China verweigert Einreise

15. Oktober 2019 04:50; Akt: 15.10.2019 09:53 Print

Statt einer Kreuzfahrt gab es nur den Rückflug

Dutzende Reisende konnten eine Kreuzfahrt auf der Quantum of the Seas nicht antreten, weil China ihnen die Einreise verweigerte. Eine Betroffene aus Pratteln BL berichtet.

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Ich wäre jetzt eigentlich in Japan, sagt H.B.* aus Pratteln BL. Stattdessen ist sie jetzt wieder an ihrem Arbeitsplatz. Aus der Kreuzfahrt auf der Quantum of the Seas von China nach Japan durch das südchinesische Meer bis Singapur wurde nichts. Am Donnerstag vor einer Woche wurden ihr und 13 weiteren Angehörigen einer 40-köpfigen Reisegruppe nach dem Anflug von Zürich die Einreise in Peking verweigert. «Es wurde uns kein Grund genannt», so die 61-jährige Baselbieterin.

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Keine gute Falle machte auch die Reiseleiterin, die ebenfalls am Zoll abgewiesen wurde. Sie haben keine Notfallnummer gehabt und sei mit der Situation überfordert gewesen, sagt B. Vor dem erzwungenen Rückflug suchte sie noch beim Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten Hilfe. Vergebens. «Ich war schon mehrmals in China, aber das habe ich noch nie erlebt», sagt sie.

Sogar Familien wurden getrennt

Die Prattelerin ist mit ihrem Schicksal nicht alleine. Hunderte sollen es nicht an Bord der Quantum of the Seas geschafft haben, die am 7. Oktober in Tianjin ausgelaufen war. Sogar Familien seien von den chinesischen Behörden getrennt worden. Das berichten Betroffene in einer geschlossenen Facebook-Gruppe. Dutzende Reisende aus England schafften es allerdings via Japan Tage später an Bord der Quantum of the Seas.

«Wir bedauern die Unannehmlichkeiten zutiefst, die durch die Visa-Situation in China entstanden ist», erklärt die Reederei Royal Caribbean International auf Anfrage. Angaben, wie viele Passagieren insgesamt betroffen waren, machte sie nicht.

Grenzbehörden haben das letzte Wort

Das Problem: Viele der Reisenden kamen ohne Visum nach China. Weil der Aufenthalt aber weniger lange als 144 Stunden dauerte, wäre ein Transitvisum bei der Einreise ausgestellt worden. Das ist normalerweise problemlos möglich. «Die chinesischen Grenzbehörden haben aber das absolute Recht zu entscheiden, wen sie nicht einreisen lassen», erklärt die chinesische Botschaft in der Schweiz auf Anfrage. Sie betont aber: Man heisse Schweizer Staatsangehörige immer sehr gerne in China willkommen.

Das EDA bestätigt auf Anfrage, dass ihre Helpline mit einer betroffenen Person im Kontakt stand. «Schweizer Botschaften und Konsulate haben keine Interventionsmöglichkeiten», teilt ein Sprecher mit. Weil in der Reisegruppe auch mehrere deutsche Staatsangehörige waren, sind die Vorgänge auch dem deutschen Auswärtigen Amt bekannt. «Die genauen Gründe sind dem Auswärtigen Amt nicht bekannt», teilte es auf Anfrage mit. Verweisen aber wie das EDA darauf, dass die chinesichen Behörden die endgültige Entscheidung über eine mögliche Einreise erst an der Grenze treffen.

Es wird darum geraten, auch für Transitaufenthalte in China ein reguläres Visum zu beantragen. «Die Reiseagentur hat es wohl versäumt, abzuklären, ob ihre Reisepläne den Visa-Ausnahmebestimmungen entsprechen», vermutet die chinesische Botschaft.

Immerhin gibt es das Geld zurück

Die deutsche Reiseagentur E-Hoi, bei der H.B. die Kreuzfahrt gebucht hatte, reagierte nicht auf Anfragen von 20 Minuten. Die Betroffene teilte aber mit, dass ihr inzwischen die vollständige Rückerstattung der gebuchten Reise in Aussicht gestellt wurde.

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(lha)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • PS;L am 15.10.2019 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    Achtung China!

