Basler «Alki-Stübli»

29. November 2016 17:33; Akt: 29.11.2016 17:33 Print

Randständige sollen vom Claraplatz verschwinden

In einer Motion fordert die Basler CVP-Grossrätin Pasqualine Gallacchi die Einrichtung eines «Alki-Stübli». Ihr Vorschlag ist umstritten.

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Der Claraplatz ist ein beliebter Treffpunkt für Randständige. CVP-Grossrätin Pasqualine Gallacchi will sie von der Strasse holen und in ein betreutes Alki-Stübli stecken. Beim Quartierverein und beim Verein für Gassenarbeit Schwarzer Peter stösst die Motion auf wenig Gegenliebe. (Bild: 20 Minuten/las)

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Seit Ende der 1980er-Jahre gibt es in Basel so genannte «Fixerstübli», wo Abhängige mitgebrachte Drogen unter sauberen Umständen konsumieren können. Im Verlauf der Jahre wurde damit die Szene von der Strasse geholt. Für randständige Alkoholkonsumenten soll am Claraplatz ein ähnlicher Zufluchtsort entstehen. Pasqualine Gallacchi (CVP) hat im Grossen Rat einen entsprechenden Vorstoss lanciert.

Umfrage
Stören Sie die Randständigen am Claraplatz?
27 %
15 %
25 %
29 %
4 %
Insgesamt 1903 Teilnehmer

Die 47-jährige Gallacchi ist Geschäftsleiterin der nahen Greifen-Apotheke in der Unteren Rebgasse 6. «Viele Passanten fühlen sich dadurch gestört», erklärt sie ihre Position zu den Randständigen gegenüber dem SRF Regionaljournal. Aus diesem Grund soll nun ein «Alki-Stübli» nach dem Vorbild des Berner «La Gare» her. Neben ihr haben acht weitere Grossräte aller Fraktionen die Motion unterschrieben.

«Falsches Bild»

Der Verein für Gassenarbeit Schwarzer Peter zeigt sich von der Idee wenig angetan. «Einerseits begrüssen wir ein neues Angebot, andererseits geht der Vorstoss in die falsche Richtung», sagt Tobias Hochstrasser, Co-Leiter des Vereins. Einfach zugängliche Duschen wären ein besserer Ansatz, findet er. Auch würde mit einem «Alki-Stübli» von den Menschen dort laut Hochstrasser ein «falsches Bild» gezeichnet. Denn nicht alle, die sich dort treffen, seien Alkoholiker oder obdachlos.

«Zudem ist der Claraplatz ein wichtiger Treffpunkt», so Hochstrasser weiter. Dieser müsse ein Stück weit «stören», um die Rolle einer niederschwelligen Anlaufstelle zu erfüllen. Menschen in Not bekämen dort Rat und Kontaktinformationen von jenen, die sich bereits in der Szene auskennen.

Vorstand des Quartiervereins ist nicht überzeugt

«Man sollte die Leute nicht wegstossen, sondern sich überlegen, wieso sie überhaupt in der Situation gelandet sind», sagt Hans-Peter Ebneter, Vorstandsmitglied des Neutralen Quartiervereins Oberes Kleinbasel. Dass man das als Problem wahrgenommene Phänomen der Randständigen im öffentlichen Raum aus dem Weg schaffen könne, in dem man die Menschen versteckt, glaubt er nicht.

«Es ist ein Spiegel der Gesellschaft, was man mit den sozial Schwächsten macht», betont Ebneter. Der Claraplatz sei eine lebendige Ader des Quartiers, wo es genug Raum für alle habe. Wolle man den Menschen wirklich helfen, müsse man zuerst die Ursachen ihrer Misere anpacken.

(las)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Anonym am 29.11.2016 18:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was wirklich stört...

