Strafgericht BS

05. Januar 2016 17:50; Akt: 05.01.2016 17:50 Print

Schlafende Kolleginnen geschändet – verurteilt

Ein 19-Jähriger hat sich nach einer Party an zwei Frauen vergangen, während sie betrunken schliefen. Er wurde am Dienstag zu einer zehnmonatigen bedingten Haftstrafe verurteilt.

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Ein 19-Jähriger wurde am Dienstag wegen mehrfacher Schändung verurteilt. (Bild: Juri Weiss (basel.ch))

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«An gewisse Dinge kann ich mich nicht mehr erinnern, weil ich zu betrunken und bekifft war, andere Vorwürfe stimmen überhaupt nicht und ein paar haben sich wirklich so zugetragen», sagte der Angeklagte am Dienstag vor dem Basler Strafgericht. Der 19-Jährige soll im August 2015 nach einer feuchtfröhlichen Nacht am Rheinbord mit Kolleginnen zwei der Frauen geschändet haben.

Die Dreiergruppe sei nach der Feier in die Wohnung einer gemeinsamen Bekannten, um gemeinsam dort zu übernachten. Eines der Opfer, deren Geburtstag Anlass der Party gewesen war, gab an, sich bereits während des gesamten Abends an der Aufdringlichkeit des Beschuldigten gestört zu haben. Der Alkoholpegel des Angeklagten wie auch jener der beiden jungen Frauen sei hoch gewesen, gab das Trio einstimmig zu Protokoll. Auch der eine oder andere Joint sei an jenem Abend geraucht worden. Nachdem sich eine der Frauen über Übelkeit beklagt habe und hingefallen sei, sei sie von ihrer Freundin in ein Doppelbett gelegt worden. Kurz darauf sei sie selber ebenfalls in ein anderes Zimmer schlafen gegangen. Währenddessen habe der heute 19-Jährige Pizza gegessen und auf einem Laptop Serien geschaut. Soweit stimmten die Aussagen des Trios überein.

«Es war ein Schreck-Moment»

Daraufhin sei der Beschuldigte zum mittlerweile schlafenden Geburtstagskind ins Bett gestiegen und habe sich an ihr vergangen. «Ich habe sie umarmt und wusste nicht, ob sie wach war oder nicht. Dann habe ich sie an der Scheide berührt», bei dieser Berührung habe er es dann auch belassen, da seine Kollegin aufgewacht sei und ihn weggeschickt habe, sagte der Angeklagte zerknirscht gegenüber dem Richter. Das Opfer hingegen widersprach: «Er ist mit seinen Fingern eingedrungen. Es war ein Schreckmoment. Ich bin aufgewacht und wusste nicht, was gerade passiert und wo ich bin», äusserte sie sich bestimmt.

Der Vertriebene versuchte es daraufhin eine Tür weiter bei der anderen Kollegin, berührte und küsste sie erst und vollzog daraufhin laut Anklageschrift zwei Mal den Geschlechtsverkehr mit ihr. Als sie betrunken und noch schläfrig erwachte und ihn fragte, was er da tue, gab er ihr zur Antwort, sie solle es geniessen. «Sie ist schwach geworden, als ich sie berührte», sagte der Beschuldigte, der darauf beharrte, dass es sich dabei um einvernehmlichen Sex handelte. «Ich war halb wach, halb weg und nicht in der Lage, ihm zu sagen, dass er aufhören soll. Sonst hätte ich ihm das gesagt», so das zweite Opfer während der Hauptverhandlung.

Frage der Widerstandsfähigkeit

Das Gericht befand den 19-Jährigen wegen mehrfacher Schändung für schuldig und verurteilte ihn zu einer zehnmonatigen bedingten Haftstrafe. «Es ist unbestritten, dass eine schlafende Person widerstandsunfähig ist», sagte Gerichtspräsident René Ernst in der Urteilsverkündung. Die Frage, die sich das Gericht gestellt habe, sei vielmehr, ob das zweite Opfer beim Beischlaf aktiv mitgemacht habe, wie dies der Angeklagte mehrfach wiederholt hatte. «Dies ist unwahrscheinlich. Das Opfer ist klein, schmächtig und war offensichtlich zugedröhnt», so Ernst. Ob und wann sich die Widerstandsfähigkeit eingestellt habe, könne nur vermutet werden. Im Zweifelsfall für den Angeklagten erachtet das Gericht den Moment, als die junge Frau den Angeklagten fragte, was um sie geschehe, als wichtig. «Ab dem Zeitpunkt der Frage durfte der Angeklagte davon ausgehen, dass sie mitbekommt, was passiert», so der Richter.

(jd)