Öffentlicher Verkehr

23. März 2017 15:38; Akt: 23.03.2017 17:16 Print

Patient «Läufelfingerli» liegt auf dem Sterbebett

Die S-Bahn-Linie 9 zwischen Sissach und Olten soll durch einen Bus ersetzt werden. Dem endgültigen Aus des Läufelfingerli muss aber Solothurn noch zustimmen.

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Die S-Bahnlinie Sissach-Läufelfingen-Olten soll ab Dezember 2019 durch einen Busbetrieb ersetzt werden. Das Baselbieter Kantonsparlament hat am Donnerstag einem Wechsel zugestimmt. Für die Umstellung der S9 ist indes die Zustimmung des Kantons Solothurn nötig. Zudem ist ein Referendum gegen den Beschluss möglich.

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Ist es richtig das Läufelfingerli sterben zu lassen?
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Der Baselbieter Landrat hat die Umstellung im Rahmen des 8. Generellen Leistungsauftrags (GLA) im Bereich des öffentlichen Verkehrs für die Jahre 2018 bis 2021 im Kanton Basel-Landschaft beschlossen. Einen Antrag einer SVP-Landrätin, die Frage zur Zukunft des «Läufelfingerlis» aus dem GLA herauszulösen, lehnte das Parlament mit 47 gegen 37 Stimmen ab.

Mit dem Vertagen des Entscheids hätten weitere Ideen für die Bahnlinie geprüft werden sollen, hiess es von den Befürwortern des Antrags; die «Negativ-Spirale» der S9 müsse gestoppt werden. Unterstützt wurde dieser Antrag von einer Mehrheit der SP und der Grünen/EVP-Fraktion.

Man soll «den Patienten» sterben lassen

Gegner des Antrags etwa aus der FDP argumentierten, eine Herauslösung wäre ein falsches Signal und würde falsche Hoffnungen wecken. Damit werde eine Verbesserung im Homburgertal verunmöglicht, hiess es von CVP/BDP. Auch einzelne SVP-Mitglieder sprachen sich dagegen aus. Eine Streichung zeige den Partnern auch, dass Baselland nicht mehr bereit sei, zu zahlen. Man solle den «Patienten» sterben lassen.

Gegen eine separate Vorlage sprach sich auch die Baselbieter Baudirektorin Sabine Pegoraro im Parlament aus. Dies habe der Kanton schon vor zehn Jahren durchgespielt. Eine einzelne Vorlage würde wohl ebenfalls abgelehnt. Alle möglichen Varianten seien bereits durchgespielt.

Einsparungen von 840'000 Franken

Die Baselbieter Regierung will mit der Umstellung der Bahnlinie auf Busbetrieb längerfristig 840'000 Franken pro Jahr einsparen. Der Wechsel ist auf Dezember 2019 vorgesehen; dann läuft die bestehende Konzession aus. Für die Umstellung braucht es indes eine Zustimmung des Kantons Solothurn als Mitbesteller bei den SBB.

Mit dem Busbetrieb wird sich die Fahrzeit in Richtung Olten um 15 Minuten verlängern. Andererseits werde die Mehrheit der Gemeinden im Homburgertal gemäss Kanton von besseren Anschlüssen in Sissach und einem dichteren Taktangebot profitieren. Die Bahnlinie erreicht gemäss Vorlage derzeit einen Kostendeckungsgrad von 20 Prozent.

Vor zehn Jahren scheiterte Buslinie

Die Zukunft der Bahnlinie ist im Kanton Basel-Landschaft seit langem ein Politikum: Mit einem Antrag, das «Läufelfingerli» durch Busse zu ersetzen, war die Baselbieter Regierung vor zehn Jahren im Landrat gescheitert. Widerstand gab es damals wie heute aus betroffenen Gemeinden im Homburgertal.

Im vergangenen Jahr wollte der Landrat zudem die letzten drei Spätkurse der S9 streichen. Der Kanton Solothurn lehnte jedoch diese Teilumstellung auf Busbetrieb ab 21 Uhr aus wirtschaftlichen Gründen ab. Solothurn hätte 110'000 Franken drauflegen müssen.



Die Grünen künden bereits das Referendum an.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Paul Trend am 23.03.2017 15:58 Report Diesen Beitrag melden

    Genial

    Perfekt - Einstellen des CO2 armen Bahnverkehr und ersetzen mit Feinstaub und NOx und CO2 reichem Busbetrieb. Das ist ja ein prächtiger Beitrag für die Energiestrategie. Bravo Politiker. P.S. Wer Ironie findet , darf sie behalten.

