Basel

02. Dezember 2019 04:59; Akt: 02.12.2019 14:19 Print

Schläger gingen gezielt «Schwule klopfen»

Ein heute 55-Jähriger wurde im Juni 2015 von vier jungen Männern im Schützenmattpark spitalreif geprügelt. Nun wird der Fall am Appellationsgericht neu verhandelt.

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«Waren es Schwulenhasser?», titelte 20 Minuten nach der Attacke auf einen Mann am 28. Juni im Basler Schützenmattpark. Vier junge Männer hatten einen damals 50-Jährigen attackiert und ihm Verletzungen im Gesicht, am Kopf, Brustkorb, Rücken sowie an Armen und Beinen zugefügt. Die Polizei konnte die Schläger noch in der gleichen Nacht verhaften.

Vier Jahre später ist klar: Das Tatmotiv war Homophobie. Wie aus einem Strafbefehl gegen einen der Tatbeteiligten hervorgeht, hatten die jungen Männer an jenem Abend im Schützenmattpark beschlossen, «Schwule klopfen» zu gehen. «Es hört sich an wie eine Szene aus einem schlechten Film», sagt Opferanwalt Dominic Nellen. Der Schützenmattpark ist nachts als Homosexuellen-Treffpunkt bekannt. Es kommt dort auch immer wieder zu gewalttätigen Übergriffen gegen Schwule.

Zuerst Zeuge, dann Opfer

Während drei der vier Tatbeteiligten ihre Strafbefehle akzeptierten, focht ein heute 23-Jähriger seinen an. Das Basler Strafgericht bestätigte allerdings erstinstanzlich die Verurteilung wegen Gehilfenschaft zur einfachen Körperverletzung, Beschimpfung und versuchten Nötigung zu einer bedingten Geldstrafe und Busse. Ausserdem sollte er eine Genugtuung in der Höhe von 2500 Franken bezahlen. Der junge Mann akzeptierte das Urteil nicht, weshalb es nun am 6. Dezember zur Berufungsverhandlung vor dem Appellationsgericht kommt.

Das Opfer selbst beobachtete in jener Nacht, wie eine Gruppe junger Männer einen Homosexuellen schlug, und alarmierte den Sanitätsnotruf. Die anschliessende polizeiliche Kontrolle verlief aber ergebnislos, heisst es im Strafbefehl. Kurze Zeit später geriet der Mann selbst ins Visier von Schlägern. Die vier jungen Männer, die zuvor beim Kiffen und Trinken schon den Entschluss gefasst hatten, «Schwule klopfen» zu gehen, sprachen ihn an und begannen ihn mit Beleidigungen einzudecken.

Psychische Folgen bis heute

«Schwule Sau, Hurensohn, Pädophiler» sollen sie ihn genannt haben. Dann drohte einer der jungen Männer, er werde ihm «mit dem Messer das Gesicht zerschneiden», wenn er in drei Minuten nicht verschwunden sei. Dann folgte unvermittelt eine erste Ohrfeige. Einer der Schläger, der Kampfsport zu seinen Hobbys zählt, rang das Opfer auf den Boden, schlug es mehrfach ins Gesicht und trat es in die Rippengegend. Der Geschädigte wehrte sich nach Kräften und konnte dem Angreifer das T-Shirt zerreissen.

Nach der Attacke alarmierte das Opfer die Polizei. Diese konnte die vier Tatbeteiligten kurze Zeit später in der Nähe des Schützenmattparks festnehmen. Die Verletzungen des Opfers konnten ambulant behandelt werden. Der Mann leidet als Folge des «verächtlichen Überfalls» bis heute an Angstzuständen und Schlafstörungen, sagt sein Anwalt.

(lha)