Anwohner klagen

10. Oktober 2019 17:17; Akt: 10.10.2019 17:57 Print

«Stellt SBB uns vor vollendete Tatsachen?»

Wegen des Vierspurausbaus in Liestal verschwindet ein Bahnübergang. Ersatz ist nicht in Sicht. Anwohner befürchten das Schlimmste und wehren sich mit einem offenen Brief.

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Müssen Bewohner des Liestaler Schwieriquartiers bald einen halben Kilometer Umweg auf sich nehmen, um das Stadtzentrum zu erreichen, das eigentlich ganz nah liegen würde? Mit dem Vierspur-Ausbau der Bahnlinie wird die SBB die bestehende Bahnschranke am heutigen Standort Schwieriweg nämlich definitiv schliessen und eine Lärmschutzmauer hochziehen. «Ohne einen gleichwertigen und behindertengerechten Ersatz anzubieten», wie Anwohner in einem offenen Brief an die Stadtverwaltung, SBB und das Bundesamt für Verkehr monieren.

Weiter heisst es in dem Schreiben der Quartierbewohner: «Fussgänger mit Kinderwagen, Einkaufswagen oder gehbehinderte Personen werden zu Umwegen von über einem halben Kilometer gezwungen».

Unmittelbar neben dem Bahnübergang, steht zwar eine Passerelle, diese ist allerdings nur ein Provisorium und sei für Menschen mit Gehbehinderung nicht passierbar. Anwohner haben sich mit einer Sammeleinsprache auch schon mit Erfolg gegen die SBB gewehrt, wie die «Basler Zeitung» berichtet. Das Bundesamt für Verkehr rügte die SBB im April, dass die vorgesehene neuen Passerelle dem Behinderungsgleichstellungsgesetz und auch den übrigen Normen nicht genüge.

Unterführung plötzlich unmöglich?

Die Bewohner des Schwieriquartiers wünschen sich eigentlich eine Unterführung am Standort des noch bestehenden Bahnübergangs. Das scheint aber nicht mehr möglich. Just an dieser Stelle wurde unlängst eine Hochspannungsleitung verlegt, damit scheint diese Lösung vom Tisch. Denn: Die Leitung tauchte in den Plänen der SBB von 2017 noch nicht auf. «Wir befürchten, dass wir vor vollendete Tatsachen gestellt werden», heisst es im offenen Brief.

Auf Anfrage nimmt das Bundesamt für Verkehr (BAV) zum offenen Brief keine Stellung, teilt aber mit: «Die Baugenehmigung für den Projektbestandteil Passerelle Schwieri hat das BAV eingestellt.» Es habe die SBB angewiesen, das Projekt bezüglich des Bahnübergangs und der Fussgängerpasserelle Schwieri nochmals zu überprüfen und das Ergebnis oder allfällige Projektänderungen dem BAV einzureichen. Dies sei «bis anhin noch nicht geschehen», darum habe das BAV auch keine Kenntnis welche Lösung von Seiten der SBB vorgeschlagen werden.

Gibt es doch eine Lösung?

Der Stadtverwaltung Liestal habe die SBB schon Lösungsvarianten vorgelegt, wie es von beiden Seiten heisst. Der für den Entscheid zuständige Stadtrat habe diese aber noch nicht gesehen und konnte sie noch nicht beurteilen, teilte Stadtverwalter Benedikt Minzer mit.

Ein Treffen zwischen der Stadt Liestal und der SBB ist noch im Oktober anberaumt, um die Varianten für die künftige Über- oder Unterführung zu besprechen. «Vorgesehen ist, die Varianten an einem Informationsanlass speziell für das Schwieriquartier vorzustellen.», so Raffael Hirt, Mediensprecher der SBB.

(mhu)