Basel

28. Februar 2018 07:54; Akt: 28.02.2018 07:55 Print

Telefonbetrüger versuchen alles, um Frau abzuzocken

Anna Lutz wird regelmässig von Telefonbetrügern belästigt und kennt mittlerweile jede Masche der Gauner. Nicht alle sind aber so abgebrüht wie die Basler Rentnerin.

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Wenn sie die Wohnung verlässt, stülpt sie stets eine Tüte über das Telefon. «Kein Telefon abnehmen, wenn ich nicht da bin», steht darauf geschrieben – eine Erinnerungshilfe für ihren an Alzheimer erkrankten Ehemann. Der sei für die Telefonbetrüger ein besonders leichtes Opfer, sagt Anna Lutz.

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In den letzten Monaten haben sich die Betrugsversuche am Telefon gehäuft. Mindestens viermal wurde sie kontaktiert. «Sie geben sich als Interpol oder Paketdienste aus, bei denen wir angeblich etwas bestellt hätten», erzählt die 89-Jährige. Beim zweiten angeblich bestellten Paket hätte Wein dabei sein sollen. Da antwortete sie ihm: «Sie Schlitzohr, ich habe nichts bestellt», und hängte auf. Die Polizei könne ihnen auch nicht helfen. Die hätten nur bestätigt, dass sich die Betrüger alle möglichen Maschen einfallen lassen würden und davor gewarnt.

«Mein kriminelles Telefon»

Sie sei von Natur aus eher misstrauisch und durch den Beruf ihres Ehegatten, einen pensionierten Polizeibeamten, auch sensibilisiert. Aber wegen seiner Krankheit würde er natürlich schnell zum Opfer werden. Erst letztes Jahr hat sich ein Betrüger als ehemaliger Arbeitskollege vom Polizeiposten ausgegeben und dem Ehepaar 1200 Franken für sechs Billig-Jacken abgeluchst.

Nun also die Telefonanrufe. «Wenn ich dieses kriminelle Telefon nur anschaue», schimpft Lutz. Das letzte Mal klingelte das «kriminelle Telefon» in der Fasnachtswoche: «Da wollte jemand meinen Mann «wegen dem Elfenbein» sprechen», erinnert sie sich. Skeptisch fragte sie zurück, von welchem Elfenbein er rede, ob das nicht verboten sei und bekam zu hören, dass sich ihr Mann aber dafür interessieren würde, auch hätte er eine Werkbank. Da habe sie dann abgehängt.

Angst vor dem Wörtchen «Ja»

Sie selber habe den kriminellen Anrufern bis jetzt aber immer gut Paroli bieten können. «Sie krimineller Siech», habe sie zuletzt einem angeblichen Interpol-Beamten an den Kopf geworfen. Noch nie habe sie jemandem Siech gesagt, aber der habe das verdient, sagt sie und kichert hinter vorgehaltener Hand. Dass die Betrüger sie zu diesen Schimpfworten provozieren, mache sie aber auch traurig. «So kenne ich mich gar nicht.»

Nicht alle sind so schlagfertig und abgebrüht wie Lutz. In Basel gab es diesen Winter bereits dutzende Spoofing-Opfer, die falschen Polizisten auf den Leim gingen. Die Deliktsumme beläuft sich laut Staatsanwaltschaft auf über eine Million Franken. Tatsächlich dürften es aber wesentlich mehr sein. Manche Opfer schämten sich und würden den Fall der Polizei gar nicht melden.

Es kam aber auch schon zu mehreren Festnahmen. Mindestens drei Tatverdächtige sitzen zurzeit in Basel in Untersuchungshaft. Die Polizei hat auf die aktuelle Telefonbetrugswelle mit einer Informationskampagne reagiert; eine Internetseite und Flyer geben Verhaltenstipps.

Telefonbucheintrag ändern

Sollten die Telefonbetrüger weiterhin anrufen, denke sie darüber nach, sich aus dem Telefonbuch austragen zu lassen. Zunächst aber will sie es anders versuchen. Ein Freund des Ehepaars habe in seinem Telefonbucheintrag auch seinen Beruf als Polizeibeamter angegeben. «Vielleicht wirkt es ja abschreckend», hofft Lutz.

