Kollision mit Haus

03. November 2011 15:44; Akt: 03.11.2011 20:45 Print

Nun wird das Unglücks-Tram zerlegt

Nach dem spektakulären Tramunfall in Münchenstein BL haben die Aufräumarbeiten begonnen. Um das Tram zu bergen, musste es auseinandergeschnitten werden.

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Zum zweiten Mal innert 24 Stunden hat das Unglückstram in Münchenstein BL abgehoben. Nach der Entgleisung in der Nacht auf Donnerstag dieses Mal allerdings kontrolliert: Mit einem Pneu-Kran wurde kurz vor Mittag der erste Wagen geborgen. Die Doppelkomposition musste zur Bergung auseinandergeschnitten werden. Die einzelnen Wagen werden nun auf Lastwagen verladen und abtransportiert.

Die Bergungsarbeiten sind aufwendig: Die Spezialisten mussten erst den zerstörten Fahrleitungsmast entfernen und die Fahrleitung spreizen, damit sie überhaupt das demolierte Tram anheben konnten. Die Polizei ist auch vor Ort. Wie Sprecher Meinrad Stöcklin noch am Unfallabend sagte, muss die Polizei die einzelnen Wagen untersuchen, bevor sie zur Bergung freigegeben werden.

Tram war nicht zu schnell

Der Tram-Betrieb auf der Linie 10 zwischen Bahnhof Dornach/Arlesheim und Basel Dreispitz bleibt bis auf Weiteres unterbrochen. Es fahren Ersatzbusse. Polizei und BLT wollen laufend über den Stand der Bergungsarbeiten informieren.

Das Unglückstram war Mittwochnacht gegen 23.30 Uhr entgleist. Das Tram sprang aus den Schienen, mähte einen Zaun nieder und schrammte entlang der Fassade eines Doppeleinfamilienhauses, wo es dann zum Stehen kam. Sechs Reisende im Tram wurden verletzt. Beschädigt wurde auch ein parkiertes Auto.

Die Anwohner des Doppeleinfamilienhauses kamen mit dem Schrecken davon. «Plötzlich hörte ich ein Quietschen, einen Riesenknall und dann erzitterte das Haus», schilderte Kevin Pfluger die Kollision des Trams mit seinem Haus. «Es fühlte sich an wie ein Erdbeben.»

Halbe Million Franken Sachschaden

Der Sachschaden am Tramzug, der Umgebung und am Auto beläuft sich gemäss dem BLT-Direktor Andreas Büttiker gegen eine halbe Million Franken. Der Grossteil entfällt auf das Rollmaterial: Der Zugwagen, eine rund 35-jährige Niederflur-«Sänfte», und der rund 40-jährige motorisierte Anhänger seien stark beschädigt - faktisch schrottreif, so Büttiker gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Eine Reparatur würde 300 000 bis 400 000 Franken kosten, was sich laut Büttiker wohl kaum mehr lohnt. Der Anhänger wäre planmässig in rund drei Jahren ausgemustert worden, die «Sänfte» noch etwas länger gefahren - indes zunehmend als Ersatzfahrzeug, weil die BLT gerade eine Flotte neuer Tango-Trams etappenweise in Betrieb nehmen.

Die Ursache für die Entgleisung ist noch unklar. Vermutet wird, dass es mit der Wendeweiche zu tun hat. Nach ersten Erkenntnissen war das Tram nicht zu schnell unterwegs.

Die Bergung des ersten Wagens, aufgenommen von Leser-Reporterin Myriam Leuenberger:

(Video: Keystone)

(hys/amc/lha)