Strafgericht BS

14. August 2019 04:51; Akt: 14.08.2019 06:46 Print

Kunde Messer in den Rücken gerammt

Ein Cannabis-Dealer hielt einen Kunden für einen Einbrecher und attackiert ihn laut Anklage mit einem Messer. Jetzt muss sich der 30-Jährige wegen vorsätzlicher versuchter Tötung verantworten.

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Vor dem Basler Strafgericht muss sich ab Donnerstag ein heute 30-Jähriger wegen versuchter vorsätzlicher Tötung verantworten. Der Deutsche brasilianischer Herkunft war zuvor schon als Hanfkurier polizeilich aufgefallen.

Am Abend des 25. September 2018 gegen 23 Uhr bemerkte der Beschuldigte, dass sich im Gang vor seiner Wohnung mindestens zwei Personen, die er nicht kannte, befanden. Überzeugt davon, dass die Unbekannten einen Einbruch bei ihm planten, bewaffnete er sich mit einem Küchenmesser und einem Pfefferspray. Was er nicht wusste: Die Unbekannten waren in der Liegenschaft, weil sie gemäss Anklageschrift Drogen kaufen wollten.

Der Beschuldigte folgte den beiden vermeintlichen Einbrechern ins Untergeschoss seines Wohnblockes, wo sie über einen Durchgang das Gebäude verliessen. Der 30-Jährige attackierte einen der beiden von hinten mit Pfefferspray und rang ihn zu Boden. Dann stach er «mehrmals mit der 18 cm langen Klinge seines Messers in Tötungsabsicht in den Rücken», wie es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft heisst.

Blutverschmiertes Messer hinter der Parkbank

Als der Verletzte flüchten wollte, verfolgte ihn der Beschuldigte und stach weiterhin auf ihn ein. Plötzlich dämmerte es dem Angeklagten, dass sein Opfer ja nicht alleine unterwegs war. Er erblickte den vermeintlichen Komplizen und will eine Waffe bei ihm gesehen haben. Da liess er von seinem Opfer ab und ergriff selbst die Flucht. «Das blutverschmierte Tatmesser warf er hinter eine Parkbank», so die Anklage. Ein Passant hatte da bereits die Polizei alarmiert.

Der Verletzte konnte fliehen und begab sich an seinen Wohnort nach Lörrach, wo er von seiner Ehefrau ins Spital gebracht und notoperiert werden musste. Der Tatverdächtige wurde noch am gleichen Abend verhaftet.

Cannabis mit Rückgabe-Garantie

Der Beschuldigte war spätestens seit Sommer 2016 als Cannabis-Kurier tätig. Als Barkeeper im Stundenlohn in einer populären Basler Bar fand er kein existenzsicherndes Auskommen, weshalb er in den wesentlich lukrativeren Marihuana-Handel einstieg.

An seine Abnehmer verschickte er regelmässig Werbe-SMS: «Hallo liebe Kunden. Bin wieder unterwegs zwischen 14 und 21 Uhr. Schweizer Indoor – Topqualität mit Garantie und Rückgaberecht. Würde mich auf einen Anruf freuen. LG, Dino», schrieb er unter seinem Dealer-Pseudonym.

Bis zum Zeitpunkt seiner Verhaftung konnte ihm die Staatsanwaltschaft den Verkauf mehrerer Kilogramm Marihuana nachweisen. Dadurch habe er einen Gewinn von weit über 10'000 Franken erzielt.

Staatsanwaltschaft fordert mindestens fünf Jahre

Auch kurz vor seiner Verhaftung wegen des Messerangriffs bekam «Dino» eine grössere Lieferung von 4,5 Kilogramm Marihuana, die er in seiner Wohnung aufbewahrte. Im Rahmen der Hausdurchsuchung im Zusammenhang mit der Tat stellte die Polizei das Gras sicher. Deshalb wird er nebst der versuchten vorsätzlichen Tötung auch wegen gewerbsmässigem Verstoss gegen das Betäubungsmittelgesetz angeklagt.

Die Staatsanwaltschaft wird dafür eine Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren fordern, weshalb der Fall von der Kammer des Basler Strafgerichts beurteilt wird. Das Urteil wird voraussichtlich am Freitag eröffnet.

(kom)