Ozeanium in Basel

29. April 2019 04:52; Akt: 29.04.2019 11:05 Print

Schutz der Meere oder unwürdige Ausstellung?

von Mirjam Kohler - Was ist eigentlich das Ozeanium, über das der Kanton Basel-Stadt demnächst abstimmt? Was spricht für und was gegen das Projekt?

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Der Zoo Basel möchte ein Grossaquarium bauen: Das Ozeanium. So soll es aussehen. Das Gebäude soll 28 Meter hoch und drei Geschosse tief werden. So sieht das Ganze als Modell aus. Das Grossaquarium soll an der Heuwaage gebaut werden. Das Projekt wird seit Jahren diskutiert. Tierschützer haben am Ozeanium viel auszusetzen. Mit Tierschutz habe das Ozeanium nichts zu tun, sagen Tierschützer. Eine prominente Gegnerin des Grossaquariums ist Vera Weber, Präsidentin der Fondation Franz Weber. Das Ozeanium sei nicht mehr zeitgemäss, sagt sie. Die meisten Tiere sterben beim Fang und dem Transport zum Ausstellungsort, heisst es aus Tierschützerkreisen. Das Ozeanium sei auch eine Energieschleuder. Die Gegner glauben nicht daran, dass durch das Ausstellen der Tiere die Besucher sensibilisiert werden. 150 Grossaquarien gäbe es weltweit, eine Sensibilisierung sei nicht nachweisbar. Olivier Pagan ist der Basler Zoodirektor. Er ist überzeugt, mit dem Ozeanium für einen nachhaltigeren Lebensstil und den Schutz der Meere werben zu können. Der Zoo will auch mit Forschern zusammenarbeiten, um mehr über die Meeresbewohner zu lernen. Die jahrzehntelange Erfahrung, die der Zoo dank des bestehenden «Vivarium» im Umgang mit Meeresbewohnern sammeln konnte, soll nun auch dem Ozeanium zu Gute kommen. Mehrere tausend Tiere aus allen Klimazonen in rund 40 Aquarien mit Wasserständen von bis zu acht Metern Höhe sollen im Ozeanium leben. Das Ozeanium soll 50 Arbeitsplätze schaffen und den Tourismus ankurbeln. Die Abstimmung darüber, ob der Zoo bauen darf, findet am 19. Mai statt.

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Im Kanton Basel-Stadt wird im Hinblick auf die Abstimmungen vom 19. Mai eifrig diskutiert. Vor allem das Ozeanium erhitzt die Gemüter. 20 Minuten hat die wichtigsten Infos dazu zusammengestellt.

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Worum geht es?

Der Zoo Basel plant auf der Heuwaage ein Grossaquarium, das Ozeanium. In rund 40 Aquarien sollen Tiere aus allen Klimazonen gezeigt werden. Das Gebäude soll 28 Meter hoch werden, mit vielen unterirdischen Anlagen. Die Kosten für den Neubau, die der Zoo selbst trägt, belaufen sich auf 100 Millionen Franken.

Da das Ozeanium laut Zonenplan aktuell nicht an der Heuwaage gebaut werden darf, braucht es eine Umzonung.

Der Grosse Rat hat dem Vorhaben im vergangenen Herbst zugestimmt. Allerdings wurde dagegen das Referendum ergriffen, weswegen es am 19. Mai zur Volksabstimmung kommt.


So soll das Riesenaquarium einst aussehen. (Bild: Philipp Schaerer)

Das sagen die Befürworter

Olivier Pagan, Direktor des Basler Zoos erklärt, warum der Zoo das Ozeanium bauen möchte.
Bild: zvg

Warum braucht es das Ozeanium?
«Im Ozeanium wird aufgezeigt, wie fragil das Ökosystem Meer ist, wie sehr sich Mensch und Meere gegenseitig beeinflussen und dass wir auf gesunde Meere angewiesen sind. Die Besucher sollen mitten in Basel Zugang zum Meer erhalten und seine Schönheit und Faszination erleben. So wirbt der Zoo für einen nachhaltigen Lebensstil und sensibilisiert für den Schutz der Meere.»

