16. Juni 2006 15:26; Akt: 16.06.2006 15:27 Print

Rettungsversuch für Lokal-TV «nw1» gescheitert

Ein Rettungsversuch für den defizitären Baselbieter Lokalfernsehsender «nw1» durch die Mitarbeitenden ist gescheitert. Die 22 Beschäftigten erhalten die Kündigung.

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Die Hauptaktionärin Elektra Birseck Münchenstein (EBM) hatte den Angestellten im Mai angeboten, ihnen den Sender schuldenfrei zu überlassen, wenn sie ein Konzept zu dessen Sicherung vorlegten. Am Freitag kündigte die Trägergesellschaft NordWest Medien AG aber die Einstellung ihres Betriebs an.

Sozialplan angekündigt

Alle Arbeitsverträge würden unter Einhaltung der über dem gesetzlichen Minimum liegenden Kündigungsfristen per Ende gekündigt, teilte die Gesellschaft mit. Der Verwaltungsrat arbeite derzeit mit den Arbeitnehmenden und dem Journalisten-Berufsverband impressum einen Sozialplan aus.

Ein von einer Arbeitsgruppe der Mitarbeitenden erstelltes Konzept sei gemeinsam analysiert worden, heisst es weiter zur Begründung des Entscheids. Verwaltungsrat und Mitarbeitende seien aber zum Schluss gekommen, dass zum Überstehen einer Durststrecke 300 000 bis 500 000 Franken nötig gewesen wären.

Diese Mittel hätten die Mitarbeitenden nicht innert Frist zusichern können. Der Verwaltungsrat habe «daher mit Bedauern festgestellt, dass dieses Konsultationsverfahren ergebnislos verlaufen ist, weshalb ihm keine andere Wahl mehr bleibt, als den Betrieb der NordWest Medien AG einzustellen».

Weitere Gespräche

Die EBM will aber noch bis Ende Juli Gespräche mit weiteren Interessenten führen, die allenfalls den Sender mit neuen Konzepten weiterführen wollen. Kommt aber kein Verkauf des Unternehmens als Ganzes zustande, sollen danach einzelne Teile abgestossen werden, wie ein EBM-Sprecher sagte.

Die Mitarbeitenden mit gekündigtem Vertrag bleiben bis Ende September im Anstellungsverhältnis. Einige von ihnen waren laut dem Sprecher teilzeitlich im Stundenlohn tätig. «nw1», das seine aktuellen Sendungen bereits Anfang Juni eingestellt hatte, setzt «bis auf weiteres» die Ausstrahlung früher produzierter Sendungen fort.

Verlust für EBM

Laut Angaben von EBM-Direktor Hans Büttiker an der Delegiertenversammlung vom Mittwoch rechnet die EBM aus ihrer Beteiligung an «nw1» mit einem Verlust von rund 5 Mio. Franken. Der Stromversorger hatte im Februar angekündigt, aus dem TV-Geschäft aussteigen zu wollen, und seither erfolglos nach Käufern gesucht.

Eingestiegen war die EBM 1999 beim damaligen TV «Nordwest 5» (NW5), als diesem das wirtschaftliche Aus drohte. 2004 erfolgte ein Neustart als «nw1». Seit im Frühjahr der zweite Hauptaktionär, der frühere Lokalradiopionier Christian Heeb, das Unternehmen verliess, hält die EBM an der NordWest Medien AG fast 90 Prozent.

(sda)