    Was mich stört, fehlt in der Umfrage: Frau Gallacchi betreibt eine Apotheke am Claraplatz, deren Kunden sich durch die "Alkis" gestört fühlen. Dass nun medienwirksam politische Energie gebündelt wird - und dabei völlig ausser Acht gelassen wird, worums wirklich geht: Eine Politikerin, die ihren Kunden einen angenehmen Apothekenbesuch ermöglichen will - damit die Kassen klingeln. Das ist aus meiner Sicht für einmal nicht Vetterliwirtschaft oder Lobbyismus, sondern ganz einfach das Nutzen von politischem Einfluss, um sich selber zu helfen. Und DAS finde ich störender als jeden Randständigen!

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  • A.E'st am 29.11.2016 21:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meinung

    Meine persönliche Meinung: Die bärtigen Männer, die dort den Koran verteilen und missionieren (wie auch immer), würden mir mehr Sorgen bereiten als die friedlichen Randständigen....

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  • Bejhon am 29.11.2016 18:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toleranz

    Zypisch schweiz. Die "andere" Realität verschwinden lassen und tabuisieren. Meist sind diese Leute sehr freundlich und können einen zum schmunzeln bringen. Sie haben genauso Anrecht auf die öffentlichen Plätze wie Mr/Miss Obersnob.

Die neusten Leser-Kommentare

  • AlCapone am 29.11.2016 22:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gentrifizierung

    Das Klingeli-Quartier und die Umgebung haben in den letzten Jahren deutliche Spuren der Gentrifizierung bekommen! Zuerst werden die Prostituierten durch die Linie zurückgedrängt und nun jetzt auch noch die Obdachlosen und Alkoholiker. Alles nur damit entweder Geschäfte oder Immobilienbesitzer mehr Gewinn erzielen können! Die Stadt Basel muss eine goldene Mitte finden zwischen Aufwertung und Verdrängung!

  • Bardo Jaeger am 29.11.2016 21:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freiheit

    Lasst die "Kundi" ihr Leben leben, sie brauchen die Betriebsamkeit vom Clareli und oft fällt da was ab für sie von Passanten ! Freiheit für alle !

  • A.E'st am 29.11.2016 21:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meinung

    Meine persönliche Meinung: Die bärtigen Männer, die dort den Koran verteilen und missionieren (wie auch immer), würden mir mehr Sorgen bereiten als die friedlichen Randständigen....

    • Zhar Cast BL am 02.12.2016 17:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @A.E'st

      da stimme ich Ihnen zu.Was mich jedoch genauso stört sind christliche Missionare, welche mir beim Aussteigen ihre "Finde zu Gott" Schilder ins Gesicht strecken. Dann war heute sogar noch ein Wagen der Herren in Blau dort.Die hätten sie gleich zurechtweisen sollen.Genauso unverschämt.Zwängt mir eure "ach-so-tolerante-Religionen" nicht auf.Das stört mich viel mehr als unsere Claraplatz Koryphäen. Schönes Weekend, alle!

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  • alfmir am 29.11.2016 20:02 Report Diesen Beitrag melden

    Basel tickt anders....

    Laut den Stadtplanern will man künftig die Besucher der Baselworld mit einer quasi Bahnhofstrasse a la Zürich verwöhnen. Es muss für diese ein Vergnügen sein, schon am Bahnhof von keifenden und besoffenen Randständigen empfangen zu werden. Das Gleiche blüht ihnen dann nochmals am Claraplatz..! Eine Schande..!!

  • HechtY am 29.11.2016 20:01 Report Diesen Beitrag melden

    Der öffentliche Raum ist für alle da

    Alkis ab ins Alki-Stübli, damit die Stadt schön sauber bleibt und Frau Gallacchi sich nicht mehr gestört fühlt. Sie hat offenbar vergessen, wofür das C der CVP steht. Die Motion ist dreist, respektlos und beschämend. Ich werde in Zukunft wahrschienlich auch vergessen in die Greifenapotheke zu gehen. Kann ja passieren vom Alk.