Grossaquarien kämpfen mit sinkenden Besucherzahlen. Investiert der Zolli in ein Auslaufprojekt?
«Grossaquarien können erfolgreich betrieben werden. Das Ozeaneum Stralsund etwa investiert aktuell 30 Millionen Euro. Wir wurden von privaten Investoren angesprochen, um ein gewinnorientiertes Grossaquarium zu realisieren. Der Zoo setzt Bildung vor Kommerz und hat diese Angebote stets abgelehnt. Zudem ist das Ozeanium die perfekte saisonale Ergänzung zum Zoo.»

Die Gegner sagen, das Ozeanium treibe die Zerstörung der Korallenriffe weiter voran. Steht das nicht im Widerspruch mit Ihrem Ziel, den Meeresschutz zu fördern?
«Der Zoo setzt sich für den Erhalt gefährdeter Tierarten ein und wir tun nichts, das Ökosysteme oder Tierarten gefährdet. Wenn die Umweltbedingungen stimmen, gefährdet der nachhaltige Fang von Fischen die Bestände oder Ökosysteme nicht. Der Zoo kann das dank langjähriger Erfahrung sicherstellen.»

Das sagen die Gegner

Das Ozeanium hat nicht nur Fans. Eine, die sich an vorderster Front gegen den Neubau einsetzt, ist Vera Weber, Präsidentin der Umweltschutzorganisation Fondation Franz Weber.
Bild: zvg

Warum braucht es das Ozeanium nicht?
«Grossaquarien sind Relikte der Vergangenheit, als es noch nicht möglich war, das echte Leben der Meerestiere filmisch und wie heute auch virtuell zu präsentieren. Letztendlich funktionieren sie gleich wie vor 160 Jahren: Meerestiere werden unter fragwürdigen Umständen ihrem natürlichen Lebensraum entrissen und Tausende von Kilometer transportiert. Die wenigen Tiere, die diesen Stress überleben, werden zur Unterhaltung und zum Geldverdienen in einer künstlichen Umgebung hinter Glas zur Schau gestellt. Dieses rückwärts gerichtete und völlig antiquierte Denken ist Basel und der Schweiz unwürdig!»

Der Zolli will mit diesem Projekt für den Schutz der Meere sensibilisieren. Das ist doch auch in Ihrem Sinn?
«Allein in Europa gibt es 150 Grossaquarien, und trotzdem sind die Meere so verschmutzt und mit Plastik zugemüllt wie nie zuvor. Es gibt keine Beweise dafür, dass ein Aquariumbesuch Menschen zu konkreten Handlungen zu Gunsten der Meere animiert.»

Mit dem Ozeanium bekommt Basel einen Besuchermagneten, der den Tourismus ankurbeln soll. Schlussendlich würden alle davon profitieren, oder?
«Basel gilt als Stadt der Innovation, der Zukunft und der Kultur. Darauf bin ich stolz. Basel hat es nicht nötig, auf Kosten der Tiere und Meere den Tourismus zu fördern.»

Das empfehlen die Parteien

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Biker am 29.04.2019 06:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pro

    Wenigstens sterben die Tiere in den Ozeanien dieser Welt nicht an Plastikmüll. Und eine Überfischung gibt es auch nicht.

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  • mibster81 am 29.04.2019 07:06 Report Diesen Beitrag melden

    Virtuelle Simulation

    Wann immer ich das Argument der Gegner bezüglich "man sollte besser eine Multimedia-Ausstellung machen statt eines Ozeaniums" lese, frage ich mich, wo die eigentlich leben. Das einzige, was man mittlerweile nicht in den eigenen vier Wänden erleben könnte, ist vielleicht noch eine 360 Grad IMAX-Leinwand. Naturfilme-Dokus? Gibts in UHD auf Netflix. Augmented Reality? Gibts mittlerweile auf fast jedem Smartphone. Selbst eine gute VR-Brille ist für Konsumenten einigermassen erschwinglich. Und nichts davon ersetzt einen richtigen Zoo oder ein Ozeanium mit echten Tieren.

