Terror-Training

09. November 2019 19:29; Akt: 10.11.2019 09:45 Print

Polizei bereitet sich auf den «Lone Wolf» vor

Im Rahmen einer Übung trainierte die Basler Kantonspolizei das Szenario eines Selbstmordattentats. Wie akut ist die Gefahr einer solchen Tat in der Schweiz?

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Angehörige der Basler Kantonspolizei trainierten im Rahmen einer Übung des Kantonalen Krisenkommandos im August das Szenario «Lone Wolf». «Die Polizei sah sich mit einem sehr belastenden Szenario konfrontiert: Es gab viele Tote, verletzte und traumatisierte Menschen in der Gefahrenzone», heisst es im Übungszenario der Polizei. Die Szenarien seien bewusst «gross» gewählt, damit viele Beteiligte des Schadenplatzkommandos trainiert werden könnten und die Organisation über die normalen Alltagsstrukturen gefordert werde, erklärt Polizeisprecher Toprak Yerguz. Der Nachrichtendiens des Bundes geht zurzeit von einer erhöhten Terrorbedrohung in der Schweiz aus. Dies, weil die Schweiz zur westlichen, von Dschihadisten als islamfeindlich eingestuften Welt gehört. In den Nachbarländern kam es aber schon mehrfach zu solchen Anschlägen. In Strassburg (F) tötete der islamistisch motivierte Attentäter Chérif F. am 11. Dezember 2018 einen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt. Dabei wurden fünf Menschen getötet und elf zum Teil schwer Verletzt. Der Attentäter Chérif F. wurde zwei Tage nach der Tat von der Polizei erschossen. In Halle (D) hatte der 27-jährige Rechtsextremist Stephan B. am 9. Oktober 2 Menschen auf offener Strasse erschossen. Zunächst wollte er in die Synagoge eindringen, um Juden zu töten. Dies scheiterte aber. Der Nachrichtendiens des Bundes (NDB) warnt neben islamistisch motivierden Attentätern denn auch vor Anschlägen durch gewalttätige Rechtsextreme gegen Muslime und jüdische Bürger.

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«Bei der Polizei Einsatzentrale gingen mehrere Notrufe über Schüsse ein. Es gebe Tote und Verletzte ...», heisst es im fiktiven Übungssenario der Kantonalen Krisenorganisation Basel-Stadt. Im August trainierten rund hundert Einsatzkräfte den Ernstfall: ein Anschlag eines sogenannten Lone Wolf auf ein öffentliches Amt in Basel.

Nach dem Eintreffen der ersten Polizeikräfte hatte sich der Attentäter bereits in die Luft gesprengt. «Die Polizei sah sich mit einem sehr belastenden Szenario konfrontiert: Es gab viele Tote, verletzte und traumatisierte Menschen in der Gefahrenzone», heisst es im Übungsbericht, der in der aktuellen Ausgabe der Mitarbeiterzeitschfrift der Basler Kantonspolizei erschienen ist.

Aus welchem Anlass aber üben die Polizei und ihr angeschlossene Krisenorganisationen das Szenario eines Terroranschlags? Wie real ist die Gefahr eines solchen Ereignisses, das in der Schweiz noch nie eingetroffen ist?

Einzeltäter am Wahrscheinlichsten

Der Nachrichtendienst des Bundes geht zurzeit von einer erhöhten Terrorbedrohung in der Schweiz aus. Dies, weil die Schweiz zur westlichen, von Jihadisten als islamfeindlich eingestuften Welt gehört. Sie werde also hauptsächlich durch jihadistische Akteure geprägt, allen voran seien Anhänger des «Islamischen Staats». Der NDB warnt aber auch vor Anschlägen durch gewalttätige Rechtsextreme gegen Muslime und jüdische Bürger. Als Täter kämen vor allem radikalisierte Personen infrage, die als Einzeltäter handeln und deswegen auch «Lone Wolf» genannt werden.

Ziele der Attentäter seien vor allem sogenannte weiche Ziele wie Menschenansammlungen oder Verkehrseinrichtungen, dies sei momentan die wahrscheinlichste Bedrohung für die Schweiz. Trotzdem stehen momentan aber andere Länder im Vordergrund, weil die Schweiz im Vergleich zu ihnen weniger exponiert ist.

In den Nachbarländern kam es aber schon mehrfach zu solchen Anschlägen. In Strassburg (F) tötete der islamistisch motivierte Attentäter Chérif F. im Dezember 2018 am Weihnachtsmarkt fünf Menschen und verletzte elf weiter zum Teil schwer. In Halle (D) tötete der Rechtsextremist Stephan B. am 9. Oktober dieses Jahres zwei Menschen nach einem misslungenen Attentat auf die Synagoge.

Nicht in falscher Sicherheit wiegen

Auch Baschi Dürr, Vorsteher des Basler Justiz- und Sicherheitsdepartements, hat sich unlängst als Vizepräsident der schweizerischen Polizeidirektoren in der «Aargauer Zeitung» zu diesem Thema geäussert und bestätigte auch, dass in der Schweiz nach wie vor das Risiko auf einen Anschlag bestehe.

Man solle sich aber bewusst sein: «Wenn nie etwas geschieht, heisst das noch lange nicht, dass die Sicherheitsbehörden alles richtig gemacht haben. Umgekehrt bedeutet ein Anschlag auch nicht automatisch, die Sicherheitsbehörden hätten auf jeden Fall versagt», wird Dürr zitiert. Man dürfe nicht dem Irrglauben verfallen, was in anderen Ländern passiert sei, könne bei uns nicht geschehen, auch wenn das Risiko bei uns im Vergleich mit den grossen Nachbarländern wohl etwas kleiner sei.

(mhu)