Böckten BL

24. Februar 2015 08:44; Akt: 25.02.2015 16:07 Print

Polizisten-Paar betrieb Indoor-Hanfanlage

90 Hanfpflanzen haben zwei Polizisten aus dem Baselbiet in ihrer Wohnung gezüchtet – bis sie von einem Lieferanten verpfiffen wurden. Die Nachbarn waren ahnungslos.

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In diesem Haus im beschaulichen Böckten züchtete das Polizisten-Ehepaar Cannabis. Daneben waren die beiden auch als Hobby-Bierbrauer tätig. (Bild: 20 Minuten/Matthias Kempf)

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Die Baselbieter Polizei hat am vergangenen Freitag in Böckten BL eine Hanf-Indoor-Anlage ausgehoben. Brisant: Bei den Züchtern handelt es sich um ein verheiratetes Polizistenpaar. Bei der Hausdurchsuchung fand die Polizei 90 Cannabispflanzen. Je nach Qualität und THC-Gehalt hätten diese pro Ernte bis zu 100'000 Franken eingebracht. Nun sitzen beide in Untersuchungshaft.

Die beiden Eheleute im Alter zwischen 40 und 45 Jahren waren in den Korps Basel-Stadt und Baselland tätig. Der Mann wurde in der Wohnung in Böckten festgenommen. Die Ehefrau wurde am selben Tag an ihrem Arbeitsplatz von Kollegen verhaftet und abgeführt.

In der Nachbarschaft als Bierbrauer bekannt

Die Nachbarschaft des Polizisten-Ehepaars in Böckten war ahnungslos. Es sei ihnen nicht einmal bewusst gewesen, dass es sich um Polizisten handelte, sagt eine Anwohnerin. Dass sie eine Cannabis-Zucht betrieben, findet sie aber nicht so schlimm. «Es ist ja nur Grashandel und nichts Gewalttätiges.» Eine andere Familie kannte das Ehepaar nur flüchtig. Sie seien nette, aufgestellte Leute gewesen, heisst es. «Sie haben auch Bier gebraut, das sie an Freunde verteilten», erzählt die Nachbarin. Vom illegalen Treiben der beiden will aber niemand Notiz genommen haben. Man habe nichts gerochen, heisst es unisono in der Nachbarschaft.

Dealer gab Polizei einen Tipp

In beiden Korps ist man überrascht. «Nie hätte ich geglaubt, dass sie sich zu einem solchen Blödsinn hinreissen lassen», sagte ein Arbeitskollege zur «Basler Zeitung». Es seien redliche Mitarbeiter gewesen. Trotzdem erscheinen gewisse Aussagen, die das Paar im Vorfeld gemacht hatte, plötzlich in einem anderen Licht: «Tatsächlich erzählten sie oft, sie wollten das schnelle Geld machen und früh in Pension gehen.» Doch der Plan ging nicht auf. Ein Hanfdealer, den die Polizei zuvor in Gewahrsam genommen hatte, gab den Beamten im Verhör einen Tipp. Der Mann hatte dem Paar Lampen und Produktionsanlagen für ihre Hanfzucht verkauft.

Beim Polizeibeamtenverband Basel-Stadt hat man von der Verhaftung der Kollegin mit «Erstaunen» Kenntnis genommen. Schwarze Schafe gäbe es in jeder Firma, sagt Co-Präsident Heinz Salvisberg. An einen vergleichbaren Fall kann er sich aber nicht erinnern. «Der Fall ist einmalig, das gab schon Gesprächsstoff», sagt er.

Untersuchung eingeleitet

Der Traum vom schnellen Geld ist jedoch ausgeträumt. Die Baselbieter Staatsanwaltschaft hat mittlerweile eine Untersuchung wegen des Verdachts des Verstosses gegen das Betäubungsmittelgesetz eingeleitet. Dass Polizisten besonderen Sorgfaltspflichten unterliegen und sie eine Vertrauensstellung einnehmen, dürfte das Urteil beeinflussen.

Die Kantonspolizeien beider Basel äussern sich nur sehr zurückhaltend zum Fall. Man habe davon Kenntnis genommen. «Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes und des Amtsgeheimnisses können wir keine weiteren Angaben machen», teilt der Basler Polizeisprecher Martin Schütz auf Anfrage von 20 Minuten mit.

(vro/mk/lha)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • tim mit am 24.02.2015 08:50 Report Diesen Beitrag melden

    falsche rechnung

    dass ich nicht lache, 100'000fr pro ernte bei 90 pflänzchen ist ja wohl etwas übertrieben. da kann man froh sein wenn 20'000 zusammenkommen.

