Basel-Stadt

09. September 2015 05:51; Akt: 09.09.2015 17:08 Print

Private dürfen bald Flüchtlinge aufnehmen

von Matthias Kempf - In Basel können Flüchtlinge nicht privat untergebracht werden. Zwei Grossrätinnen haben aber genau dies vor und reichten Interpellationen ein.

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Sibel Arslan möchte, dass Flüchtlinge vermehrt privat als im Asylzentrum untergebracht werden. (Bild: mak)

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Grossrätin Sibel Arslan ist betroffen ob der vielen Flüchtlinge, die unter widrigsten Umständen nach Europa kommen. Die Grünen-Politikerin möchte aktiv helfen und bei sich zuhause Flüchtlinge aufnehmen. «In meiner Wohnung im Gundeli hätte es noch Platz für eine kleine Familie», sagt sie. Doch im Gegensatz zu den Kantonen Bern, Aargau, Genf und Waadt können in Basel noch keine Flüchtlinge privat untergebracht werden.

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Dies will Arslan ändern: Sie reicht noch diese Woche eine Interpellation ein, in der sie von der Regierung wissen will, wie die Situation bezüglich Privatunterbringung von Flüchtlingen aussieht und ob sich Basel am Projekt «Private Unterbringung von Flüchtlingen und Asylsuchenden» der Schweizerischen Flüchtlingshilfe beteiligen wird.

Arslan ist mit ihrem Anliegen nicht alleine. Auch SP-Grossrätin Edibe Gölgeli ist bereit, bei sich zuhause Menschen unterzubringen: «Ich kann mir gut vorstellen eine Frau mit einem Kind bei mir aufzunehmen.» Sie hat ebenfalls eine Interpellation eingereicht, in der sie von der Regierung wissen will, an wen sich aufnahmebereite Personen mit angemessenen Platzverhältnissen wenden können.

«Es braucht eine zentrale Anlaufstelle»

Im Moment gebe es verschiedene kleine Programme, mit denen man Flüchtlingen helfen könne, sagt Gölgeli. Dabei handle es sich vor allem um Kleiderspenden. «Die Caritas oder der Oekumenische Seelsorgedienst für Asylsuchende Oesa sind aber am Anschlag. Der Oesa weiss nicht mehr wohin mit den ganzen Kleidern. Es braucht eine zentral geregelte Anlaufstelle, an die sich die Leute wenden können.»

Gölgeli wird in ihrem Umfeld oft auf die Flüchtlingsproblematik angesprochen. «Ich werde von vielen Leuten gefragt, wie sie Unterstützung leisten können.» Diese Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung spürt auch Renata Gäumann, die kantonale Asyl-Koordinatorin der Sozialhilfe: «Wir bekommen jeden Tag Anfragen von Menschen, die helfen wollen.»

Sozialhilfe lanciert Projekt zur privaten Unterbringung

Demnächst will die Sozialhilfe Basel-Stadt ein Projekt zur privaten Unterbringung von Flüchtlingen im Kanton Basel-Stadt vorstellen. «Im Moment sind wir noch in der finalen Planungsphase», so Gäumann. Es gebe viele Punkte, die noch geregelt werden müssten. So etwa die Frage, welche Flüchtlinge überhaupt für die private Unterbringung in Frage kommen.

«Die Sozialhilfe ist seit längerem daran, ein Projekt auszuarbeiten, das eine sorgfältige Vorprüfung der Wohnangebote gewährleistet und möglichst bald umgesetzt werden soll», so Gäumann. Viele Menschen würden keinen Wohnraum, aber Zeit anbieten, in der sie bereit wären, mit Flüchtlingen etwas zu unternehmen. «Das kann beispielsweise Deutschunterricht, gemeinsames Kochen und Essen oder die Begleitung auf Ämter sein. Wie die Koordination und Vernetzung all der Angebote genau aussehen, werden wir in Bälde kommunizieren», so Gäumann.

Für Arslan sind diese Begleitprogramme zentral, damit die Flüchtlinge schneller mit der hiesigen Kultur vertraut werden und sich integrieren können. «Mit einer Unterbringung in einem Asylheim ist noch nichts getan für die psychische Integration in die Gesellschaft. Das schafft nur der persönliche Kontakt», sagt sie.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • G.T. am 09.09.2015 07:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ohne mich

    Es gibt genug Schweizer/innen die auch hilfe benötigen.

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  • Sunny am 09.09.2015 08:22 Report Diesen Beitrag melden

    Was soll denn...

    ...das heissen, Private SOLLEN Flüchtlinge aufnehmen? Sollte es nicht eher heissen DÜRFEN?

    einklappen einklappen
  • jan1987 am 09.09.2015 07:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ...

    es klingt jetzt vielleicht egoistisch, doch ich persönlich würde niemals einen Flüchtling bei mir zuhause aufnehmen. mir ist klar das die meistens Harmlos sind doch ich geniesse nach einem harten Arbeitstag die Ruhe in meiner Wohnung. Wer dies freiwillig macht hat aber meinen Respekt und soll dies auch tun dürfen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Not Fall am 09.09.2015 10:02 Report Diesen Beitrag melden

    Flüchtlingsproblem

    Mich beschäftigt weiterhin die Frage, warum nicht die Verursacher dieses Flüchtlingdramas zur Rechenschaft gezogen und somit zur Aufnahme der Flüchtenden gezwungen werden? Mehr Mut wagen und die Schuldigen anprangern statt vor ihnen kriechen!

  • Zweifler am 09.09.2015 09:54 Report Diesen Beitrag melden

    Dürfen?

    Erst sagen sie dürfen und im zweiten Schritt müssen?

  • Patricia am 09.09.2015 09:45 Report Diesen Beitrag melden

    kommt nicht in die Tüte

    Mal abgesehen davon dass ich nur eine 1.5 Z.Wohnung habe, würde ich nie im Leben fremde Menschen in meiner Wohnung leben lassen und ich lasse mir das auch nicht aufzwingen. Ich geh den ganzen Tag arbeiten während die in meiner Wohnung hocken und abends muss ich mich dann noch mit denen beschäftigen. Nein Danke, da bin ich jetzt ein echter egoistischer Schweizer.

  • Andrea am 09.09.2015 09:45 Report Diesen Beitrag melden

    "Frau mit Kind" ist Minderheit

    Frau Sibel kann sich schon vorstellen "eine Frau mit Kind" bei sich wohnen lassen. Leider sind bei Weitem die meisten Flüchtlinge junge Männer... Wer nimmt denn die bei sich auf, wenn nicht einmal die Befürworterin dieser Idee das machen würde?? Will man hier nur die "einfachen Schafe" betreuen und sich damit profilieren?

  • Joy am 09.09.2015 09:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wo sind wir denn hier!

    Es trifft mich sehr was gerade um uns herum passiert. Aber das geht zu weit. Wir können auch nichts dafür und ich finde nicht, dass es in der Schweiz an Solidarität mangelt. Es ist traurig, dass politisch nichts passiert in den jeweiligen Ländern und wir jetzt alles ausbaden dürfen. Wo kommen wir denn hin...gerade in der Schweiz haben wir nicht einfach mal unbegrenzt Platz. Steinigt mich aber das ist meine persönliche Meinung. Und nein ich bin alles andere als egoistisch oder rassistisch.