Schweizer in Thailand

20. September 2019 11:25; Akt: 20.09.2019 13:16 Print

Pädophiler Sextäter taucht nach Begnadigung unter

Ein in Thailand wohnhafter Schweizer wurde wegen Sexualdelikten an Kindern zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Diese wollte er in der Schweiz absitzen. Doch dann wurde er begnadigt und verschwand.

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Der Baselbieter wurde am 21. August 2017 in Thailand wegen sexueller Nötigung von Kindern unter 15 Jahren sowie wegen Besitzes von kinderpornografischem Material zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und elf Monaten verurteilt. Laut der «bz Basel» stellte er am 4. Juli 2018 ein Gesuch, die Reststrafe in der Schweiz abzusitzen.

Das wurde vom Kantonsgericht Baselland am 7. Mai 2019 in zweiter Instanz genehmigt, wie aus einem anonymisierten Urteil hervorgeht. Doch dann wurde der Schweizer in Thailand begnadigt, so die Zeitung. Seither fehle von ihm jede Spur.

Strafgericht wollte den Mann nicht in der Schweiz

In erster Instanz hatte das Strafgericht am 5. Dezember 2018 das Gesuch des Mannes abgelehnt. Es argumentierte, dass der Mann seit über 20 Jahren in Thailand lebe und mit einer Thailänderin verheiratet sei. Einen Bezug zur Schweiz habe er hingegen nicht, wie dem Gerichtsdokument zu entnehmen ist.

Zudem sei zu vermuten, dass der Mann nach der Verbüssung der Strafe wieder nach Thailand zurückkehre und keine Pläne habe, in der Schweiz zu bleiben. Von einer «Eingliederung in die hiesige Gesellschaft» durch eine Überstellung und einen Vollzug in der Schweiz sei damit nicht auszugehen.

Thailand wollte ihn auch nicht

Gemäss der bz schiebt Thailand aber alle Straftäter ab und erteilt ihnen ein unbefristetes Einreiseverbot. Somit hätte der Mann nach der Verbüssung der Strafe in der Schweiz gar nicht nach Thailand zurückkehren können. Das Kantonsgericht entschied aber für den Schweizer, der gegen den Entscheid des Strafgerichts rekurriert hatte.

Doch zum Vollzug in der Schweiz kam es nie, wie die Zeitung weiter schreibt. Der verurteilte Sexualstraftäter sei im Mai vom König mit 40'000 anderen Gefangenen begnadigt worden. Dies komme immer wieder vor, weil die Gefängnisse in Thailand chronisch überfüllt seien.

Danach tauchte der Mann ab. Die Begnadigung in Thailand ändert aber nichts am Urteil in der Schweiz, laut dem er die verbleibende Strafe hier absitzen muss. Bei einer Einreise in die Schweiz droht ihm die sofortige Verhaftung.

(las)