(sis)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Ich nehme prinzipiell kein Telefon mehr ab, wo ich die Nr nicht kenne. Verwandte und Bekannte rufen mich auf dem iPhon an. Anonym angezeigte Anrufe werden auch nicht mehr abgenommen. Firmen können sich mit der Nr outen oder sein lassen. Es gibt immer noch Briefe. Letztens hatte ich einen Anruf auf dem iPhon. Von wo? Von Togo. Habs grad gelöscht. Nennt mich altmodisch, dann ist das halt so. Das Alter hab ich fast erreicht. – Schneeglöggli

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • capri am 28.02.2018 06:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Telefonterroristen

    Unverständlich, dass vereinte Kräfte aus internatonalen Telefongesellschaften und Polizei diesem Telefonterror nicht ein Ende bereiten können.

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  • Schneeglöggli am 28.02.2018 06:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die können mich mal ....

    Ich nehme prinzipiell kein Telefon mehr ab, wo ich die Nr nicht kenne. Verwandte und Bekannte rufen mich auf dem iPhon an. Anonym angezeigte Anrufe werden auch nicht mehr abgenommen. Firmen können sich mit der Nr outen oder sein lassen. Es gibt immer noch Briefe. Letztens hatte ich einen Anruf auf dem iPhon. Von wo? Von Togo. Habs grad gelöscht. Nennt mich altmodisch, dann ist das halt so. Das Alter hab ich fast erreicht.

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  • Maraya66 am 28.02.2018 06:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Microsoft London

    Gefühlte 1000 Anrufe, der reinste Telefonterror auf Englisch. Die versuchten vor ca 2. Jahren mehrmals täglich per Telefon Zugriff auf unser Computer zu bekommen. Was kann man machen.... Nichts, ausser die langjährige Nummer zu wechseln. Wahnsinn, wie man per Telefon heutzutage belästigt wird. Für Ältere Leute sicher noch viel schwieriger.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Manuelo am 28.02.2018 12:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Internet??

    Schön wenn Internetwerbung geschaltet wird, um zu warnen - zum Glück wird da die Botschaft potenzielle Opfer bestimmt erreichen.

  • SueR am 28.02.2018 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    Vorsicht

    Selbst bei Spoofing ist das Abnehmen das Telefon das Eine. Wenn mir jedoch ein angeblicher Verwandter/Bekannter/Freund x-Tausende ausleiern will für einen sofortigen Haus- oder Auto- oder sonst-was-Kauf, dann werde ich misstrauisch. Frage mich manchmal echt, woher manche Menschen derart viel Geld einfach zur Verfügung stellen können. Kleiner Rat, die Kamera am Bildschirm abdecken - manchen selbst Profis. Weiss nicht weshalb, doch habe ich es inzwischen auch getan. Wer Zugriff auf meinen Computer erreicht, kann vermutlich auch die Wohnung ausspähen.

  • viovino am 28.02.2018 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    freiwild

    "Kein Ende bereiten können" oder nicht wollen. Vor 4 Wochen hat mir auch so ein Weinjunki aus der franz. Schweiz angerufen, wo allerdings die Nummer und Name erschienen, ich aber dennoch nicht abnahm. Swisscomkunden haben zum Glück die Möglichkeit solche Nummern zu sperren.

  • Dr. Betrügerschreck am 28.02.2018 12:20 Report Diesen Beitrag melden

    Lebensweisheiten

    Ich habe nur noch ein Mobiltelefon, auf welchem ich Anrufe mit unterdrückten Nummer gar nicht mehr sehe, da ich sie gesperrt habe. Eine Grundregel: Im Leben ist nichts gratis! Vermeintliche Vermögens- oder Versicherungsberateer wollen immer etwas verdienen und tragen kein persönliches Risiko. Lasst niemanden unbeaufsichtigt ins Haus, öffnet nie das Portmonai vor einer unbekannten Person und hebt das Geld sicherheitshalber an Schalter innerhalb von Gebäuden ab!

  • Unbekannte am 28.02.2018 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    Nummern nehmen ich nicht ab

    Und solche wo aus der Umgebung sind, und ich nicht sicher bin ob es was dringendes ist, Google ich die Nummer. Aber bis jetzt war es eigentlich zu 99% ein Call Center.