Privatschule vor Pleite

18. Februar 2020 20:41; Akt: 18.02.2020 20:41 Print

«Plötzlich waren alle Lehrer weg»

Mehrere Privatschulen der Firma Lebensart003 GmbH stehen vor dem Ruin. Was mit den betroffenen Schülern passiert, ist noch unklar.

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«Dialog ist der Schlüssel zu Frieden», steht auf der Webseite der Schulen der GmbH Lebensart003. Doch momentan herrscht an mindestens drei der Baselbieter Privatschulen alles andere als Frieden, wie 20 Minuten weiss.

Am Montag wurden die Eltern der alternativen Gallenacher-Privatschulen mit mehreren Standorten in der Region Basel per Mail darüber informiert, dass die Schule grosse finanzielle Schwierigkeiten hat, wie die Mutter eines 15-jährigen Schülers berichtet. Dem Schreiben ist zu entnehmen, dass die GmbH wegen Zahlungsunfähigkeit wohl bald Insolvenz anmelden müsse. Die Kommunikation von Seiten der Schule sei dürftig, so die betroffene Mutter, deren Sohn die Oberstufe der Schule in Liestal besucht.

«Momentan ist alles so undurchsichtig, niemand informiert uns richtig», so die besorgte Mutter. Was mit den Schülern passieren soll, könne niemand beantworten.

Verzweifelte Kinder, überforderter Lehrer

Klar sei, dass die Schüler zurzeit nur noch morgens unterrichtet würden – und dies nicht von den vertrauten Lehrern, sondern von einem einzigen Aushilfslehrer, erzählt die betroffene Mutter: «Zuerst hiess es der Schulleiter fällt aus, dann hat eine Lehrerin eine neue Stelle angenommen und plötzlich waren alle Lehrer weg.»

Ihr Sohn könne mit der Ausnahmesituation umgehen, aber: «Andere Kinder schwimmen regelrecht und verzweifeln», so die Frau. Der Aushilfslehrer sei «logischerweise ziemlich überfordert».

Eltern sollen Spenden sammeln

«Die Eltern bedauern die momentane Situation der Schule», weiss die Mutter. Einige würden zu Spenden aufrufen, um die Finanzlücke der Schule zu stopfen. Es gebe aber auch solche, die sich über die Spendenaktion ärgern.

Die Schulgelder haben 1200 Franken monatlich betragen, einige Eltern zahlten die Beträge für mehrere Monate im Voraus. «In den Gebühren, die wir für die Schule bezahlt haben, ist eigentlich auch der Preis für das Mittagessen in der Mensa inbegriffen», erzählt die Mutter. Doch jetzt seien die Eltern trotzdem aufgefordert worden, ihren Kindern täglich Geld für die Kantine mitzugeben.

Die aus Eltern bestehende Task-Force der Schule schreibt auf Anfrage von 20 Minuten: «Wir können keine Aussage über eine allfällige Rückerstattung von im voraus bezahlten Schulgeldern machen.»

«Beschulung sichergestellt»

Michael Hartmann, Geschäftsführer bei der Lebensart003 GmbH, die die Schule betreibt, schreibt auf Anfrage von 20 Minuten: «Zur Zeit finden zum Thema Gallenacher Schule Pratteln zielführende Gespräche statt. Die Geschäftsleitung bittet um Geduld und macht darauf aufmerksam, dass Ende Februar konkrete Angaben gemacht werden.»

Die Basellandschaftliche Bildungsdirektion äussert sich auf Anfrage folgendermassen: «Das Amt für Volksschulen (AVS) erhielt letzte Woche Hinweise darauf, dass es Unregelmässigkeiten im Betrieb der Gallenacherschule geben solle. In der Folge wurde sofort Kontakt mit der Schulleitung aufgenommen und ein ausserordentliches Aufsichtsgespräch angesetzt.»

Die Situation der Schule sei jedoch noch nicht abschliessend geklärt und weitere Fakten würden zur Zeit gesammelt. Bis dahin könne man sich nicht zu Einzelheiten äussern, würde aber informieren, sobald ein Entscheid vorliege. Die Beschulung der Kinder, welche die Privatschule besuchen, könne aber in jedem Fall sichergestellt werden.

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(mhu)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • René S. am 18.02.2020 21:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gibt schlimmeres

    wahr wohl das Führungsmanagment von HSG'ler besetzt ? Naja wer sich Privatschule leisten kann findet auch in anderen Privatschulen einen Platz für sein Kind, Geld öffnet nicht nur 1 Türe ;)

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  • WednesdayAddams am 18.02.2020 21:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oldschool

    Wenn ich die Kinder im schulalter in der Öffentlichkeit sehe, dann würde ich mich auch auf und davon machen.

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  • Betroffene Mutter am 18.02.2020 21:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    richtig hinterfragen

    Helfen diese falschen Aussagen all diesen Kinder, die in dieser tollen Schule einen Platz sowie Hilfe bekommen haben? Die letzte Hoffnung für viele Kinder und Eltern, da die Volksschule Bl keine Lösung für sie hatte! Lieber richtig Situationen hinterfragen, ansonsten solche Mitteilungen sein lassen! Bringt ja nichts!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jetzterstrecht am 19.02.2020 21:58 Report Diesen Beitrag melden

    So nicht!

    Die "Gallenacher"-Privatschule ist konkurs, die Nachfolgerin steht schon in den Startlöchern, aber vorausbezahltes Schulgeld ist nicht rückforderbar.

  • Urs Martin am 19.02.2020 20:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Jetzt noch Schadenfreude zu zeigen, nachdem eine tolle Idee geschlossen wird, zeugt weder von Sozialkompetenz noch von Anstand! Aber vielleicht wurde das in der Schulzeit eben zuwenig gewichtet. Schade!

  • Urs Martin am 19.02.2020 20:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Generationenwechsel bei Lernmethoden

    Das Konzept von D.Bitterli war und ist nach wie vor visionär; die Kinder und Jugendlichen von heute haben ganz andere Hirnstrukturen, das weiss man auch aufgrund von Hirnforschungen, welch zB in Genf durchgeführt werden. In Zukunft werden somit auch andere Lernweisen nötig sein! Frontalunterricht ist nicht für alle das Richtige. Individuelles Lernen, Mitbestimmung, Freude am Erarbeiteten, Bewegung, soziale Kompetenz werden an diesen Schulen anders gewichtet. Irgendwann werden dies auch die Kantone zur Kenntnis nehmen müssen und solche Schulen unterstützen, damit alle die Chance haben.

  • Tina am 19.02.2020 20:24 Report Diesen Beitrag melden

    Gallenacherschule offiziell pleite.

    Nun ist es offiziell: Die Gallenacherschule ist pleite, und das vorausbezahlte Schulgeld ist weg.

  • Freiburgerin am 19.02.2020 17:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Privatschulen sind nötig!

    Viele Leute die hier kommentieren kennen sie Hintergründe nicht, was jemanden bewegt, sein Kind eine Privatschule zu schicken.. Niemand bezahlt freiwillig um die 2000 CHF im Monat, wenn das nicht nötig wäre. Ein Kind in einer Privatschule hat meist ein langer Leidensdruck hinter sich. Betreuungschschlüssel und Lernmethoden sind an Privatschulen besser. Die Methodik an öffentlichen Schulen ist sehr veraltet, das ist inzwischen bekannt. Viele anderen Länder haben das schon Veränderungen gemacht. In der Schweiz dauert aber leider jede Veränderung unglaublich lange.