Bistum Basel

21. Juli 2018 08:54; Akt: 21.07.2018 08:54 Print

Priester soll Freundin als Haushaltshilfe deklarieren

Kilian Karrer und Natascha Imark arbeiten beide bei der katholischen Kirche – und haben sich verliebt. Jetzt stehen die beiden vor beruflichen Schwierigkeiten.

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Kilian Karrar (51) hat sich vor zwei Jahren in Natascha Imark verliebt. Doch das Paar musste seine Gefühle verstecken: Karrer war damals Mönch und Priester im Kloster Mariastein, Imark war zu der Zeit Sakristanin der katholischen Kirche von Witterswil SO.

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Soll der Zölibat abgeschafft werden?

Anfang dieses Jahres wollten die beiden ihre Liebe nicht mehr im Geheimen leben. Als sie ihr Umfeld einweihten, kam jedoch ein unmoralisches Angebot: Einige Würdenträger legten Karrer nahe, ein Amt als Priester zu übernehmen und seine Frau dabei als Haushaltsgehilfin des Pfarrhauses zu deklarieren, wie die «Schweiz am Wochenende».


«Die Böse», «die Verführerin»

Doch die beiden entschieden sich für ihre Liebe und traten aus der katholischen Kirche aus. «Ich fühlte mich schuldig. Ich wurde als die Böse, die Verführerin, stigmatisiert», sagt Imark zur Zeitung Vor einem Monat heirateten sie an einem reformierten Gottesdienst. Karrer will künftig als reformierter Pfarrer arbeiten. Dafür muss er aber erst eine theologische Ausbildung absolvieren. Derzeit arbeitet Karrer als Teilzeitmitarbeiter einer Produktionsfirma.

Und auch Imark steht vor einer beruflichen Baustelle. Sie wurde aus ihrem Amt suspendiert. Zurecht findet Markus Thürig, die Nummer zwei des Bistums Basel: Der Konfessionswechsel sei als Protest verstanden worden. «Ich finde es klug, wenn die Anstellungsbehörde da Distanz schafft.»

Ähnlicher Fall in Brigels

Anfang Woche hat ein ähnlicher Fall in Brigels für Aufsehen gesorgt. Priester Marcel Köhle gab in einem Gottesdienst bekannt, dass er sich in eine Frau verliebt habe und darum das Amt niederlege.

Ist der Zölibat überhaupt noch zeitgemäss? Thürig glaubt nicht, dass es bald zu einer Abschaffung kommt. Neue Regeln für die Zulassung zur Priesterweihe erwarte er nur im Rahmen eines Konzils. Das werde noch zwei bis drei Jahrzehnte dauern.

«Eine 'moderne' Lösung gibt es nicht»

Wenn das Zölibatsgesetz geändert werde, dann erwarte er, dass der Einzelne vor der Diakonenweihe verheiratet sei oder das Zölibatsversprechen bei der Diakonenweihe ablegen würde, sagte Thürig in einem Interview mit «Schweiz am Wochenende». Zudem soll eine bewährte Ehe vorausgesetzt werden und es dürfe keine Ausnahmeregelungen geben.

«Eine 'moderne' Lösung gibt es nicht», sagte Thürig. Eine neue Lösung müsse den Traditionen gerecht werden und der Jüngerschaft mit Jesus Christus langfristig eine überzeugende Lebensform geben.

Die katholische Kirche fordert von ihren Priestern grundsätzlich Ehelosigkeit und sexuelle Enthaltsamkeit. Es gibt allerdings Ausnahmen vom Pflichtzölibat, etwa in der osteuropäischen Kirche und teils in Südamerika, wo verheiratete katholische Priester zugelassen sind.

(20M/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • S.W. am 21.07.2018 09:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Liebe

    Was ist an Liebe falsch, sollte das nicht das einzig Relevante sein auf diesem Planeten?!

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  • Te Rasse am 21.07.2018 09:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Willkommen

    In der realen Welt

  • Martin am 21.07.2018 09:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glauben

    Glauben ist und bleibt die höchste Form von nicht Wissen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mario am 22.07.2018 22:40 Report Diesen Beitrag melden

    Besser so.

    Lasst doch jeden Menschen lieben. Ob katholisch oder nicht.

  • Redsnapper am 22.07.2018 13:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lieben kann nicht sündhaft sein

    In einer Tessiner-Gemeinde wohnte n den 60-er Jahren ein Priester, welchen sie den Lupo-Pastore nannten. Er war den gläubigen, relativ hübschen Tessinerinnen niemals abhold. In Havanna Kuba, verehren die Frauen San Lazaro. Er war ein sogenannter Mujerigo, ein Frauenheld. Aber er war stets gut zu den Damen.

  • Mia am 22.07.2018 11:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    pro und contra

    Man findet verschiedene gute Argumente hier, aber am besten gefällt mir die Tatsache, dass alle nur Menschen sind und Menschen zum lieben gemacht sind.

  • Jemand am 22.07.2018 11:09 Report Diesen Beitrag melden

    Bin aus Deutschland hier eingewandert

    Ich war 20 und Studentin, als ich einen jungen Mann kennenlernte, der das Priesterseminar besuchte. Er hatte mir nie etwas vorgemacht und immer gesagt, dass er Priester werden wolle. Und ICH hatte ihm immer gesagt, dass ich eine Familie haben wollte. Als ich vor meinem Abschluss stand, wusste er, dass eine Entscheidung bevorstand. Sie sandten ihn nach Rom und ich sagte ihm, dass ich meinen Weg nun allein gehen würde. Ich bekam meine Familie, 3 gute Kinder, hatte ein sehr schönes Leben. Mein Mann starb mit 53, da war ich 50. Mit 54 traf ich A. wieder, und wir sind wieder zusammen. Heimlich.

    • Walburga am 22.07.2018 13:33 Report Diesen Beitrag melden

      @Jemand

      Sehr schöne Geschichte! Gratulation zu Eurem beiderseitigen Mut: 1. zu Eurem ersten Lebensziel zu stehen, 2. diese schicksalhafte Fügung anzunehmen, auch wenn die katholische Kirche noch nicht so weit ist.

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  • Teutates am 22.07.2018 11:04 Report Diesen Beitrag melden

    Wer da nicht mehr mitmachen will,

    soll halt austreten aus dem Verein. Kostet nur einen Brief! So einfach ist das!