Baklava-Bäcker vor Gericht

19. September 2014 05:48; Akt: 19.09.2014 16:17 Print

Pistolen-Defekt verhinderte weitere Morde

von Samuel Hufschmid - Ein 31-jähriger Türke schoss 2012 in Anwesenheit seines einjährigen Kindes auf die Familie seiner Frau und tötete den Schwiegervater. Am Montag steht er wegen Mord vor Gericht.

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Mehrere unerlaubte Einreisen – teils mit gefälschten Unterlagen – eine illegal gekaufte 9mm-Pistole mit 200 Patronen, die Flucht seiner Ehefrau ins Frauenhaus sowie ein gerichtlich verfügtes Annäherungsverbot gingen der Bluttat voraus, die sich am 9. Dezember 2012 im Basler Kannenfeldquartier ereignete.

Dass nur eine Person ums Leben kam, als der heute 31-Jährige in der Wohnung an der Felsplattenstrasse auf seine Frau und deren Schwiegereltern schoss, ist laut Anklageschrift einzig auf eine Funktionsstörung der Pistole zurückzuführen.

Tat angekündigt

In seinem beruflichen Umfeld soll der laut Anklageschrift, die auf Mord plädiert, «in der Region bekannte Baklava-Bäcker» seine Bluttat mit den Worten «Ich werde sie mit einer Pistole durchlöchern» angekündigt haben.

Entsprechend führte er eine voll geladene Pistole sowie weitere 35 Patronen mit sich, als er am 9. Dezember 2012 seine Ehefrau und das gemeinsame Kind besuchte. Nachdem er die Tochter und deren Urgrossmutter ins Schlafzimmer gelockt hat, eröffnete er laut Anklageschrift im Wohnzimmer das Feuer, zunächst auf seine Ehefrau, dann auch auf deren Eltern. Dabei wurde sein Schwiegervater tödlich getroffen.

Hatte er einen Fluchtplan?

Nachdem er acht Schüsse abgegeben hatte, versagte offenbar die Pistole. Er drückte mindestens noch siebenmal leer ab, bevor er die Wohnung verliess. Kurz darauf soll er zurückgekehrt sein, um nochmals auf die bereits angeschossenen Personen zu schiessen, was ihm aber wegen des Defekts an der Schusswaffe erneut nicht gelang.

Daraufhin verliess er die Wohnung und telefonierte mit einem Bekannten, der ihn vermutlich zum Flughafen hätte fahren sollen, was allerdings nicht geschah. Als die Polizei eintraf, sass er auf einer Mauer unweit des Tatorts und liess sich widerstandslos festnehmen. Das Gerichtsverfahren dauert fünf Tage.