Gelterkinden BL

16. Januar 2020 04:41; Akt: 16.01.2020 16:43 Print

Schüler (12) dröhnt sich mit Xanax-Pillen zu

Ein Schüler dröhnte sich mit Beruhigungsmitteln zu: Der Polizei ist der Vorfall bekannt. Medikamentenmissbrauch sei an Schulen im ganzen Kanton ein Thema.

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Dröhnen sich an der Sekundarschule Gelterkinden Schüler mit verschreibungspflichtigen Medikamenten zu? Am Dienstag kursierte auf dem Pausenhof ein Fläschchen mit Xanax-Pillen, am späten Nachmittag wurde ein völllig zugedröhnter 12-Jähriger am Bahnhof Gelterkinden vorgefunden, der später in Spitalbehandlung kam. Der Polizei Basel-Landschaft ist dieser Fall bekannt, wie sie auf Anfrage von 20 Minuten bestätigte.

Eine 15-Jährige hat den Jungen in desolatem Zustand im Bahnhofsshop angetroffen. «Er konnte nicht mehr richtig laufen. Ich wusste nicht wie ich handeln soll», erzählt die Teenagerin. Sie sei mit ihm an die frische Luft gegangen und habe sich mit ihm hingesetzt. «Er konnte nicht einmal mehr stabil sitzen, ich musste ihn halten.»

Der Bub hatte sich mit Xanax zugedröhnt. Das rezeptfplichtige Beruhigungsmittel wird bei Angststörungen verschrieben und kann rasch abhängig machen. Die Teenagerin nahm ihm eine Pillendose weg. Der Junge protestierte, die gehörten nicht ihm, er habe sie einem Kollegen geklaut. Schliesslich seien zwei Freunde des Buben aufgekreuzt und hätten ihn mitgenommen. Noch am selben Abend soll der 12-Jährige in Spitalbehandlung gekommen sein.

Schweizerweiter Trend zu starkem Konsum

Dass Benzodiazepine auf dem Schulhof die Runde machten, wurde am Mittwoch auch der Schulleitung der Sekundarschule Gelterkinden gemeldet. Diese wollte sich am Mittwoch auf Anfrage von 20 Minuten nicht zum Fall äussern. Die Eltern des betroffenen Buben wollten sich ebenfalls nicht äussern.

In Absprache mit der Jugendanwaltschaft lässt Gaugler verlauten, «dass die Jugend gegenwärtig schweizweit zu starkem Betäubungsmittelkonsum neigt und sich dieses Verhalten auch in den Missbrauch von Medikamenten teilverlagert».

Dieser auch im Kanton Basel-Landschaft festzustellende Trend sei in allen Kantonsteilen anzutreffen. «Die Sekundarschule Gelterkinden sticht dabei nicht als Drogenschule hervor.» Man habe bis jetzt keine Hinweise auf einen organisierten Handel mit Medikamenten auf dem Schulareal in Gelterkinden.

Schule schon vor zwei Jahren in Schlagzeilen

Die Sekundarschule Gelterkinden stand schon vor zwei Jahren wegen Drogenmissbrauchs in den Schlagzeilen. Damals stand noch Cannabis im Fokus. Es kam ebenfalls zu Polizeinsätzen an der Schule, bei denen Drogen sichergestellt wurden.

In einer ersten Fassung stellte die Redaktion einen Zusammenhang zwischen einem Polizeieinsatz an der Sekundarschule Gelterkinden am Mittwochmorgen und dem Medikamentenmissbrauch an der Schule her. Das war falsch: Die Polizei war an der Schule, wo es auch zur Anhaltung eines Schülers kam, diese stand aber in anderem Zusammenhang, wie die Polizei betont. Die Reaktion entschuldigt sich für den Fehler.

Werden in deinem Umfeld Benzos konsumiert oder konsumierst Du gar selbst? Wir würden gerne mehr darüber erfahren, warum junge Menschen zu rezeptflichtigen Medikamenten greifen, um sich zu berauschen. Wir behandeln alle Angaben vertraulich.

(obr/lha)