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  • LegalizeIt am 24.02.2015 08:55 Report Diesen Beitrag melden

    Kriminalisierung von normalen Leuten

    Absolut lächerlich was in diesem Land passiert. Ich rauche auch so 1-2 mal im Monat einen Joint und bin trotzdem ein produktiver Teil der schweizer Wirtschaft und schon gar keine Gefahr für unsere Gesellschaft (so wie dieses Ehepaar auch nicht). Legalisiert Hanf endlich und beendet diesen Irrsinn!

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  • anonym am 24.02.2015 08:50 Report Diesen Beitrag melden

    legalize it

    Verstehe nicht wieso die plötzlich so überrascht tun, Polizisten kiffen oder konsumieren weisses Zeugs durch die Nase genau so wie nicht Polizisten.. Legalisiert es endlich!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • David Krejci am 25.02.2015 15:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Und bei wem soll ich nun in Zukunft mein Gras kaufen? Die Beiden hatten super Qualität zu einem fairen Preis, eben ehrliche Polizisten mit einem für beide Seiten lukrativen Nebenjob. Das gibts nicht an jeder Strassenecke!

  • Peter Erni am 25.02.2015 10:07 Report Diesen Beitrag melden

    unglaublich

    Wie kann man da noch verlangen das man auch nur noch ein bisschen Respekt vor der Polizei hat?

    • Müller am 25.02.2015 22:30 Report Diesen Beitrag melden

      keine Sterotypen

      In jeder Berufsgattung gibe es, leider, "schwarze Schafe". Man kann nicht alle in den gleichen Topf werfen! Denn z.B. ein Maurer der auch Einbrecher ist, sind dann auch nicht alle Maurer gleich Einbrecher!

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  • Alex Rohrer am 24.02.2015 22:48 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte keine Märchen

    Wer verzapft eigentlich den Blödsinn dass 90 müde Pflänzchen pro Ernte 100 tausend Franken einbringen!? Wenn es super läuft und alles klappt gibt das vielleicht 20% davon. Und das ist ja wohl ein Unterschied! Bitte keine Märchen erzählen und seriös recherchieren.

  • weed for the police am 24.02.2015 19:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    legalize it

    Natürlich ist es nicht korrekt was die polizisten getan haben, da die menge ja ganz klar nicht für den eigengebrauch war. ich finde es sollte legalisiert werden damit es kontrolliert verkauft werden kann ind der jugendschutz gewährleistet ist..momentan kann ja jeder 14 jährige gras kaufen. Zudem sollten ein die Gesetze im Strassenverkehr angepasst werden..i will nicht immer angst haben meinen ausweis zu verlieren nir weil ich am abend zuvor einen geraucht hab

  • Eltern gegen Cannabis am 24.02.2015 18:53 Report Diesen Beitrag melden

    @Weiterer Polizist

    Endlich jemand, der es begriffen hat! Bei einer Legalisierung für Erwachsene wird die Anzahl der jungen Kiffer viel grösser! Ein Jugendschutz ist nur über ein totales Verbot von Cannabis möglich. Und das Verbot muss endlich rigoros durchgesetzt werden! Bei Alkohol ist es im Vergleich zu Cannabis aber genau umgekehrt. Dort ist Jugendschutz nur möglich, wenn der Alkohol möglichst frei verfügbar ist und auch Kinder legal trinken können - so lernen sie den Umgang schon früh. Deshalb NEIN zur schleichenden Cannabislegalisierung und JA zum bewährt verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol!

    • San Cap am 25.02.2015 14:02 Report Diesen Beitrag melden

      Ich musste laut lachen

      Jugendschutz ist bei Alkohol nur möglich wenn es legal ist und bei Cannabis nur wenn es illegal ist? Überlegen Sie eigentlich auch etwas bevor sie etwas rauslassen? Ich bin jetzt 30, habe mit 15 angefangen zu kiffen und trinken und war auch nicht der einzige und auch keine Minderheit. Damals war das Gesetz noch strenger. Jetzt versuche ich es mal mit meiner blöden Aussage: Da ich selbst bezeugen kann, dass der Jugendschutz nicht funktioniert, müssen wir es mal umgekehrt versuchen. Alkohol soll illegal werden und Cannabis soll legal werden. Es grüsst der Wink mit dem Zaunpfahl.

    • s'Pony Tortoluzzi am 25.02.2015 19:26 Report Diesen Beitrag melden

      @San Cap

      NEIN! Cannabis darf gerade wegen dem Jugendschutz auf keinen Fall legalisiert werden. Der wäre dann nämlich völlig unmöglich durchzusetzen und es wäre ein völlig falsches Signal, wenn man erwachsene Bürger nicht mehr länger bevormunden würde. Bei Alkohol wäre ein Verbot extremst kontraproduktiv. Wir können doch nicht einfach so von einem Tag auf den anderen die knappe Million süchtigen Trinker in der Schweiz kriminalisieren oder trocken legen. Das wäre denen gegenüber unfair. Deshalb muss Alkohol überall rund um die Uhr zu Billigpreisen erhältlich sein!

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