Zugunglück in Basel

18. Februar 2019 16:19; Akt: 18.02.2019 16:27 Print

Fuhr der ICE 800 Meter auf zwei Gleisen?

Die Strecke zwischen Badischem Bahnhof und Basel SBB ist nach der Entgleisung eines ICE am Sonntagabend gesperrt. Eine Weiche steht im Fokus der Ermittler.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Wir hatten Glück im Unglück, dass nichts Schlimmeres passiert ist», resümierte der Einsatzleiter der SBB Martin Spichale am Montagvormittag. Am Sonntagabend kurz vor 21 Uhr war er aufgeboten worden, als ein ICE der Deutschen Bahn mit 240 Passagieren an Bord bei der Einfahrt in den Gellert-Tunnel wegen eines entgleisten Wagens zum Stillstand kam.

Ein Passagier hatte die Notbremsung des Zugs eingeleitet, nachdem es im ersten Waggon angefangen hatte zu rütteln. Ein Insasse des Wagens berichtete gegenüber dem «Blick», dass sogar Gepäckstücke zu Boden geflogen waren. Der Zug kam gerade noch rechtzeitig zum Stillstand, wie am Augenschein am Tag danach klar wird.

Weniger Meter vor der Wand gestoppt

Die Zugkomposition wurde mutmasslich beim Überfahren einer Weiche 800 Meter vorher auseinandergerissen. Während die Lokomotive auf dem in Fahrtrichtung rechten Gleis fuhr, wechselte der Rest der Komposition auf ein Gleis nach links. Bei der Tunneleinfahrt kam der Zug wenige Meter vor der Wand, die beide Gleise trennt, zum Stillstand. Die Reisenden konnten den Zug weitgehend unverletzt verlassen.

«Es bestand zum Glück keine Gefahr, dass der entgleiste Wagen kippen könnte», erklärte Spichale. Die Passagiere konnten den Zug geordnet verlassen und wurden zum Bahnhof SBB gebracht. «Die Rettungswagen wurden zum Glück nicht gebraucht», teilte ein Leser mit, der im Zug sass.


Die SBB machte nur wenige Angaben zur Unfallursache. Laut Spichale steht die Weiche aber auch im Fokus der Untersuchungen. An den Ermittlungen beteiligt ist auch die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) des Bundes.


SBB-Einsatzleiter Martin Spichale informiert die Medien. (Video: 20 Minuten)

Immer wieder Weichen

Die Strecke zwischen Badischem Bahnhof und Basel SBB war nach dem Unglück für den Personenverkehr komplett gesperrt. Voraussichtlich am Dienstagabend kann die Strecke für den Bahnverkehr wieder freigegeben werden. Der entgleiste Wagen konnte schon in der Nacht auf Montag geborgen werden.

Nicht zum ersten Mal steht eine Weiche im Fokus der Unfall-Ermittlungen. Schon bei der letzten Entgleisung eines ICE in Basel im November 2017 wurde eine bestimmter Weichentyp als «einer von mehreren Faktoren» des Unfalls identifiziert. In der Folge wurden die Zungenverschlüsse dieses Weichentyps in der ganzen Schweiz ersetzt. Auch in den Bahnhöfen von Luzern und Bern kam es im gleichen Jahr zu Unfällen.

SBB informieren live von der Unfallstelle

(lha/jd)