Strafgericht BL

21. Mai 2019 04:53; Akt: 21.05.2019 04:53 Print

Seine Freundin war elf und er hortete illegale Pornos

Mit 28 Jahren war der beschuldigte Schweizer 17 Jahre älter, als seine damals 11-jährige Freundin. «Wir hatten eine gute Zeit miteinander», sagt er vor Gericht.

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Er war 28 und sie elf Jahre alt, als sie eine Beziehung miteinander eingingen. Dabei kam es zwischen den beiden zu sexuellen Handlungen, auch zu Geschlechtsverkehr. Der heute 35-jährige Schweizer musste sich deswegen am Montag, 20. Mai vor dem Baselbieter Strafgericht verantworten.

Neben der Beziehung zum 17 Jahre jüngeren Mädchen wirft ihm die Staatsanwaltschaft Pornografie in mehreren Fällen vor. Der Baselbieter soll nicht nur tausende Bilder und hunderte Videos mit zumeist kinderpornografischem Inhalt heruntergeladen und verbreitet, sondern auch Aufnahmen seiner minderjährigen Freundin geteilt haben. Er streitet die Vorwürfe nicht ab.

Der Mann wurde bereits mit Pädophilie sowie hoher Rückfallgefahr diagnostiziert und befindet sich seit rund einem Jahr im vorzeitigen Massnahmenvollzug. Wie es mit ihm weitergehen soll, muss das Dreiertribunal entscheiden.

Sex im Haus ihrer Eltern

Laut Anklageschrift kam es vor allem im Elternhaus des Opfers in einer Gemeinde in Baden-Württemberg (D) zum Geschlechtsverkehr. Während das Paar in der Schweiz war, sollen sie ganz normal aufgetreten sein. Die Eltern liessen ihre Tochter sogar mit dem Beschuldigten in die Türkei in die Ferien verreisen. Auch dort im Hotel soll es zu sexuellen Handlungen gekommen sein.

«Wir hatten eine gute Zeit miteinander. Es fühlte sich normal an. Es ist nie etwas nicht Einvernehmliches passiert», sagte der Mann bei der Befragung aus. Ihm sei inzwischen allerdings klar, dass er falsch gehandelt habe: «Ich hätte die Beziehung als Erwachsener nie zulassen dürfen», so der Beschuldigte.

Wie viel die Familie des Opfers über die Beziehung wusste, ist unklar. Bekannt ist nur, dass es sich um eine Grossfamilie in einer prekären wirtschaftlichen Situation handelt, der der Beschuldigte finanziell aushalf und bei der er ein und aus ging.

«Musste an meinen eigenen Missbrauch denken»

Die verbotenen Pornos hingegen habe er nur heruntergeladen, um den sexuellen Missbrauch, den er selber in einem Kinderheim erlebt hatte, zu verarbeiten. «Ich habe mich nie dazu befriedigt. Damit habe ich heute noch Probleme», sagte er.

Wieso er nach immer brutaleren Darstellungen gesucht und wie er überhaupt in die pädophilen Kreise des Internets geraten war, konnte der Mann am Montag aber nicht schlüssig erklären.

Es sei ihm erst zu viel geworden, als ihm ein israelischer User über einen Messenger-Dienst live die Misshandlung seiner dreieinhalbjährigen Tochter zeigen wollte. «Ich musste da an meinen eigenen Missbrauch denken», beteurte er. «Sie haben den Mann dazu angestiftet und ihm Anweisungen gegeben», hiess es dagegen von Seiten der Staatsanwaltschaft.

«Es war eine Liebesbeziehung»

Ein Teil der Pornografie-Fälle ist verjährt. In den anderen ist der 35-Jährige geständig. Darum rang die Verteidiger vor allem darum, den Altersunterschied zwischen seinem Mandanten und dem Opfer zu relativieren. So habe die damals 11-Jährige bereits vor ihm Sexualpartner gehabt, während er wegen des Missbrauchs in dem Bereich stark verunsichert gewesen sei.

«Es war eine Liebesbeziehung. Es ist vorstellbar, dass die beiden heute noch ein Paar wären, hätten die Strafbehörden nicht eingegriffen», so der Verteidiger. Darum forderte er für seinen Mandanten Freisprüche für die Handlungen in Deutschland und in der Türkei. Lediglich die minderen Sexualdelikte in der Schweiz sowie die Pornografie-Vorwürfe sollten geahndet werden.

Beide Parteien waren sich am Montag einig, dass der Beschuldigte seine stationäre Massnahme fortsetzen sollte. Zu ihren Gunsten seien auch allfällige Freiheitsstrafen – die Staatsanwaltschaft fordert vier Jahre unbedingt, die Verteidigung deren drei – aufzuschieben. Auch beim zehnjährigen Berufsverbot mit Kindern und Jugendlichen gab es keine Differenzen. Die Urteilsverkündung ist für Mittwoch, 22. Mai angesetzt.

(las)