600 Kilo Kokain

12. November 2019 12:53; Akt: 12.11.2019 12:53 Print

Pilot von Drogen-Jet will von nichts gewusst haben

In einer Basler Tiefgarage flog der montenegrinische Drogenbaron Michel Dokovic auf. Das Bundesstrafgericht hat nun seiner Auslieferung nach Kroatien zugestimmt.

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Am 16. Mai schnappte die Falle in der Tiefgarage des Basler Grand Casinos zu. Ermittler umstellten zwei Mietfahrzeuge, nachdem sie kurzfristig einen Tipp der kroatischen Behörden bekamen. Spät am Abend habe man auf die Informationen reagieren müssen, erklärte Thomas Dayer, der Sprecher der Bundespolizei Fedpol gegenüber dem «Tages-Anzeiger».

Die Überraschung des Abends war, dass neben 600 Kilogramm Kokain, die in einem gemieteten Ford Transit verstaut waren, auch Michel Dokovic, der Big Boss vor Ort war. «Im Prinzip machen sich diese hohen Tiere nie die Hände schmutzig. Ihn zu verhaften, war nicht geplant, es war eine ziemlich einzigartige Gelegenheit», kommentiert ein involvierter Polizist die Verhaftung gegenüber der Zeitung.

Die Verhaftung des 60-jährigen Montenegriners war nicht geplant. Sehr wohl aber die Sicherstellung des Kokains. Die Lieferung wurde nämlich überwacht. Die französischen Behörden wussten von der Ankunft des Privatjets mit der verbotenen Fracht auf dem Euro-Airport Basel-Mülhausen. «Die Lieferung wurde überwacht. Nach der Landung liessen wir das Produkt auf die Basler Seite gelangen», erklärte Colonel François Després von der französischen Gendarmerie dem «Tages-Anzeiger».

Bundestrafgericht stimmt Auslieferung zu

Dokovich und seine Komplizen sitzen seither in Basel in Untersunchungshaft. Nun können sie voraussichtlich nach Kroatien überstellt werden. Das Bundesstrafgericht hat Ende Oktober in nun publizierten Urteilen die Auslieferung von Dokovich und seinem Piloten gutgeheissen.

Die Urteile sind aufschlussreich. Der Pilot bestreitet nämlich, von den kriminellen Machenschaften überhaupt gewusst zu haben. Er sei vollends aussagebereit und kooperationswillig, sagte er den Behörden. Deshalb dürfe er auch nicht ausgeliefert werden. Er riskiere deshalb in Kroatien akut an Leib und Leben gefährdet zu sein. Er verweist weiter darauf, dass die Justiz in Kroatien nicht frei von Korruption sei, was sogar Staatspräsidentin Kolinda Grabar Kitarovic in einem Interview bezeugt habe.

Businessjet als Kokain-Kurier

Dabei flog der Pilot mehrfach unter dem Vorwand kommerzieller Passagierflüge nach Südamerika. Der Businessjet, eine Gulfstream V mit der Kennung M-FISH, war auf die Gesellschaft MD Global Jet zugelassen, hinter der Dokovic stand. Dort wurde das Kokain eingeladen und nach Europa geflogen. Laut der Recherche des «Tages-Anzeigers» landete die Maschine seit 2016 über ein Dutzend Mal auf Schweizer Boden.

Am 3. März 2019 platzte aber ein Transport wegen einer Kontrolle am Flughafen von Aunción in Paraguay, wie aus den Gerichtsakten hervorgeht. Daraufhin wurde ein neuer Flug im Mai geplant. Diesmal schnappte die Falle ganz zu. Der Rückflug der Maschine aus Uruguay am 16. Mai war ebenfalls auf dem Zettel der Behörden.

Drogenbaron hat Blasenkrebs

Derweil versuchte Dokovic «akute gesundheitliche Probleme» geltend zu machen, um seine Auslieferung zu verhindern. Demnach leide er an Blasenkrebs und müsse therapiert werden. Das Bundesstrafgericht sieht seine medizinische Versorgung aber auch in Kroatien nicht als gefährdet an. Zudem macht er geltend, dass er in Kroatien kein faires Verfahren bekäme. «Auf medialer Ebene werde ein ungeheurer Druck aufgebaut, dass er mit der Höchststrafe verurteilt werden müsse», heisst es in seiner Beschwerde.


So berichtete Europol über den internationel koordinierten Schlag gegen das Kartell. (Video: Europol)

(lha)