Strafgericht BS

06. Dezember 2016 20:06; Akt: 07.12.2016 07:57 Print

Schoss Taxifahrer mit Revolver auf Kollegen?

Ein 42-jähriger Taxifahrer soll nach einem Streit seinem Kollegen einen Revolver vors Gesicht gehalten und abgedrückt haben. Doch der Fall ist ziemlich verworren.

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Ein Streit zwischen zwei Taxifahrern mündete am 17. April in einer Schussabgabe. Am Dienstag befasste sich das Strafgericht Basel-Stadt mit dem Fall und befragte den wegen vorsätzlicher versuchter Tötung angeklagten Chaffeur dazu.

Viele zentrale Fragen blieben aber auch nach der Verhandlung unbeantwortet – etwa, wie es genau zum Schuss aus dem Revolver kam, welcher in den frühen Morgenstunden vor dem Restaurants Johanniter fiel. Das Projektil durchschlug die Scheibe des zum Zeitpunkt gut besuchten Restaurants Johanniter und blieb in der Decke stecken. Die Anklage wirft dem 42-jährigen Beschuldigten vor, dass er nach einer Rauferei am Taxistand zu sich nach Hause gefahren sei und dort die Waffe aus dem Keller geholt habe, um sich an seinem Kollegen zu rächen.

«Ich bin das Opfer»

Der türkische Staatsbürger widersprach den Vorwürfen jedoch vehement: Nicht er habe den Revolver gehalten, sondern sein Kontrahent. Er habe während des Handgemenges lediglich den Arm seines Widersachers weggedrückt. Dabei habe sich der Schuss gelöst. Grund für den Streit sei die Schusswaffe gewesen: «Wir stritten uns um den Preis der Waffe, die er mir verkaufen wollte, als er mir den Revolver plötzlich vor den Kopf hielt», so der vorbestrafte Angeklagte energisch. «Ich bin das Opfer und verstehe nicht, wieso ich im Gefängnis sitze.» Der von ihm beschuldigte Berufskollege habe bereits rund 20 andere Taxifahrer illegal mit Waffen versorgt.

Wer hat geschossen?

Auch ob es sich beim Revolver, den der Angeklagte nach seiner Flucht in der Garage versteckte, um die Tatwaffe handelte, blieb unklar. Laut einem beigezogenen Kriminaltechniker könne nicht mit Sicherheit bestätigt werden, dass mit der Waffe an jenem Abend geschossen wurde. Ebensowenig könne das sichergestellte Projektil besagtem Revolver zugeordnet werden.

In den Augen der Staatsanwältin sprechen dennoch alle Fakten für eine Verurteilung. «Auf der Waffe und den Munitionsschachteln liess sich lediglich die DNA des Angeklagten feststellen. Drei Mal wurde er einvernommen und jedes Mal hat er seine Aussagen den Ermittlungs-Ergebnissen angepasst», so die Staatsanwältin. Diese seien absolut unglaubhaft und widersprüchlich gewesen. Sie plädierte auf sechs Jahre Freiheitsstrafe.

Verteidigung fordert Freispruch

Laut dem Verteidiger reicht die Beweislage nicht für eine Verurteilung aus. «Nirgendwo konnte nachgewiesen werden, dass mein Mandant einen Revolver hatte und er diesen benutzt hat», sagte er. Deshalb forderte er einen Freispruch.

Das Urteil wird am Mittwochnachmittag gesprochen.

(jd)