverein ProNatura hat bei einigen Bäumen Rekurs gegen die Fällung eingelegt.

«Lollipop-Bäume bringen nichts!»

Die Quartierbewohner fürchten, dass der Platz ohne Bäume massiv an Lebensqualität verliert. Entsprechend entrüstet äussert sich eine Frau unter dem zu fällendem Baum.

Sie wolle wissen, was für ein Baum den grossen Spitzahorn ersetzten soll. «Diese kleinen Lollipop-Bäume bringen uns gar nichts, wir brauchen Schatten!» sagt sie und zeigt auf die andere Platzseite, auf der ein Jungbaum gepflanzt wurde. Sie stürmt wütend davon.

Gärtner Hug führt inzwischen aus, warum der Baum gefällt werden muss. In der Hand hält er Unterlagen mit Berechnungen. «Eine Standfestigkeit von 150 Prozent aufwärts wäre in Ordnung. Der hier», er lehnt sich gegen den Spitzahorn und rüttelt, der daraufhin gut sichtbar wackelt, «hat noch eine Standfestigkeit von 95 Prozent.» Die Diagnose der Stadtgärtnerei: Stockfäule.

Notfällung Tellplatz

«Sicherheitsgründe sind berechtigt»

Kollegen von Hug zücken die Kettensäge. In weniger als 25 Minuten haben sie den alten Baum komplett zerlegt. Tatsächlich ist der Baumstamm massiv ausgehöhlt.

Einer, der das Treiben im Hintergrund beobachtet, ist Oliver Thommen, Anwohner und einer der Initianten der Petition zur Rettung der Tellplatz-Bäume. «Für uns ist klar: Wenn die Stadtgärtnerei einen Baum aus Sicherheitsgründen fällen muss, dann hat das seine Berechtigung», sagt er.

Bevölkerung schlecht informiert

Dagegen richte sich die Petition auch nicht. Es gehe darum, dass nicht alle Bäume im Rahmen der Platzumgestaltung gefällt werden sollen.

Trotzdem: Mit dem Vorgehen des Departements ist Thommen nicht zufrieden. «Es wäre sinnvoll gewesen, wenn das Baudepartement die Bevölkerung früher über die Fällung informiert und nicht nur einen Medientermin organisiert hätte. Auch die Informationstafel zur Fällung wurde erst einen Tag zuvor aufgestellt.»

(kom)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • m.m am 05.06.2019 06:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    weshalb alle informieren?

    das war ein kranker baum und die gärtner haben das richtig erkannt.

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  • Expat am 05.06.2019 05:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Lauf der Natur

    Aber wenn ein Baum jemanden erschlägt, weil er zu verfault ist wer trägt dann die Verantwortung. Sicher nicht die Anwohner. Es werden ja neue Bäume gepflanzt gebt denen Zeit zu wachsen, in 5 Jahren sieht das alles toll aus.

  • Marcodue am 05.06.2019 05:39 Report Diesen Beitrag melden

    Alles beginnt im Kleinen

    Einen jungen Baum pflanzen und in einigen jahren spender der wieder Schatten. Aber in der Natur geht nicht alles von heute auf morgen! Auch der Baum war einmal ein kleines Plänzchen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Warnung am 05.06.2019 14:45 Report Diesen Beitrag melden

    Fällen wenn nötig

    Bei uns ist letztes Jahr eine schöne Kastanie umgefallen. Der Grund, sie war komplett hohl. Zum Glück gab es nur geringer Sachschaden und keine Verletzten.

  • Renzo am 05.06.2019 10:42 Report Diesen Beitrag melden

    So nicht

    Ich finde dies diskriminierend, wenn man Bäume Lollipop-Bäume nennt...

  • Daisydream am 05.06.2019 10:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aha

    Auch der kleine Lollipopbaum wird mal gross. Es braucht halt seine Zeit. Wenn ein kranker Baum bei einem Sturm umfällt und jemanden verletzt oder gar tötet, übernehmen die Anwohner bestimmt nicht die Verantwortung. Ich bin aber nicht dafür, gesunde Bäume zu fällen. Wozu?

  • Philipp H am 05.06.2019 10:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Man kann ja auch schon etwas größere Bäume pflanze

    Man kann heute auch bereits gut herangewachsene Bäume pflanzen. Kostet etwas mehr aber da man für vieles andere auch das Geld hinauswirft, könnte man hier ruhig mal was in lokales investieren.

  • Peter Vogel am 05.06.2019 10:32 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist mit den gesunden Bäumen?

    Den kranken Baum zu fällen war richtig. Es wird aber nicht erwähnt wieso man die restlichen Bäume ebenfalls fällen muss.

    • A.Riese am 05.06.2019 11:26 Report Diesen Beitrag melden

      Wieviel % ?

      @ Peter Vogel Möchte ich auch wissen. Was erzählt der Gärtner von 150% Standfestigkeit bei Bäumen. Ist das auch bei Politikern möglich??

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