  • Autoexperte am 29.04.2019 05:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Basel Top

    war Basel noch vor 30 Jahren eine schmutzige Industrie Stadt hat sie kulturell alle anderen überholt. Bravo weiter so

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ku Sa am 30.04.2019 09:30 Report Diesen Beitrag melden

    Der typische Grössenwahn Basel's

    Haben wir tatsächlich so viel Geld für solche Projekte? Wie wäre es mal mit Wichtigen Dingen wie AHV Sanierung, Renten Anpassungen, Steuerentlastung, Krankenkassen Verbilligung, faire Mieten etc. etc.

  • As77 am 29.04.2019 18:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    warum

    Warum nur muss hier das Volk abstimmen. gut wegen dem Zonenplan. Der Rest ist privat finanziert und geht das eingestaubte Volk nix an. Seit froh wenn in dem mittlerweile altmodischen Basel was neues gebaut wird.

  • Elson-7 am 29.04.2019 16:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Und der Zoo selber

    Dann müsste man ja laut Gegnern auch gegen den Zoo sein. Da sind die Tiere auch eingesperrt. Tiere sollten am besten dort leben können wo es herkommt. Aber dort wo es herkommt ist überall der Mensch der den Lebensraum zerstört oder gar jagt auf sie macht nur für den Spass. Im Zoo sind sie immerhin vom Menschen geschützt wenn man so will. Ich denke es ist generell ein Problem wie überhaupt mit Tieren und deren Lebensraum umgegangen wird als ein Zoo selber.

    • Swiss am 29.04.2019 16:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Elson-7

      Am besten bucht sich jeder ein Flugticket und bestaunt die Tiere dort wo sie leben - dann gibt es keine Umweltbedenken #ironieoff

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  • Aufgewachter am 29.04.2019 15:47 Report Diesen Beitrag melden

    ZooQuarium

    Hauptsache ,der Name hat Programm und nichts mit der Tierwelt zu tun. Diese zustimmenden Dauerkonsumenten sollten erst einmal beim nächsten Einkauf auf ihren Plastikmüll verzichten, bevor diese über so ein difisiles Thema wie Ökosysteme der Meere mitdiskutieren. WEM nutzt das GANZE, sollte die alles entscheidende Frage sein und nicht nur die Oberflächenprojektion einiger Leute, die ihre Taschen immer mehr füllen wollen.

  • Jacky am 29.04.2019 13:46 Report Diesen Beitrag melden

    Mitdenken

    Stellt euch vor Ihr könnt überall hin und auf einmal sperrt man euch in ein Einzelzimmer ein.

    • Onkel Sam am 29.04.2019 13:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jacky

      Auch Meeresfische können gezüchtet werden.

    • Jacky am 29.04.2019 14:03 Report Diesen Beitrag melden

      @Onkel Sam

      Und ist das der normale Verlauf der Natur? Wie erklärt Ihr das den Kindern? "Normalerweise" leben Sie im Ozean?

    • Onkel Sam am 29.04.2019 16:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jacky

      Was ist der normale Verlauf der Natur? Ist es für sie normal, Hunde als Haustiere zu halten? Wahrscheinlich schon, für Chinesen eher nein. Ist es normal, Vieh auf Äcker zu sperren? Seit wir sesshaft sind, ja.

    • @Jacky am 30.04.2019 06:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Onkel Sam

      Und weil wir Menschen schon viel kaputt gemacht haben, müssen wir uns noch mehr erlauben und die Kontrolle über alles haben ? Traurig dieser Egoismus

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