    Ich würde schon aus Prinzip nicht mehr in dieses Land einreisen - Festgesetzte Währungen, Kommunismus, Einschränkungen der Redefreiheit, Erziehungslager - Sorry so ein Regime gilt es unter allen Umständen zu meiden!

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  • Sven Locher am 15.10.2019 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    Sven,

    Ein Transitvisum gibt es ja, aber nur für einige Points of Entry. Also nicht überall. Also haben die Touristen einfach falsch vorbereitet.

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  • Esteban am 15.10.2019 09:59 Report Diesen Beitrag melden

    Vorbereitung?

    "Dummheit schützt vor Strafe nicht". Mit anderen Worten, wer sich nicht über die Einreisebestimmungen im Zielland informiert und entsprechende Vorkehrungen trifft, muss sich halt damit abfinden, wenn ihr/ihm die Einreise verwehrt wird. Da kann auch die Reiseleitung, selbst wenn sie in Notfallnummern hat, nichts ausrichten. In China schon gar nicht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Noetzli am 15.10.2019 23:14 Report Diesen Beitrag melden

    Visumspflicht

    Warum eigentlich kann nahezu jedermann ohne Visum in die Schweiz einreisen. Könnteman die Turisten, die aus Ländern kommen, wo schikanöse Visumvorschriften gelten, nicht auch an der schweizer Grenze gleich behandeln?

    • ArturoC am 17.10.2019 03:38 Report Diesen Beitrag melden

      Peter Noetzli

      Das stimmt so nicht. Informier dich doch bitte zuerst, bevor Du mit einer Suggestiv-Frage die Leute aufhetzt. Die Schweiz hat GEGENseitige Visafreiheiten vereinbart, aber geniesst auch sehr viele EINseitige Vorteile von vielen Ländern. Das einzige Land, dem man sich hier freiwillig einseitig unterwirft sind die USA.

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  • Swen Goldpreis am 15.10.2019 15:38 Report Diesen Beitrag melden

    Willkür oder schlechter Anbieter?

    Die Regeln für das Transitvisum sind eigentlich klar und auf der Website der Botschaft auch deutlich ersichtlich. Ich bin selber schon mehrmals mit so einem Transitvisum in Peking gewesen. Unklar ist mir bei dieser Geschichte, ob nun der Reiseveranstalter einen Fehler gemacht hat oder ob es sich um Willkür bei den Grenzbeamten handelte. Und nebenbei: Ein reguläres Visum ist bei einem Preis von rund 180 Franken pro Person keine besonders gute Alternative.

  • Marcel am 15.10.2019 13:46 Report Diesen Beitrag melden

    Jaja, schon gut, PS;L

    @PS;L Also sorry PS;L, ich war schon bald ein dutzend mal in China und hatte noch nie irgendwelche Probleme gehabt. PS;L lesen Sie doch mal die Kommentare von Sven Locher und Esteban. Es ist anzunehmen, dass Sie nicht ein einziges Mal in China waren, aber grossartig kritisieren. Eines ist jedoch klar, China ist nichts für Sie, PS;L. Ich weiss echt nicht, woher Sie Ihre klischeehafte Einstellungen geholt haben. Vom Hören und Sagen? Aus den einseitigen Medien, etwa?

    • Matthias S. am 17.10.2019 13:14 Report Diesen Beitrag melden

      Kein Respekt

      Marcel, bravo! Wer einfach darauf los etwa kritisiert, ohne es mit eigenen Augen gesehen oder selbst erlebt zu haben, verdient keinen Respekt. Gruss an PS;L & Co.

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  • Bernd Artus am 15.10.2019 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    Ich durfte auf die Quantum

    Ich durfte einreisen und bin auf der Quantum. Wenn meine Informationen stimmen, dann haben die chinesischen Behörden alle die nicht einreisen lassen, die einen arabischen oder einen türkischen Stempel in ihrem Pass haben.

  • Matth am 15.10.2019 12:57 Report Diesen Beitrag melden

    Ohne Visum logisch

    Ist ja erstaunlich, dass die es überhaupt bis Peking geschafft haben. Normalerweise nimmt einem die Fluggesellschaft gar nicht erst mit wenn das Visum fehlt.