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  • Jürg am 23.03.2017 16:25 Report Diesen Beitrag melden

    Stirbt auch die IC Umleitung ?

    Bis dahin wurde der Scheiteltunnel als mögliche Umleitungslinie im Ereignisfall des Basistunnels (letztmals Febr./März 2017, je 2 Wochenenden) betrieben. Die Läufelfingerlinie ist optimal von der SBB in Stand gehalten und kann ohne unnötigen Einschränkungen durchfahren werden!

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  • Claudio Ferrari am 23.03.2017 17:24 Report Diesen Beitrag melden

    Selber fahren

    Seit der liberalisierung der Bahnen, kann jeder der eine Lokomotive und den Fahrausweis hat, auf den Geleisen der SBB fahren. Da sollten die Gemeinden einen kleinen Occasionstriebwagen kaufen und selber einen Lokomotivführer anstellen. Es erstaunt mich sowieso, dass das nicht mehr passiert in Regionen abseits der Hauptstrecken.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tessa am 27.03.2017 17:40 Report Diesen Beitrag melden

    Enttäuschend

    Läufelfingerli abschaffen, super Idee. (Ja. Sarkasmus.) Sollen doch bitte alle die, die das so finden versuchen eine Woche lang aus diesem Tal herauszukommen, ohne Auto, pünktlich und ohne Zeiteinbusse. Würde gerne mal sehen wie lange es geht bis es denen reicht. Es ist jetzt schon schwer genug eine Verbindung zu finden bei der man nicht lange herumsteht oder ewigs unterwegs ist.

  • Pilot am 25.03.2017 14:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stuhldrücker liestal

    Bin aus Diepflingen und finde es unglaublich was unsere möchtegerne Regierung hier abziehen will. Alles solche die nicht in diesem Tal leben aber grosse Reden schwingen wegen Sparen wo den ??? Diese Rechnung geht nicht auf das angeblich busbetrieb günstiger sein soll als Bahn . Sorry möchte mal wissen von wem diese Rechnung entstand? Würde ihm in den Kopf sagen das er keine Ahnung hat.

  • Ottokar Rex am 25.03.2017 06:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr schade und unlogisch

    Irre:E s ist eine passende Bahninfrastruktur vorhanden. Diese aber soll "stillgelegt" werden, dafür werden die Passagiere auf die Strasse und den Bus geschickt! Wie verträgt sich das mit der Devise, möglichst viel Verkehr auf der Schiene zu transportieren? Oder gilt das nur am Gotthard?

  • Christoph Krimbacher am 24.03.2017 23:22 Report Diesen Beitrag melden

    Warum muss alles Gute zerstört werden?

    Zum todgeredeten Läufelfingerli: In Frankreich wären die Leute noch froh wenn sie die eingestellten Bahnverbindungen noch hätten. Ich denke, hier bräuchten wir eine Abstimmung im Kanton Basellandschaft. Ist es denn so, dass im Jahr 2017 nur noch die in Gross-Städten lebende Menschen Anrecht auf eine Eisenbahn haben? Warum muss alles Gute zerstört werden? Die Bahn, die Post, die Krankenkasse, die Pensionskasse, die AHV ...

  • Eduard J. Belser am 24.03.2017 07:42 Report Diesen Beitrag melden

    Patient ist die Baselbieter Regierung!

    Der Patient ist nicht das Läufelfingerli! Das wird von den SBB optimal unterhalten und mit dem für diese Linie geeignetsten, wirtschaftlichsten, modernem, leisennund energieeffizienten Rollmaterial betrieben. Der wahre Patient ist die dumme öV-feindliche Baselbieter Regierung. Diese müsste ausgewechselt werden, weil sie nicht therapierbar ist. Aber jedes «Volch» hat die Regierung, die es sich in den Wahlen selbst verdient hat.

    • Paddy Müller am 24.03.2017 22:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Eduard J. Belser

      Seit wann sind die dort häufig eingesetzten alten Schrottzüge modern, leise und leicht?

    • Eduard J. Belser am 27.03.2017 12:50 Report Diesen Beitrag melden

      Noch nie Schrottzüge angetroffen

      Ich sehe das Läufelfingerli oft in Olten am Gleis 1 stehen und benutze es auch hie und da selbst. Dabei habe ich bisher immer nur die modernen. GTW-Züge von StadlerRail angetroffen, aber noch nie alte Schrottzüge.

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